Smart Grid: So wird das Elektroauto zum Stromspeicher

11.01.18 09:00 von David Wagenblass

Elektroauto als StromspeicherDie Idee ist simpel und zukunftsweisend zugleich: Warum nicht die Batterie eines Elektroautos zum temporären Speicher von erneuerbaren Energien nutzen? Smart Grid heißt die Zauberformel, die Besitzern von Elektrofahrzeugen viele Vorteile bietet. Lesen Sie hier, was heute schon möglich ist.

Smart Grid – was verbirgt sich dahinter?

Smart Grid steht für ein intelligentes Stromnetz, das die Erzeugung, die Speicherung und den Verbrauch von Energie effizient koordiniert. Ziel ist es, die bestehende Netzkapazität voll auszuschöpfen. Denn die Stromproduktion durch erneuerbare Energien ist durch natürliche Einflüsse ungleichmäßig.

Zum Beispiel Windparks: Wieviel Strom sie an einem bestimmten Tag liefern, ist schwer vorhersehbar, da die produzierte Strommenge schlicht vom Wetter abhängt. Im Idealfall kann überschüssige Energie zwischengespeichert werden. Nur wo? Ähnlich sieht es bei Solaranlagen auf Hausdächern aus: Mit Hilfe einer Batterie kann Strom auch dann zur Verfügung stehen, wenn die Sonne gerade nicht scheint. An diesem Punkt kommt das Elektrofahrzeug ins Spiel.

Wie können Elektroautos als Stromspeicher genutzt werden?

Mit der Smart Grid-Technologie sind die Akkus der Fahrzeuge nicht nur für die Fortbewegung des Autos zuständig. Sie können vielmehr Schwankungen im Stromnetz abfangen und ausgleichen. Das heißt: Überschüssiger Strom aus Windkraft- oder Photovoltaikanlagen kann in den Batterien des Fahrzeugs gespeichert und bei Bedarf wieder ins Netz oder an den Haushalt abgegeben werden – Experten nennen dies bidirektionales Laden.

Die Batterien von Elektroautos bieten bereits heute sehr gute Voraussetzungen für eine dezentrale Speicherung elektrischer Energie. Denn derzeit kommen in der Elektromobilität fast ausschließlich Lithium-Ionen-Akkus zum Einsatz. Diese können bei beliebigem Ladezustand aufgeladen werden, ohne die Kapazität der Batterie negativ zu beeinflussen.

Aber das ist noch nicht alles. Die Smart Grid-Technologie ist auch ein intelligentes Steuerungsinstrument. Es kann Stromflüsse regeln und die Energie bedarfsgerecht verteilen. 

Welche Vorteile haben Elektroauto-Besitzer von der Smart Grid-Technologie?

Dient das Elektroauto auch als temporärer Stromspeicher, ist das ein klarer Zusatznutzen für den Fahrzeugbesitzer. Denn in Zeiten, in denen das Fahrzeug nicht bewegt wird, dient seine Batterie als Zwischenspeicher. Dank eines intelligenten Steuerungsmechanismus kann der Elektroauto-Besitzer dann entscheiden, wann das Fahrzeug voll geladen sein muss und wann Energie in das häusliche Stromnetz eingespeist wird – und dort die Kaffeemaschine oder den Computer mit Strom versorgt.

Die Smart Grid-Technologie dürfte in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Schließlich soll die Stromerzeugung in Deutschland bis 2050 weitgehend auf erneuerbaren Energien basieren. Dies wird dazu führen, dass immer mehr Strom dezentral produziert wird und auch die Stromerzeugung an und auf Gebäuden weiter zunimmt. Davon profitieren Besitzer von Elektroautos, die mit der Smart Grid-Technologie Strom zwischenspeichern können – sei es als Privatperson oder als Unternehmen mit einer ganzen Fahrzeugflotte.

Fazit

Regenerative Energien und Elektromobilität sind wichtige Bausteine für ein Energiekonzept der Zukunft. Beide können mit der Smart Grid-Technologie nutzbringend verbunden werden, so dass die Stromversorgung zu Hause oder im Unternehmen über den Zwischenspeicher Auto sichergestellt wird. Wer zum Beispiel über eigenen Solarstrom verfügt, nutzt die Energie mit Smart Grid optimal, denn Schwankungen werden ausgeglichen – und letztendlich mit Hilfe des Elektroautos Stromkosten eingespart.

Themen: E-Mobility, Eigenerzeugung und Speicher

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Der Energieexperte berät u.a. Verbände in Energiefragen und hält regelmäßig Vorträge zur Kostenreduzierung im Energieeinkauf sowie durch Energieeffizienzlösungen. Darüber hinaus ist er der erste Ansprechpartner in Energiefragen für rund 10.000 Verbandsmitglieder in Deutschland. T +49 621 290-1695 E-Mail david.wagenblass@mvv.de

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