Das Marktstammdatenregister kommt: Darauf müssen Sie achten

14.09.2017 12:06:43 von David Wagenblass

MarktstammdatenregisterIm Herbst 2017 nimmt das neue Marktstammdatenregister seinen Betrieb auf. Künftig werden dort die Stammdaten aller Energieerzeugungsanlagen und Marktteilnehmer erfasst, die Strom verkaufen, weiterleiten oder nicht nur zum Eigenverbrauch produzieren. Die Betreiber sind verpflichtet, sich und ihre Anlagen neu im Marktstammdatenregister zu registrieren. Erfahren Sie hier, worauf sie dabei achten müssen und welche Fristen gelten.

Zentrale Erhebung aller Energieerzeugungsanlagen

„Marktstammdatenregister“ klingt nach Bürokratie – und das ist es zunächst auch: In die Online-Datenbank muss sich künftig jeder Netzbetreiber, Betreiber von Eigenerzeugungsanlagen und Letztverbraucher eintragen, sofern er Strom an Dritte weiterleitet. Das gilt auch, wenn die Weiterleitung unentgeltlich erfolgt.

Das Marktstammdatenregister (MaStR) löst das bisherige Photovoltaik-Meldeportal und Anlagenregister ab. Ziel der Umstellung ist, die Stammdaten sämtlicher Erzeugungsanlagen zentral und transparent zusammenzufassen. Bislang waren die Meldestrukturen noch auf die „alte Welt“ ausgerichtet, also auf die Energieversorgung durch wenige Großanlagen. Inzwischen hat sich aber die Energieerzeugung und -versorgung durch zahlreiche miteinander vernetzte Kleinanlagen etabliert.

Um welche Daten geht es beim Marktstammdatenregister?

Anlagenbetreiber und andere Akteure auf dem Energiemarkt müssen die vollständigen Stammdaten wie Standort, Kontaktdaten und technische Anlagendaten eintragen. Diese Daten sind dann auch öffentlich einsehbar. Das gilt jedoch nicht für personenbezogene oder vertrauliche geschäftliche Daten, auf die nur dazu berechtigte Behörden Zugriff haben. Bewegungsdaten wie Lastzeitreihen, Energiemengen oder Speicherfüllstände erfasst das neue Register nicht. Die Netzbetreiber haben künftig die Aufgabe, die Daten Energie erzeugender Einheiten zu kontrollieren. 

Das zentrale Register soll die Daten aller Akteure auf dem Energiemarkt enthalten. Die Bundesnetzagentur verspricht sich davon deutlich vereinfachte Prozesse, sowohl mit Behörden als auch zwischen den Marktteilnehmern. Dazu soll auch die Marktstammdatennummer beitragen, die jeder Akteur in dem Register erhält. Mit dieser Nummer sind alle Marktteilnehmer eindeutig identifizierbar.

Schnittstelle für automatisierte Kommunikation

Ein weiterer Vorteil des MaStR: Zentrale Funktionen können über Schnittstellen in einer automatisierten Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) abgewickelt werden. Dies betrifft etwa den Datenabruf und die Netzbetreiberprüfung. Damit bietet das neue Register deutlich umfassendere Funktionen als das bisherige Photovoltaik-Meldeportal und Anlagenregister.

Wer muss sich im Marktstammdatenregister eintragen?

Wer sich im MaStR registrieren muss, ist in der Marktstammdatenregisterverordnung (MaStRV) geregelt: Neben Energielieferanten und Netzbetreibern sind Betreiber von organisierten Marktplätzen, Bilanzkreisverantwortliche, Messstellenbetreiber, Transportkunden sowie alle ortsfesten Einheiten zur Energieerzeugung einzutragen. Das gilt auch für kleine EEG- und KWK-Anlagen sowie Energiespeicher, sofern sie an das Strom-, Gas- oder Fernleitungsnetz angeschlossen sind und nicht nur dem Eigenverbrauch dienen.

Was den Aufwand erhöht: Das Marktstammdatenregister „denkt“ in Einheiten und nicht in Personen. Daher wird in vielen Fällen eine mehrfache Registrierung erforderlich sein: etwa als Anlagenbetreiber, für jede Erzeugungseinheit sowie als Stromlieferant.

Wer gilt als Stromlieferant?

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Rolle als Anlagenbetreiber und als Stromlieferant. Denn Unternehmen können sonst schnell zu Energielieferanten im Sinne der MaStRV werden, ohne es zu wissen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) weist darauf hin, dass dies schon der Fall ist, wenn eine Konzernmutter den Strom etwa an eine 100%ige Tochter-GmbH auf dem eigenen Betriebsgelände weiterleitet (oder umgekehrt). Die Konzernmutter ist dann Stromlieferant an die Tochter-GmbH und muss entsprechend im MaStR registriert werden.

Das Gleiche gilt für ausgelagerte Kantinen auf dem eigenen Betriebsgelände oder zeitweise auf dem Betriebsgelände tätige Fremdfirmen (zum Beispiel ein Bauunternehmen), die den Strom vom Unternehmen beziehen, dem das Gelände gehört. Auch dann ist das Unternehmen im Sinne der MaStRV Stromlieferant an den Kantinenbetreiber oder die Baufirma.

Registrierung im Marktstammdatenregister: Welche Fristen gelten?

Die Registrierung muss erfolgen, sobald das MaStR seinen Betrieb aufgenommen hat - voraussichtlich im Herbst 2017. Das entsprechende Konto legt der Anlagenbetreiber oder Marktteilnehmer im Energiedatenportal der Bundesnetzagentur an. Dort erfasst er seine Stammdaten, registriert die Marktakteure in ihren verschiedenen Funktionen sowie – als Anlagenbetreiber – seine Anlagen. Die Registrierungen müssen gemäß MaStRV bis 1. Januar 2018 vorgenommen worden sein. 

Die Daten von Bestandsanlagen sind mit Inbetriebnahme des MaStR bereits im Marktstammdatenregister integriert. Ihre Betreiber müssen sich jedoch ebenfalls noch als Marktakteur registrieren und die Daten ihrer Anlagen überprüfen. Für die Überprüfung und ggf. Korrektur der Bestandsdaten gilt eine längere Übergangsfrist bis 30. Juni 2019.

Änderungen muss jeder Teilnehmer ebenfalls umgehend im Register melden. Das gilt auch, wenn eine Fremdfirma, die auf dem Betriebsgelände Strom vom Unternehmen bezogen hat (siehe Beispiel oben), ihre Tätigkeit beendet.

Folgen versäumter Registrierungen

Bei der Registrierung und Pflege der Daten handelt es sich um eine Meldepflicht. Wer ihr nicht nachkommt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann – laut § 95 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) in Höhe von bis zu 50.000 Euro.

Versäumen Betreiber von EEG- und KWK-Anlagen die Registrierung, können außerdem Einspeisevergütungen und Marktprämien zurückgehalten werden oder die Förderung ganz entfallen. Eine frühzeitige Registrierung im Marktstammdatenregister ist also dringend zu empfehlen.

Meldepflichten

Die Bundesnetzagentur informiert auf ihrer Website detailliert über die Meldepflichtigen nach Start des Marktstammdatenregisters.

Fazit

Im Herbst soll das Marktstammdatenregister (MaStR) seinen Betrieb aufnehmen und das bisherige Photovoltaik-Meldeportal und Anlagenregister ablösen. Künftig werden dort die Stammdaten sämtlicher Erzeugungsanlagen und Marktakteure zentral und transparent zusammengefasst. Jeder Markteilnehmer ist dann eindeutig identifizierbar, eine Maschine-zu-Maschine-Schnittstelle soll zudem eine reibungslose automatisierte Kommunikation gewährleisten. Bevor die Marktteilnehmer davon profitieren können, kommt jedoch einiger Aufwand auf sie zu: Jeder Anlagenbetreiber und Marktakteur ist verpflichtet, sich nach Inbetriebnahme des Marktstammdatenregisters zu registrieren. Dabei werden häufig mehrfache Eintragungen erforderlich sein, denn das Register ist nach einzelnen Einheiten zur Energieerzeugung strukturiert, nicht nach Personen als Marktteilnehmern. Das gilt auch für Betreiber kleiner EEG- oder KWK-Anlagen. Die Frist für die Registrierung endet am 1. Januar 2018. Betreiber sollten sie auf jeden Fall beachten. Sonst drohen Bußgelder oder der Verlust von Einspeisevergütungen und Marktprämien.

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Themen: Strompreis, Stromeinkauf

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Der Energieexperte berät u.a. Verbände in Energiefragen und hält regelmäßig Vorträge zur Kostenreduzierung im Energieeinkauf sowie durch Energieeffizienzlösungen. Darüber hinaus ist er der erste Ansprechpartner in Energiefragen für rund 10.000 Verbandsmitglieder in Deutschland. T : +49 621 290-1695 E-Mail: [email protected]

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