Was ist dran an der PV-Pflicht in Baden-Württemberg?

26.11.20 11:12 von Cemrehan Engin

PV-PflichtDie grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg führt als erstes Bundesland eine Pflicht für Solaranlagen bei bestimmten Neubauten ein. Erfahren Sie, was dabei in Sachen Klimaschutz in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll.

Sowohl das internationale Abkommen von Paris als auch der Green New Deal der EU-Kommission sehen vor, dass die Transformation hin zur Klimaneutralität bis spätestens 2050 vollzogen wird. Dies gelingt nur, wenn genügend erneuerbare Energien-Anlagen gebaut werden. Photovoltaik rückt hier in den Fokus - nicht zuletzt, weil sie sich auch für Investoren rechnet und der Eigenverbrauch für Unternehmen gleichzeitig Kosten reduziert.

Was besagt das novellierte Klimaschutzgesetz in Baden-Württemberg?

Das Klimaschutzgesetz in Baden-Württemberg aus dem Jahr 2013 wurde durch die Gesetzesnovelle erweitert. Das erweiterte Klimaschutzgesetz ist am 24.10.2020 in Kraft getreten. Der Umwelt- und Energieminister, Franz Untersteller, hat die Idee der verpflichtenden Nutzung von Solarenergie vorangetrieben. Es wurden nicht alle Vorschläge durchgesetzt. Der politische Kompromiss sieht in dieser Novelle des Klimaschutzgesetzes jedoch nun erste Schritte vor:

Photovoltaik-Pflicht für Neubauten im Nicht-Wohnbereich ab 2022

Auf Bürogebäuden sowie Lager- und Produktionshallen gibt es ein enormes Flächenpotenzial, das wie geschaffen ist für große Solarstromanlagen. Deshalb ist nun im baden-württembergischen Klimaschutzgesetz eine Photovoltaik-Pflicht für Neubauten im Nicht-Wohnbereich ab 2022 enthalten. Dies gilt auch für Parkhäuser bzw. Parkplatz-Flächen mit mehr als 75 Stellplätzen.

Verpflichtung zu einer kommunalen Wärmeplanung bis Ende 2023

Auch wird das Thema Wärmeversorgung berücksichtigt. Ziel ist der nachhaltige Ausbau von Wärmenetzen und innovativen Quartierskonzepten. Stadtkreise und große Kreisstädte sind demnach bis Ende 2023 verpflichtet, eine umfassende und nachhaltige Wärmeplanung vorzulegen. Darüber hinaus sind Gemeinden und Gemeindeverbände verpflichtet, jährlich den Energieverbrauch zu erfassen, um eine Erfolgskontrolle der ergriffenen Klimaschutzmaßnahmen durchführen zu können.

Photovoltaik nutzen – auch ohne Investitionskosten möglich!

PV-Pflicht ist nicht gleich Solarpflicht

Der Begriff Solarenergie ist übergeordnet spricht die technische Anwendung sowohl der Photovoltaik als auch der Solarthermie an.

Allerdings hat die Photovoltaik, eine Methode, mit der Sonnenlicht direkt in elektrische Energie umwandelt wird, in dem baden-württembergischen Gesetz Vorrang, da lediglich “ersatzweise auch eine solarthermische Anlage zur Wärmeerzeugung auf der für eine Solarnutzung geeigneten Dachfläche” installiert werden kann, um die Pflicht zu erfüllen.

Ein Hauptargument für diese Gewichtung ist, dass PV-Anlagen gerade bei Nicht-Wohngebäuden mehr Sinn machen. Denn der Wärmebedarf ist bei Bürogebäuden und Lagerhallen meist geringer als der Strombedarf.

Gleichzeitig plant der grüne Koalitionspartner in Baden-Württemberg, zukünftig auch Wohngebäude in die allgemeine PV-Pflicht mit aufzunehmen. Im aktuellen Gesetz konnte er sich noch nicht durchsetzen, da der Koalitionspartner CDU solch eine Pflicht kritisch sieht.

Will der Gesetzgeber die Technologien beider Solarenergie-Bereiche unterstützen, sollten gerade für Wohngebäude verbindliche Anteile für Strom und Wärme vorgeschrieben werden.

Andere Bundesländer folgen

Hamburg:

In Hamburg trat das angepasste Klimaschutzgesetz bereits am 29.02.2020 in Kraft. Hier gilt eine Solarpflicht im Neubau ab 2023, und zwar sowohl für Gewerbe als auch für Wohngebäude. Auch Dachsanierungen sind in Hamburg betroffen: ab 2025 gilt die Solarpflicht, wenn eine Erneuerung der Dachhaut durchgeführt wird.

Bayern:

Die Landesregierung in Bayern überlegt, zunächst für gewerbliche Neubauten eine Photovoltaik-Pflicht ab 2022 einzuführen.

Berlin:

Auch der Berliner Senat strebt eine Solarpflicht an, es wurde für die Installation von Solaranlagen eine geeignete Fläche von 2.400 Hektar errechnet. Damit könnte die Hauptstadt gut ein Viertel seiner Strom- und Wärmeversorgung mit Solarenergie abdecken.

Fazit

Es ist noch ein langer Weg, bis Solarenergie-Anlagen genauso selbstverständlich zu Gebäuden gehören wie ein funktionierender Brandschutz und eine gute Wärmedämmung. Baden-Württemberg schafft mit seinem erweiterten Klimaschutzgesetz einen Einstieg in die allgemeine Solarpflicht. Dabei liegt für Immobilienbesitzer und Unternehmen der Fokus auf der Photovoltaik bei Nichtwohngebäuden. Lassen Sie jetzt schon das Potenzial auf Ihrem Dach ausrechnen und Ihre individuelle PV-Eigenverbrauchsanlage auslegen.

 

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Themen: Energieeinkauf

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Cemrehan Engin

Autor: Cemrehan Engin

Cemrehan Engin hat Energiewirtschaft studiert und ist seit November 2017 als Produktmanager im Business Development bei der MVV Enamic GmbH tätig. Dabei widmet er sich innovativen Energielösungen für Geschäftskunden. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Photovoltaik, Speicher und Smart Metering. T +49 (621) 290-3928 E-Mail cemrehan.engin@mvv.de

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