Energielösungen

Big Data: Wenn Gebäude sparen lernen

Sommer 2018

Wer beim Autofahren stets zwischen Vollgas und Bremse wechselt, verbraucht mehr Energie und verursacht höhere Kosten. Ähnlich ineffizient verhält es sich heute auch in vielen Gewerbegebäuden: Gerade wurde das Gebäude noch kräftig geheizt, schon scheint die Sonne und die Klimaanlage setzt ein. Besser wäre es jedoch, wenn die Heizungs- oder Klimaanlagen ihre Leistung vorausschauend regulieren könnten. Und genau hier setzt eine geringinvestive Big-Data-Lösung an, die auf künstlicher Intelligenz basiert. Mit energyControl lernen Gebäude, die eigene Energieeffizienz fortlaufend zu steigern.

Effizienzpartner mit großem Leistungsspektrum

Das MVV-Partnerunternehmen Recogizer reichert Anlagendaten mit externen Informationen zuverlässig und sicher an – zum Beispiel mit Wetterprognosen, Nutzungsdaten oder Kundenfrequenz. „Viele Betriebs- und Verbrauchsdaten werden heute schon gesammelt, doch dieser Datenschatz wird selten für eine vorausschauende Regelstrategie genutzt“, sagt Oliver Habisch, Geschäftsführer von Recogizer.
 
 
Oliver Habisch
„Ob Bürogebäude, Hotel oder Handelsimmobilie: Im Durchschnitt sind 20 bis 30 Prozent Energieeinsparung möglich“, so Oliver Habisch, Geschäftsführer von Recogizer.
 
 

Daten erheben, aufbereiten und visualisieren: Mit diesen Leistungen ist MVV bereits heute Effizienzpartner vieler Unternehmen. „EnergyControl ist für uns ein weiterer wichtiger Baustein in dieser Leistungskette und ein Einstieg in das ‚Internet der Dinge‘“, beschreibt Stefan Görgen von MVV, warum sich das Unternehmen an Recogizer beteiligt hat. Denn auch die Leistungsfähigkeit von energyControl steht und fällt mit der Zahl der erhobenen Daten. „Durch unsere Zusammenarbeit können wir jetzt auch solche Daten für Unternehmen nutzbar machen, die bislang bei der Optimierung von Heizung, Klima und Lüftung außen vor blieben“, ergänzt Görgen.

Betriebsdaten: je mehr, desto besser

Sensoren, Aktoren, Regler und Verbrauchszähler: Je mehr Daten energyControl erhält und je länger es im Einsatz ist, desto genauer werden die Prognosen – und desto höher fallen die Einsparungen aus. „In der Regel dauert es keine 12 Monate, bis sich die überschaubare Initialinvestition amortisiert hat“, sagt Carsten Kreutze, der zweite Recogizer-Geschäftsführer. EnergyControl ist als Nachrüstprodukt konzipiert und lässt sich praktisch in jede Liegenschaft integrieren. Dafür wird einfach eine Control-Box im Gebäude installiert, also ein Industrie-PC. Anders als bei baulichen Maßnahmen werden dabei keine betrieblichen Abläufe unterbrochen.
 
 
Carsten Kreutze
„Wichtig ist uns, die Energieeffizienz einfach zu steigern – und zwar mit wenig Aufwand für den Kunden. Dies gelingt am besten mit der intelligenten Gebäudeautomation“, sagt Carsten Kreutze. 
 
 
Für den Kunden fällt dabei kein Aufwand an, auch nicht in der späteren Nutzungsphase. Denn das auf künstlicher Intelligenz basierende System übernimmt automatisiert die Regelung. Über das energyPortal kann der Kunde selbst auf Informationen zugreifen und Trendanalysen durchführen.

Stefan Görgen„Unser Ziel ist es, mit schlanken und einfach nutzbaren Lösungen Energieeffizienz zu ermöglichen.“ 

 
Stefan Görgen von MVV nennt einen weiteren Vorteil, den die Kunden an energyControl schätzen: das optimale Raumklima. Das ist für die Mitarbeiter in Bürogebäuden genauso wichtig wie etwa für Modegeschäfte oder Einrichtungshäuser.
 
Das Geschäft öffnet morgens um 10 Uhr. Um pünktlich 21 Grad zu erreichen, wird das Gebäude üblicherweise schnell aufgeheizt. Gleichzeitig scheint die Sonne und die Außentemperatur steigt in kurzer Zeit von 9 auf 13 Grad. Die Temperatur in den Räumen geht dann kurzzeitig über den Sollwert und muss wieder gesenkt werden – im schlechtesten Fall wird dann gekühlt“, fasst Görgen zusammen. Beides braucht mehr Energie als nötig – und genau dies verhindert energyControl durch sein vorausschauendes „Denken“.
 

Der digitale Zwilling

Wie erreicht energyControl die Effizienz- und Einsparziele? Dazu erstellt es einen digitalen Zwilling des jeweiligen Gebäudes. Mit den über die Zeit gesammelten Daten entsteht ein virtuelles Abbild des Gebäudes und der Anlage. Dieses wird automatisiert mit Prognosedaten gefüttert, etwa zu Belegungssituation und Witterungsbedingungen. Aus den Reaktionen des digitalen Zwillings ermittelt energyControl dann den jeweiligen thermischen Energiebedarf und leitet Aktionen für die aktuelle Regelstrategie ab.

Recogizer und MVV: Zukunft im Blick

Recogizer ist eines der führenden Unternehmen beim Einsatz von Predictive Analytics für Industrie und Energie. Die Spezialisten für künstliche Intelligenz verknüpfen Machine Learning mit ingenieurwissenschaftlicher Expertise: mit einem Team aus Informatikern, Mathematikern, Physikern und Ingenieuren. MVV ist mit einem rund 25%igen Anteil an dem Unternehmen beteiligt. Gemeinsam eröffnen die Partner umfassende Einspar- und Effizienzsteigerungsmöglichkeiten bei kommerziell genutzten Gebäuden.

7 Topgründe für Intelligenz in der Klimatechnik

  • Energieeinsparung von 20 bis 30 Prozent: Mit der vorausschauenden Regelung durch energyControl verbrauchen Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen (HLK-Anlagen) spürbar weniger Energie und Sie sparen bares Geld.
  • Big Data für mehr Energieeffizienz: Durch selbst erhobene und externe Daten lernen Gebäude, die Energieeffizienz fortlaufend zu steigern. Wer weiß, wann die Sonne scheint oder zu welcher Tageszeit wie viele Personen im Gebäude sind, kann genau so viel Wärme, Kälte und Frischluft bereitstellen wie benötigt – und das automatisiert
  • Schnelle Amortisation: Die überschaubare Investition sorgt dafür, dass sich die Maßnahme nach weniger als einem Jahr rechnet.
  • Einfache Installation: EnergyControl ist als Nachrüstprodukt konzipiert und lässt sich im Handumdrehen in jedes größere Gebäude integrieren.
  • Einfache Handhabung: Technisches Know-how ist für den Betrieb nicht notwendig. EnergyControl spart automatisiert Energie, Sie können dem auf künstlicher Intelligenz basierenden System die Steuerung der HLK-Anlagen selbständig überlassen.
  • Umfassendes Monitoring: Über das energyPortal haben Sie alle Daten und Einsparungen im Blick. Sie können auf alle Informationen zugreifen und eigene Analysen durchführen.
  • Optimales Raumklima: Raumtemperatur, Luftfeuchte und Luftqualität werden stabil im Sollbereich gehalten. Das sorgt für ein angenehmes Raumklima und eine höhere Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit.
Interview mit Oliver Habisch und Carsten Kreutze, Geschäftsführer von Recogizer

Big Data für energiesparende Gebäude

Oliver Habisch und Carsten Kreutze sind Geschäftsführer von Recogizer und haben das Unternehmen gemeinsam gegründet. Das Partnerunternehmen von MVV hat sich auf datenbasierte vorausschauende Analysen für die energetische Optimierung von Gebäuden spezialisiert. Im Interview sprechen wir mit ihnen darüber, warum sich das Aufzeichnen und Speichern von Daten lohnt, welche Daten wichtig sind und für wen energyControl die richtige Lösung ist.
 
Welche Grundidee steckt hinter energyControl?
Carsten Kreutze: Rund 35 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfallen auf Gebäude und viele Betreiber von Liegenschaften möchten Energie sparen. In Büros und anderen kommerziell genutzten Immobilien fallen für Heizung und Lüftung regelmäßig häufig bis zu 60 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs an.
 
Welchen Vorteil bringt Ihre Software dem Nutzer?
Carsten Kreutze: Üblicherweise sind Energieeffizienzmaßnahmen mit einem hohen Aufwand verbunden. EnergyControl ist eine neue, innovative Lösung, die sich als Nachrüstprodukt unkompliziert in viele Gebäude integrieren lässt.
 
Sie können die Energiekosten damit sehr schnell senken, ohne viel zu investieren. In der Regel amortisiert sich Ihr Einsatz in weniger als 12 Monaten.
 
Daten sind also die Grundlage für die Energieeinsparungen?
Carsten Kreutze: Ja, so ist es. Und dabei gilt: je mehr, desto besser. EnergyControl bezieht  relevante Betriebs- und Verbrauchsdaten ein und fügt neben Wetterprognosen auch Informationen zur Belegung von Gebäuden hinzu. Diese Daten sind vorhanden, werden oft auch gespeichert – doch sie werden nicht strukturiert über die Zeit ausgewertet.
 
In welchen Liegenschaften lohnt sich der Einsatz von energyControl?
Oliver Habisch: Auf der einen Seite im Retail-Geschäft, wo wir Ansätze multiplizieren können. Auf der anderen Seite in Individualgebäuden wie Hotels, Universitäten, Kliniken, Pflegeheimen oder Verwaltungsgebäuden. Entscheidend ist immer ein Mindestmaß an Energieverbrauch.
 
Welche technischen Voraussetzungen müssen die Gebäude mitbringen?
Oliver Habisch: Eine Gebäudeleittechnik ist von Vorteil, aber nicht ausschlaggebend. Es sollte jedoch eine Automationsebene vorhanden sein, da wir dort mit unserer Lösung ansetzen. Das ist aber bei Gebäuden mit höheren Energieverbräuchen meistens der Fall.
 
Wie viel Energie können Gebäudebetreiber mit Ihrem Ansatz sparen?
Oliver Habisch: Im Schnitt senkt energyControl den Energieverbrauch um 20 bis 30 Prozent. Bei raumlufttechnischen Anlagen erreichen wir aber auch eine dauerhafte Energieeinsparung von bis zu 40 Prozent.
Controllbox energyControl

Die Control-Box von Recogizer lässt sich im Handumdrehen einfach und unkompliziert in jeder Liegenschaft installieren – ohne bauliche Maßnahmen und Unterbrechung der betrieblichen Abläufe.

Technikraum

Sensoren, Aktoren, Regler und Verbrauchszähler: Je mehr Daten energyControl sammelt, desto genauer werden die Vorhersagen – und desto höher fallen die Einsparungen aus.

Expertenteam

Recogizer arbeitet mit einem Team aus Ingenieuren, Mathematikern, Physikern und Data Scientists. Indem sie ihr jeweiliges Domänenwissen zusammenbringen, entstehen einzigartige Innovationen.

Digitaler Zwilling

Über den digitalen Zwilling wird der jeweilige thermische Energiebedarf für das Gebäude ermittelt und Aktionen für die aktuelle Regelstrategie abgeleitet - im Durchschnitt sind dadurch 20 bis 30 Prozent Energieeinsparungen möglich.

Einkaufszentrum

Ob Bürogebäude, Hotel oder Handelsimmobilie: Raumtemperatur, Luftfeuchte und Luftqualität werden durch energyControl stabil im Sollbereich gehalten.

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