Neuregelung: Stromweiterleitung an Dritte kann Förderung gefährden

11.07.19 10:00 von Philip Würfel

Stromweiterleitung an DritteIhre Firma betreibt ein BKHW? Oder zählt zum Kreis der energieintensiven Unternehmen? Dann kommen Sie möglicherweise in den Genuss einer reduzierten EEG-Umlage – doch eine aktuelle Neuregelung kann das gefährden. Und zwar dann, wenn Sie auf Ihrem Betriebsgelände Strom an Dritte weiterleiten. Ab Anfang 2020 ist dafür ein Messkonzept mit geeichten Zählern erforderlich. Ansonsten kann die EEG-Förderung teilweise wegfallen, und dies sogar rückwirkend.

Was besagt die Neuregelung?

Betroffen sind beispielsweise durch Dritte betriebene Kantinen, Hausmeisterwohnungen auf dem Betriebsgelände oder an Drittfirmen vermietete Flächen - viele Unternehmen haben den Stromverbrauch dafür geschätzt oder als Eigenverbrauch angegeben. In Zukunft muss mit einer Nachprüfung durch das BAFA gerechnet werden. Denn ab Anfang Januar 2020 sieht das Energiesammelgesetz für solche und ähnliche Fälle ein Messkonzept mit geeichten Zählern vor.

Praxisbeispiel: Krankenhaus mit untervermieteten Flächen

Ein Krankenhaus deckt seinen Strombedarf teilweise mit eigenen BHKWs. Auf dem Gelände hat es Flächen an einen Kiosk und einen Friseursalon untervermietet. Auch diese nutzen den Strom aus dem BHKW. Diese Mengen hat der Krankenhausbetreiber bislang mit nicht geeichten Zählern gemessen und abgerechnet.

  • Der zuständige Übertragungsnetzbetreiber kann Anfang 2020 verlangen, dass ein Wirtschaftsprüfer die Korrektheit des Messkonzeptes zur Drittmengenabgrenzung bestätigt. Experten erwarten, dass alle Übertragungsnetzbetreiber das auch tatsächlich tun werden.
  • Kann das Krankenhaus keine Bestätigung vorlegen, müsste es die reduzierte EEG-Umlage von den Mietern nachfordern.
  • Zudem würde es für die Zukunft für die weitergeleitete Strommenge selbst die volle EEG-Umlage zahlen.

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Was gilt bei zeitweiser Stromentnahme durch Dritte?

Ein externer Berater lädt seinen Laptop auf, die Mitarbeiter der Raumpflegefirma brauchen Strom für die Staubsauger: Eine Zeitlang gab es Berichte, dass auch solche zeitweise Stromentnahme unter die Neuregelung fallen könnte. Doch hier gibt es Entwarnung, denn es greift eine Bagatellregelung. Nach der neuen Rechtslage können solche geringen Strommengen dem Eigenverbrauch zugeordnet werden. Ein spezielles Messkonzept ist dafür nicht erforderlich.

Welche Ausnahmen gibt es bei dauerhafter Stromweiterleitung an Dritte?

Auf Ihrem Betriebsgelände betreiben Dritte einen Geldautomaten? Oder stellen Getränke- oder Essensautomaten zur Verfügung? Auch bei solchen Bagatellfällen gibt es Entwarnung. Auch wenn dauerhaft Strom entnommen wird, brauchen Sie hierfür kein Messkonzept. Allerdings zählt die Stromentnahme nicht als Eigenverbrauch: Sie müssen diese als Drittverbrauch abgrenzen.

Fazit: Stromweitergabe an Dritte richtig gestalten

Für Unternehmen bestehen gegenwärtig noch eine Reihe von Unsicherheiten. Wann genau beispielsweise wird aus einer „zeitweiligen“ Weiterleitung eine dauerhafte? Wo enden die jeweiligen Bagatellgrenzen? Im Zweifelsfall sollten die Unternehmen die Sachverhalte und die entsprechenden Strommengen bei der Antragstellung offenlegen. Beim Überprüfen der Messinfrastruktur bietet es sich an, externe Experten hinzuzuziehen. Dasselbe gilt mit Blick auf die rechtssichere Gestaltung der Mess- und Weiterleitungskonzepte. Denn der „Stromhandel“ gehört bei den wenigsten Firmen zum Kerngeschäft!

Themen: Eigenerzeugung und Speicher

Philip Würfel

Autor: Philip Würfel

Philip Würfel ist seit Dezember Prokurist der econ solutions GmbH und war davor Leiter der Lösungsentwicklung der MVV Enamic. Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist der Aufbau und die Weiterentwicklung von digitalen Geschäftsmodellen im B2B Segment. Neben seiner Tätigkeit für die econ solutions GmbH ist Philip Würfel als Hochschuldozent und als Buchautor im Springer Verlag tätig. T +49621 290-2883 E-Mail philip.wuerfel@mvv.de

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