So senken Sie Ihre Stromkosten mit betrieblichem Lastmanagement!

04.05.2016 16:11:48 von David Wagenblass

Lastmanagement

Ihr Unternehmen verbraucht genauso viel Strom wie andere, bezahlt aber mehr dafür? Dafür kann es triftige Gründe geben. Zum Beispiel, dass Ihr Stromverbrauch im Tages- und Wochenverlauf stark schwankt. Solche „Leistungsspitzen“ belasten das Stromnetz und können teuer werden. Lesen Sie hier, wie Sie diese Schwankungen begrenzen und Ihre Energiekosten durch ein betriebliches Spitzenlastmanagement nachhaltig senken.

Was versteht man unter einer Lastspitze?

Eine Lastspitze ist eine kurz auftretende, hohe Leistungsnachfrage im Stromnetz. Sie entsteht zum Beispiel, wenn mehrere Geräte oder Maschinen in einem Betrieb zeitgleich anlaufen. Diese Spitzen verteuern Ihren Stromtarif, unabhängig davon, wie lange sie dauern.

Was ist ein betriebliches Spitzenlastmanagement?

Die aktive Steuerung des Stromverbrauchs über bestimmte Zeiträume hinweg, etwa im Tages- oder Wochenverlauf, bezeichnet man als Betriebliches Lastmanagement. Es hat zum Ziel, die Bereitstellungskosten für Strom zu reduzieren. Die Einführung einer solchen Steuerung erfolgt in zwei Schritten:

  • Im ersten Schritt sollten Sie gemeinsam mit Energieexperten den Stromverbrauch Ihres Unternehmens analysieren.
  • Aus den Ergebnissen lassen sich im zweiten Schritt Maßnahmen ableiten, um die vorhandenen Lastspitzen zu begrenzen und einen möglichst gleichmäßigen Stromverbrauch sicherzustellen.

Durch eine Reduzierung der Maximalleistung können Sie für Ihr Unternehmen erhebliche Kosteneinsparungen erzielen.

Spitzenlastmanagement

Ab wann ist ein betriebliches Lastmanagement für mein Unternehmen sinnvoll?

Ein Spitzenlastmanagement lohnt sich für Ihr Unternehmen besonders dann, wenn es mehr als 100.000 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr verbraucht. Ist dies der Fall, misst Ihr Energieversorger die Stromabnahme alle 15 Minuten über einen fernauslesbaren Stromzähler (Registrierende Leistungsmessung, kurz: RLM). Aus den einzelnen Messwerten ergibt sich Ihr Lastgang, also das Verbrauchsverhalten Ihres Betriebes im Zeitverlauf.

Die Messwerte zeigen genau an, zu welchem Zeitpunkt Ihr Unternehmen die höchste Leistung aus dem Stromnetz entnimmt. Diese „Lastspitzen“ sind für die Höhe der Netznutzungsentgelte ausschlaggebend, die der Netzbetreiber erhebt. Dabei gilt: Je höher die Lastspitzen, desto höher sind auch die Netznutzungsentgelte.

Abgerechnet wird dieses Entgelt von Ihrem Energieversorger über die Stromrechnung:

  • Ihr Strompreis setzt sich in der Regel aus einem Anteil für die tatsächlich abgenommene Strommenge („Arbeitspreis“) und einer Pauschale („Grundpreis“) zusammen.
  • Dieser Grundpreis besteht ebenfalls aus mehreren Komponenten. Neben staatlich festgelegten Steuern und administrativen Kosten ist der „Leistungspreis“ als variable Komponente ein Teil davon.
  • In diesem Leistungspreis sind auch die Netzentgelte enthalten, die Ihrem Energieversorger vom Netzbetreiber in Rechnung gestellt werden. Wie hoch diese Entgelte sind, hängt von der von Ihnen beanspruchten Jahreshöchstleistung, also Ihrer absoluten Verbrauchsspitze, ab.

Gut zu wissen: Ihr Energieversorger ist gesetzlich verpflichtet, Sie im Rahmen der vereinbarten Spitzenlast zu beliefern und muss die entsprechende Leistung auf Abruf vorhalten. Je höher Sie Ihre maximal mögliche „Abrufmenge“ vereinbaren, desto höher der Leistungspreis. Eine einzelne hohe Leistungsspitze kann auf diese Weise hohe Kosten verursachen.

Lastganganalyse

Wie kann ein betriebliches Lastmanagement Verbrauchsspitzen begrenzen?

Sie können die Energiekosten Ihres Unternehmens mit Hilfe eines betrieblichen Spitzenlastmanagements auf zwei Wegen reduzieren:

  1. Durch ein automatisches Lastkontrollsystem.
  2. Durch die zeitliche Verlagerung von Produktionsprozessen.

1. Leistungsspitzen begrenzen durch ein automatisches Lastkontrollsystem

Ein automatisches Lastmanagement- oder auch Lastabwurfsystem begrenzt die abgenommene Leistung auf einen vorgegebenen Grenzwert. Das System schaltet bei einer zu starken Nachfrage im Voraus definierte Verbraucher kurzzeitig ab, so dass teure Leistungsspitzen beim Energiebezug vermieden werden. Ihr Betriebsablauf wird dadurch nicht beeinträchtigt: Abgeschaltet werden nur Geräte, die ihre Energie problemlos später beziehen können.

Welche Verbrauchsquellen wie häufig, in welcher Reihenfolge und für wie lange abgeschaltet werden, klärt eine Analyse mit Ihrem Energieberater im Vorfeld. Wichtig ist dabei, dass Ihr Unternehmen über steuerbare Verbraucher verfügt. Ein automatisches Lastkontrollsystem kann dann im Prinzip jederzeit nachgerüstet werden.

Folgende flexible Anlagen können abgeschaltet werden, um Leistungsspitzen zu vermeiden: Klimaanlagen, Belüftungsanlagen, Kühlaggregate, Heizgeräte, Schmelz- und Härteanlagen, Elektroöfen, Pumpen, Druckluftanlagen mit Speicher oder Galvanikbäder.

2. Spitzenlasten vermeiden durch zeitliche Verlagerung von Produktionsprozessen

Oft können schon kleine Änderungen im Organisationsablauf die Lastspitze reduzieren.

  • Werden morgens beispielsweise gleichzeitig mehrere Maschinen hochgefahren, kommt es häufig zu Lastspitzen. Denn viele Geräte verbrauchen kurz nach dem Einschalten viel Strom. Schalten Sie daher große elektrische Verbraucher zeitversetzt ein, um Energiekosten zu sparen.
  • Es lohnt sich auch, Großverbraucher gegenseitig zu sperren: Ist eine bestimmte Maschine in Betrieb, kann eine andere nicht angeschaltet werden.
  • Können Sie energieintensive Prozesse in Tageszeiten mit günstigen Strompreisen verschieben? Dann sparen Sie bei den Netznutzungsentgelten und optimieren gleichzeitig Ihre Strombezugskosten.

Jetzt MVV Partner Blog abonnieren

Fazit

Ein aktives betriebliches Spitzenlastmanagement kann die Energiekosten durch das Begrenzen von Lastspitzen erheblich senken. Allerdings sollten Sie die Investitionskosten den Einsparungen bei den Netzentgelten gegenüberstellen. Prüfen Sie, ob die Einsparungen die Investitionen rechtfertigen. Hier lohnt sich eine langfristige Betrachtung, die auch die künftige Entwicklung des Strompreises mit einkalkuliert.

Für diese Wirtschaftlichkeitsrechnung und die Auswahl der effizientesten Maßnahmen empfiehlt es sich, einen Energieexperten ins Boot zu holen: Damit das Lastmanagement keine „Last“ wird, sondern zu dauerhaften Einsparerfolgen führt! Dieser kann eine Lastganganalyse durchführen und somit prüfen, ob Sie auffällige Lastspitzen haben. 

Themen: Energieeffizienz

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Der Energieexperte berät u.a. Verbände in Energiefragen und hält regelmäßig Vorträge zur Kostenreduzierung im Energieeinkauf sowie durch Energieeffizienzlösungen. Darüber hinaus ist er der erste Ansprechpartner in Energiefragen für rund 10.000 Verbandsmitglieder in Deutschland. T : +49 621 290-1695 E-Mail: david.wagenblass@mvv.de

* Pflichtfelder