Psychische Gefährdung am Arbeitsplatz erkennen und gegensteuern

12.12.19 09:00 von Esther Gensrich

Psychische_Gefaehrdung_am_ArbeitsplatzDie Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterstellt eine zentrale Grundvoraussetzung für den Erfolg und das Leistungspotenzial eines Unternehmens dar. Befragungen von Beschäftigten zeigen deutlich, dass das Wohlfühlen und die Gesundheit eine wichtige Rolle für ein positives Erleben des Arbeitsplatzes spielen. Dabei geht es nicht nur um das körperliche, sondern auch um das psychische Wohlbefinden. In diesem Beitrag lesen Sie, wie sich psychische Beeinträchtigungen bemerkbar machen, was diese beeinflusst, welche Folgen drohen und was Sie dagegen tun können.

Wie sich psychische Belastung am Arbeitsplatz bemerkbar macht

Wissen Sie, wo Ihre Belastungsgrenze liegt? Betroffene erkennen häufig nicht, dass sie gerade in die Über- (bzw. Unter-)forderung abgleiten. Je mehr Arbeit auf sie zukommt, desto stärker strengen sie sich an. Das eigene Urteilsvermögen wird ausgeschaltet und der Belastete hört nicht auf innere Signale. Es entsteht eine Form der Erschöpfung, die verschiedene Ebenen betrifft:

Körperliche Erschöpfung

Sie zeigt sich durch starke Müdigkeit und Energielosigkeit am Arbeitsplatz. Aber auch Schlafstörungen und fehlende Energie für Hobbies oder soziale Aktivitäten sind Beispiele für eine körperliche Erschöpfung.

Emotionale Erschöpfung

Den Betroffenen fällt es schwerer, sich in andere hineinzuversetzen und es entsteht der Eindruck von Desinteresse oder Kälte im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten. Die Arbeit wird mechanisch bzw. emotionslos verrichtet.

Mentale Erschöpfung

Beschäftigte mit mentaler Erschöpfung wirken schlechter organisiert. Sie entscheiden entweder zu schnell und kurzsichtig, oder verschieben Entscheidungen. Auch können Führungskräfte die Fähigkeit verlieren, klare Anweisungen zu geben.

Soziale Erschöpfung

Sozial erschöpfte Beschäftigte haben ein ausgeprägtes Rückzugsverhalten. Menschen mit gleichen Interessen und Aufgaben werden als anstrengend empfunden und soziale Aktivitäten wie zum Beispiel ein gemeinsames Mittagessen werden gemieden.

Welche Folgen treten bei psychischer Belastung auf?

Sowohl für die unmittelbar Betroffenen als auch für das Unternehmen selbst sind erhebliche Folgen festzustellen:

Mitarbeiter

Psychische Belastungen bedeuten für Mitarbeiter einen Verlust an Wohlbefinden, Lebensqualität sowie gesundheitliche Beeinträchtigungen. Ermüdung, Anspannung bzw. Nervosität, aber auch Angstzustände, Unzufriedenheit und kritisches Gesundheitsverhalten (z.B. erhöhter Alkoholkonsum) sind erste Zeichen psychischer Belastung. Sind Menschen über längere Zeit mit Arbeitsanforderungen konfrontiert, die sie über- oder unterfordern, können Depressionen, erhöhter Blutdruck, anhaltende erhöhte Muskelspannung mit Rücken- oder Nackenproblemen sowie Organschädigungen (Magengeschwür, Herzinfarkt, Schlaganfall) auftreten.

Unternehmen

Beeinträchtigungen der Mitarbeiter durch psychische Gefährdung am Arbeitsplatz bedeuten auch für Unternehmen ernstzunehmende Konsequenzen. Die Arbeitsleistung schwankt bzw. sinkt, die Qualität der Arbeitsverrichtung nimmt ab, Fehlzeiten und Konfliktsituationen nehmen zu. Auch kommt es vermehrt zu Arbeitsunfällen, wenn die Kommunikation der Beteiligten nicht funktioniert oder die Mitarbeiter übermüdet sind.

Wie Führungskräfte Abhilfe schaffen können

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet Arbeitgeber, Maßnahmen zum Arbeitsschutz zu ermitteln und verlangt eine Gefährdungsbeurteilung. Bei dieser Gefährdungsbeurteilung sind neben physischen Arbeitsbelastungen auch psychische zu berücksichtigen.

Führungskräfte sollten Arbeitsinhalte und Umfeld so gestalten, dass Risiken für die Gesundheit von Beschäftigten durch psychische Belastungen minimiert werden.

Wichtig ist:

  • Mängel in Arbeitsabläufen und der Arbeitsgestaltung erkennen und beheben
  • äußere Störfaktoren, wie beispielsweise einen zu hohen Geräuschpegel, minimieren
  • für eine realistische Aufgabenverteilung sorgen
  • die Mitarbeiter fachlich und sozial bei der Aufgabenerledigung unterstützen
  • die Beschäftigten informieren, sensibilisieren und zum Thema Stress bzw. Stressvermeidung beraten oder Stressbewältigungs-Techniken und Gesundheitskompetenzen vermitteln
  • die Mitsprache und Teilhabe der Beschäftigten am Geschehen zulassen
  • individuelle Stärken der Beschäftigten erkennen und diese fördern

Fazit

Arbeit hat grundsätzlich eine stabilisierende Wirkung auf die Psyche des Menschen. Die persönliche Befriedigung und das Gefühl, etwas zu leisten, sowie der Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzten fördern die Gesundheit und das Wohlbefinden. Allerdings müssen hierfür die Rahmenbedingungen stimmen. Hohe Anforderungen und ständige Veränderungen in der Arbeitswelt führen zu einer Zunahme an psychischen Belastungen für die Mitarbeiter. Durch Verringerung der Produktivität sowie Fehlzeiten entstehen den Unternehmen Kosten, die sich durch den richtigen Umgang mit psychischen Belastungsfaktoren vermeiden lassen.

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Themen: Trends und Wissenswertes

Esther Gensrich

Autor: Esther Gensrich

Esther Gensrich ist seit 2003 für die MVV Energie Gruppe tätig. Dort verantwortet sie aktuell im Business Development das strategische Marketing für Geschäftskunden. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von zukunftsorientierten und digitalen Marketingkonzepten. T +49 621 290-1625 E-Mail e.gensrich@mvv.de

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