Stromweiterleitung an Dritte kann Privilegierung gefährden

11.07.19 10:00 von Philip Würfel

Stromweiterleitung an DritteIhre Firma betreibt ein BKHW oder eine PV-Anlage? Oder zählt zum Kreis der energieintensiven Unternehmen? Dann kommen Sie möglicherweise in den Genuss einer reduzierten EEG-Umlage – doch eine aktuelle Neuregelung kann das gefährden. Und zwar dann, wenn Sie auf Ihrem Betriebsgelände Strom an Dritte weiterleiten. Ab Anfang 2021 ist dafür ein Messkonzept mit geeichten und zeitsynchronen Zählern erforderlich. Ansonsten kann die EEG Privilegierung wegfallen, und dies sogar rückwirkend.

Was besagt die Regelung zur Stromweiterleitung an Dritte?

Betroffen sind beispielsweise durch Dritte betriebene Kantinen, Hausmeisterwohnungen auf dem Betriebsgelände oder an Drittfirmen vermietete Flächen - viele Unternehmen haben den Stromverbrauch dafür geschätzt oder als Eigenverbrauch angegeben. In Zukunft muss mit einer Nachprüfung durch das BAFA gerechnet werden. Denn ab Anfang Januar 2021 sieht die aktuelle Regierung für solche und ähnliche Fälle ein Messkonzept mit geeichten Zählern vor.

Praxisbeispiel: Krankenhaus mit untervermieteten Flächen

Ein Krankenhaus deckt seinen Strombedarf teilweise mit eigenen BHKWs. Auf dem Gelände hat es Flächen an einen Kiosk und Arztpraxen untervermietet. Auch diese nutzen den Strom aus dem BHKW. Diese Mengen hat der Krankenhausbetreiber bislang mit nicht geeichten Zählern gemessen und abgerechnet.

  • Der zuständige Übertragungsnetzbetreiber kann ab Anfang 2021 verlangen, dass ein Wirtschaftsprüfer die Korrektheit des Messkonzeptes zur Drittmengenabgrenzung bestätigt. Experten erwarten, dass alle Übertragungsnetzbetreiber das auch tatsächlich tun werden.
  • Kann das Krankenhaus keine Bestätigung vorlegen, droht als Strafe die volle EEG-Umlage auf den gesamten selbst erzeugten Strom – auch für zurückliegende Jahre!

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Fazit: Stromweitergabe an Dritte richtig gestalten

Für Unternehmen bestehen gegenwärtig noch eine Reihe von Unsicherheiten. Wann genau beispielsweise wird aus einer „zeitweiligen“ Weiterleitung eine dauerhafte? Wo enden die jeweiligen Bagatellgrenzen? Im Zweifelsfall sollten die Unternehmen die Sachverhalte und die entsprechenden Strommengen bei der Antragstellung offenlegen. Beim Überprüfen der Messinfrastruktur und der Erstellung eines Messkonzeptes bietet es sich an, externe Experten hinzuzuziehen. Dasselbe gilt mit Blick auf die rechtssichere Gestaltung der Mess- und Weiterleitungskonzepte. Denn der „Stromhandel“ gehört bei den wenigsten Firmen zum Kerngeschäft!

Die Bundesnetzagentur möchte hierzu im Laufe des Jahres 2020 ein aktuelles Hinweisblatt veröffentlichen. Wir informieren Sie in unserem Blog über die aktuelle Entwicklung. 

Themen: Eigenerzeugung und Speicher

Philip Würfel

Autor: Philip Würfel

Philip Würfel ist seit Dezember 2019 Geschäftsführer der econ solutions GmbH. Davor war er Leiter der Lösungsentwicklung der MVV Enamic. Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist der Aufbau und die Weiterentwicklung von digitalen Geschäftsmodellen im B2B Segment. T +49621 290-2883 E-Mail philip.wuerfel@mvv.de

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