Steigende Netzentgelte: Wie Unternehmen trotzdem sparen

06.04.17 09:53 von David Wagenblass

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Netzentgelte sind Teil des Strompreises. Sie machen etwa ein Viertel der Stromkosten aus und steigen seit 2011 kontinuierlich an: Hat ein Gewerbekunde im Durchschnitt 2011 noch 4,89 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) für die Nutzung der Netze gezahlt, so kostete ihn dies 2016 schon 5,85 ct/kWh. Für Industriekunden stiegen die Netzentgelte im selben Zeitraum von 1,46 ct/kWh auf 2,06 ct/kWh. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Der Grund dafür sind vor allem die deutlich gestiegenen Investitionen in die Übertragungs- und Verteilnetze. Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, diese Netzentgelte zu reduzieren? Erfahren Sie hier mehr.

Was ist ein „Netznutzungsentgelt“?

Damit die Energie zum Beispiel von einem Kraftwerk zu ihrem Einsatzort gelangt, muss sie über eine Leitung zum Endverbraucher transportiert werden. Dies geschieht über Verteilnetze. Der Betreiber dieser Netze bekommt für das Durchleiten der Energie durch seine Netze eine Gebühr - das sogenannte Netzentgelt. Mit den Entgelten baut, erneuert, betreibt und wartet der Netzbetreiber die Versorgungsleitungen.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 900 Netzbetreiber. Sie dürfen den Preis für den Transport der Energie durch ihr Leitungsnetz nicht willkürlich festlegen, da Strom- und Gasnetze natürliche Monopole sind. Vielmehr errechnet die Bundesnetzagentur auf Basis der Netzentgeltverordnungen (StromNEV und GasNEV) die jeweiligen Preise. Diese muss der Netzbetreiber im Internet veröffentlichen.

Insgesamt machen die Netznutzungsentgelte durchschnittlich 17 Prozent des Strompreises aus – ein erheblicher Kostenfaktor auf der Stromrechnung jedes Unternehmens.

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Wer muss Netzentgelte bezahlen?

Großverbraucher aus der Industrie zahlen das Netznutzungsentgelt direkt an den Netzbetreiber. Bei allen anderen Kunden ist das Netzentgelt Teil des Strom- und Erdgaspreises, den die Verbraucher an ihren Versorger bezahlen. Dieser sammelt die Netzentgelte ein und leitet sie an den Netzbetreiber weiter.

Wie sieht die Entwicklung der Netzentgelte aus?

Seit 2011 sind die Netzentgelte stetig gestiegen: Zum Beispiel für einen Gewerbekunden von durchschnittlich 4,89 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) auf 5,85 ct/kWh im Jahr 2016 (bei einem Stromverbrauch von 50 MWh).

Entwicklung der Netzentgelte für Strom 2006-2016

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Auch in den kommenden Jahren werden die Netzentgelte weiter steigen, denn die Anforderungen an die Stromnetze nehmen zu. Ein weiterer Ausbau ist zum Beispiel erforderlich, um Windenergie aus dem Norden in den Süden Deutschlands zu transportieren. Die Netzentgelte werden sich dabei auch künftig regional sehr unterschiedlich entwickeln. Der Hintergrund: Die Kosten des Netzausbaus werden immer dort getragen, wo sie anfallen. Investiert ein Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreiber in seinem Netzgebiet, gibt er diese Kosten an seine Kunden weiter. Je weniger Verbraucher in diesem Gebiet leben, desto stärker fallen die Netzkosten für diese ins Gewicht.

Schon heute gibt es deshalb beim Netznutzungsentgelt große regionale Unterschiede:

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Im ländlichen Bereich sind die Netzentgelte deutlich höher als in Ballungsgebieten – dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Gründe hierfür sind:

  • Die unterschiedliche Auslastung der Netze: In ländlichen Regionen ist der Stromverbrauch aufgrund fehlender Industrieproduktion und geringerer Bevölkerungsdichte kleiner – die Netzkosten verteilen sich auf weniger Verbraucher und schlagen dementsprechend stärker zu Buche.
  • Der erneuerbare-Energien-Zubau findet zumeist in ländlichen Regionen und nicht in den Städten statt. Durch den Ausbau von Wind- und Photovoltaik-Anlagen steigt die Erzeugung von Strom in den unteren Spannungsebenen (Niederspannung, Mittelspannung). Dadurch wird weniger Strom aus dem Transportnetz (Hochspannung) und den höheren Spannungsebenen entnommen und die Kosten dafür verteilen sich auf immer weniger Kilowattstunden.

Auffallend ist auch, dass die Netzentgelte in Ostdeutschland deutlich höher sind als im Gebiet der alten Bundesrepublik. Dies liegt am unterschiedlichen Alter der Netze. Die älteren Netze in Westdeutschland haben einen geringeren Restwert und geringere Netzkosten als die neuen Netze in den ostdeutschen Bundesländern.

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Wie können Unternehmen das Netznutzungsentgelt reduzieren?

Möglich ist die Netzentgeltreduzierung für alle Unternehmen, die unter eine der beiden Ausnahmeregelungen in der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) fallen.

Atypische Netznutzung

Diese liegt vor, wenn Ihr Unternehmen seine Energie schwerpunktmäßig außerhalb des Zeitfensters verbraucht, in dem das jeweilige Netz die höchste Auslastung hat (Hochlastzeitfenster). Typisch ist dies zum Beispiel für Bäckereien, Diskotheken, Saisonbetriebe oder produzierende Unternehmen mit Schichtbetrieb. Sie können dann mit Ihrem Netzbetreiber ein individuelles Netzentgelt vereinbaren. Dabei kann Ihr Unternehmen bis zu 80 % der regulären Netzkosten einsparen.

Gut zu wissen: Die individuelle Vereinbarung mit dem Netzbetreiber müssen Sie bis zum 30. September des Antragsjahres bei der Bundesnetzagentur (BnetzA) einreichen.

Intensive Netznutzung

Ihr Unternehmen kann auch ein individuelles Netzentgelt beantragen, wenn es besonders viel Strom verbraucht. Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie an einer Abnahmestelle mindestens 7.000 Stunden Strom im Jahr für den eigenen Verbrauch aus dem Netz entnehmen. Dieser Verbrauch muss zugleich mehr als zehn Gigawattstunden pro Jahr betragen. Ist dies der Fall, hilft Ihr Unternehmen durch seinen konstanten Verbrauch, das Stromnetz zu stabilisieren und wird dafür belohnt. Das Netzentgelt richtet sich dann nach der Dauer der Stromabnahme und beträgt:

  • 20 Prozent des veröffentlichten Netzentgelts bei mindestens 7.000 Benutzungsstunden im Jahr,
  • 15 Prozent des veröffentlichten Netzentgelts bei mindestens 7.500 Benutzungsstunden im Jahr,
  • 10 Prozent des veröffentlichten Netzentgeltes bei mindestens 8.000 Benutzungsstunden im Jahr.

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Fazit

Wer viel und konstant Strom abnimmt oder diesen außerhalb des Hochzeitlastfensters seines Netzes verbraucht, kann seine Stromkosten durch individuell vereinbarte Netzentgelte deutlich senken. Je nach Verbrauch und Dauer der Stromabnahme kann Ihr Unternehmen dabei bis zu 80 Prozent der regulären Netzkosten einsparen. Das rechnet sich, denn schon heute entfallen durchschnittlich 17 % der Stromkosten auf die Netzentgelte. Es ist aktuell davon auszugehen, dass sie auch in Zukunft weiter steigen werden, da die Anforderungen an die Netze durch den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter zunehmen.

Themen: Steuern und Abgaben

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Als Kooperationsmanager beriet er rund 10.000 Verbandsmitglieder in Energiefragen. Nebenbei unterstützte er als Autor den MVV Partner Blog. Seit Dezember 2019 ist er nun als Referent Markenführung und Sponsoring tätig. T +49 621 290-3656 E-Mail partner@mvv.de

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