Warum der Product Carbon Footprint für Unternehmen wichtig ist
Klimaschutz entwickelt sich vom gesellschaftlichen Anliegen zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Drei Faktoren treiben diese Entwicklung:
Steigende Kundenanforderungen
Große Abnehmer – insbesondere in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und im Handel – verlangen von ihren Lieferanten zunehmend Transparenz über produktbezogene Emissionen. Wer den PCF seiner Produkte kennt und kommuniziert, positioniert sich als verlässlicher Partner in der Lieferkette.
Regulatorischer Druck wächst
Mit der Verordnung (EU) 2024/1781 hat die Europäische Union einen verbindlichen Rahmen für Ökodesign-Anforderungen geschaffen. Ziel: Klimaneutralität bis 2050 und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft. Die Verordnung trat am 18. Juli 2024 in Kraft (UBA, 2024).
Konkrete, produktgruppenspezifische Anforderungen werden durch delegierte Rechtsakte festgelegt. Der Geltungsbeginn eines delegierten Rechtsakts muss laut Verordnung mindestens 18 Monate nach seinem Inkrafttreten liegen (EUR-Lex, 2024). Erste Pflichten – etwa zum Digitalen Produktpass oder das Vernichtungsverbot für bestimmte Textilien und Schuhe – greifen für priorisierte Produktgruppen ab Juli 2026 (UBA, 2024).
Gleichzeitig verpflichtet die CSRD-Richtlinie Unternehmen zur Offenlegung ihrer klimarelevanten Daten. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird Teil des Lageberichts und unterliegt der externen Prüfung. Unternehmen berichten nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) – einschließlich Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen auf Unternehmensebene (EU-Kommission, 2024).
Das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit bestimmt, welche Nachhaltigkeitsthemen berichtspflichtig sind. Ein produktbezogener PCF ist dabei nicht generell vorgeschrieben. Er wird relevant, wenn er bei der Wesentlichkeitsanalyse als materiell eingestuft wird oder wenn spezifische Regelwerke – etwa die Ökodesign-Verordnung oder der Digitale Produktpass – dies für bestimmte Produktgruppen fordern (EU-Kommission, 2024).
Emissionen werden teurer
Der steigende CO₂-Preis im europäischen Emissionshandel und das nationale Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) verteuern fossile Energie kontinuierlich. Unternehmen, die ihre produktbezogenen Emissionen kennen, können gezielt Reduktionsmaßnahmen umsetzen – und so Kosten senken, bevor sie entstehen.
Was ist der Product Carbon Footprint?
Der Product Carbon Footprint (PCF) erfasst alle Treibhausgasemissionen, die ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus verursacht. Er umfasst:
- Rohstoffgewinnung und Vorprodukte
- Produktion und Fertigung
- Transport und Logistik
- Nutzungsphase
- Entsorgung oder Recycling
Die Berechnung erfolgt nach international anerkannten Standards wie ISO 14067 oder dem GHG Protocol Product Standard. Diese Methoden gewährleisten Vergleichbarkeit und Transparenz.
Die Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 setzt den Rahmen für nachhaltige Produkte. Das konkrete Anforderungsniveau – einschließlich möglicher PCF-Angaben im Digitalen Produktpass – wird durch delegierte Rechtsakte definiert. Die EU-Kommission hatte bis März 2025 Zeit, einen Arbeitsplan zu erstellen, der die priorisierten Produktgruppen listet (UBA, 2024).

Regulatorischer Rahmen: CSRD und Ökodesign-Verordnung
CSRD: Klimaberichterstattung auf Unternehmensebene
Die CSRD verpflichtet betroffene Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach ESRS. Die Berichte umfassen klimabezogene Angaben auf Unternehmensebene – einschließlich Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen. Die Berichterstattung unterliegt der externen Prüfung (EU-Kommission, 2024).
Ein produktbezogener PCF ist unter der CSRD nicht pauschal vorgeschrieben. Er kann erforderlich werden, wenn er bei der doppelten Wesentlichkeitsanalyse als materiell eingestuft wird (EU-Kommission, 2024).
Ökodesign-Verordnung: Produktspezifische Anforderungen
Die Ökodesign-Verordnung schafft den Rahmen für nachhaltige Produkte. Informationspflichten werden produktgruppenspezifisch durch delegierte Rechtsakte festgelegt – einschließlich möglicher Inhalte für den Digitalen Produktpass (UBA, 2024).
Zeitlicher Rahmen:
- Die Verordnung trat am 18. Juli 2024 in Kraft
- Delegierte Rechtsakte können frühestens 18 Monate nach Inkrafttreten gelten (EUR-Lex, 2024)
- Erste Pflichten für priorisierte Produktgruppen – etwa das Vernichtungsverbot für bestimmte Textilien und Schuhe – gelten ab Juli 2026 (UBA, 2024)
Der PCF kann zur Compliance-Anforderung werden, wenn er in delegierten Ökodesign-Rechtsakten gefordert wird. Eine generelle Pflicht besteht derzeit nicht (EU-Kommission, 2024).
Strategische Vorteile eines Product Carbon Footprint
Ein PCF kann die Erfüllung von CSRD- und Ökodesign-Anforderungen unterstützen, ist aber nicht generell vorgeschrieben. Unter der CSRD hängt der Detailgrad von der doppelten Wesentlichkeitsanalyse ab. Unter der Ökodesign-Verordnung legen delegierte Rechtsakte produktgruppenspezifische Informationspflichten fest (EU-Kommission, 2024).
Unabhängig von regulatorischen Pflichten bietet der PCF strategische Vorteile:
Wettbewerbsvorteile sichern
- Kundenforderungen erfüllen: Große Abnehmer verlangen zunehmend Emissionsdaten von Lieferanten
- Ausschreibungen gewinnen: Öffentliche Auftraggeber berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien
- Marktposition stärken: Transparenz schafft Vertrauen bei Geschäftspartnern
Kosten senken
- Emissionshotspots identifizieren: Der PCF zeigt, wo die größten Einsparpotenziale liegen
- Energieeffizienz steigern: Weniger Emissionen bedeuten oft geringere Energiekosten
- Materialeffizienz verbessern: Ressourcenschonung senkt Beschaffungskosten
Zukunftsfähigkeit sichern
- Regulatorische Entwicklungen antizipieren: Wer heute startet, ist auf künftige Anforderungen vorbereitet
- Lieferketten absichern: Transparenz über Scope-3-Emissionen stärkt die Resilienz
- Investoren überzeugen: ESG-Kriterien gewinnen bei Finanzierungsentscheidungen an Bedeutung
So unterstützt MVV Enamic bei der PCF-Berechnung
MVV Enamic begleitet Unternehmen bei der Ermittlung und Optimierung ihres Product Carbon Footprint:

Datenerfassung und Analyse
- Systematische Erfassung aller relevanten Emissionsquellen
- Aufbau einer belastbaren Datenbasis nach ISO 14067 und GHG Protocol
Product Carbon Footprint berechnen – Schritte im Überblick
Die PCF-Berechnung folgt einem strukturierten Prozess:
- Zieldefinition: Festlegung des Produkts, der funktionellen Einheit und der Systemgrenzen
- Datenerhebung: Erfassung von Energie-, Material- und Transportdaten entlang der Wertschöpfungskette
- Berechnung: Umrechnung der Aktivitätsdaten in CO₂-Äquivalente mittels Emissionsfaktoren
- Analyse: Identifikation von Emissionshotspots und Reduktionspotenzialen
- Dokumentation: Erstellung eines transparenten PCF-Berichts nach ISO 14067
Optimierung und Reduktion
- Identifikation von Emissionshotspots
- Entwicklung konkreter Maßnahmen zur CO₂-Reduktion
- Integration in Ihre Dekarbonisierungsstrategie
Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen
- Unterstützung bei der CSRD-Berichterstattung
- Vorbereitung auf künftige Ökodesign-Anforderungen
Nächste Schritte: PCF-Berechnung starten
Sie möchten den Product Carbon Footprint Ihrer Produkte ermitteln? MVV Enamic unterstützt Sie – von der Datenerfassung bis zur Optimierungsstrategie.
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Häufige Fragen zum Product Carbon Footprint
Der Product Carbon Footprint (PCF) erfasst die Emissionen eines einzelnen Produkts über seinen Lebenszyklus. Der Corporate Carbon Footprint (CCF) bilanziert alle Emissionen eines Unternehmens nach Scope 1, 2 und 3. Der PCF dient der Produktoptimierung und Kundenkommunikation. Der CCF steuert die Unternehmensebene und erfüllt Berichtspflichten.
Beide Kennzahlen ergänzen sich: Während der CCF das Gesamtbild zeigt, liefert der PCF Detailinformationen für gezielte Reduktionsmaßnahmen. Unternehmen nutzen den PCF zunehmend für die CO₂-Bilanzierung auf Produktebene.
Der Product Carbon Footprint (PCF) konzentriert sich ausschließlich auf Treibhausgasemissionen in CO₂-Äquivalenten. Die Lebenszyklusanalyse (LCA) bewertet alle Umweltauswirkungen eines Produkts – einschließlich Wasserverbrauch, Ressourcennutzung und Ökotoxizität. Der PCF ist damit ein Teilaspekt der umfassenderen LCA.
Für Unternehmen, die primär ihre Klimawirkung kommunizieren möchten, bietet der PCF einen fokussierten Einstieg. Die vollständige LCA empfiehlt sich, wenn Sie alle ökologischen Auswirkungen Ihrer Produkte verstehen und optimieren wollen.
Ein Product Carbon Footprint ist derzeit nicht generell vorgeschrieben. Er kann jedoch zur Pflicht werden, wenn die CSRD-Wesentlichkeitsanalyse ihn als materiell einstuft, delegierte Ökodesign-Rechtsakte dies für Ihre Produktgruppe fordern oder Kunden in der Lieferkette Emissionsdaten verlangen.
Konkret wird der PCF erforderlich bei:
- Einstufung als wesentlich in der CSRD-Doppelten Wesentlichkeitsanalyse
- Produktspezifischen Anforderungen unter der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR)
- Lieferantenanforderungen großer Abnehmer mit eigenen Klimazielen
- Teilnahme an Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien
Die PCF-Berechnung erfolgt in fünf Schritten: Systemgrenzen definieren, Daten erheben, Emissionsfaktoren anwenden, Hotspots analysieren und nach ISO 14067 dokumentieren. Die Formel lautet: PCF = Summe aller Aktivitätsdaten multipliziert mit den jeweiligen Emissionsfaktoren.
Die fünf Schritte im Detail:
- Systemgrenzen definieren: Festlegen, ob Cradle-to-Gate oder Cradle-to-Grave berechnet wird
- Daten erheben: Energie-, Material- und Transportdaten entlang der Wertschöpfungskette sammeln
- Emissionsfaktoren anwenden: Aktivitätsdaten mit standardisierten Faktoren in CO₂-Äquivalente umrechnen
- Ergebnisse analysieren: Hotspots identifizieren und Reduktionspotenziale ableiten
- Dokumentieren: Transparenten Bericht nach ISO 14067 oder GHG Protocol erstellen
MVV Enamic unterstützt Sie bei jedem dieser Schritte – von der Datenerfassung bis zur Optimierungsstrategie.
Für eine PCF-Berechnung benötigen Sie Energiedaten (Strom, Gas, Wärme), Materialdaten (Rohstoffe, Vorprodukte), Transportdaten (Entfernungen, Transportmittel) und Produktionsdaten (Ausschussquoten, Prozessemissionen). Bei Datenlücken können branchenspezifische Durchschnittswerte als Näherung dienen.
Die wichtigsten Datenkategorien:
- Energiedaten: Strom-, Gas- und Wärmeverbrauch in der Produktion
- Materialdaten: Art und Menge der eingesetzten Rohstoffe und Vorprodukte
- Transportdaten: Entfernungen, Transportmittel und Auslastung
- Produktionsdaten: Ausschussquoten, Prozessemissionen, Hilfsstoffe
- Lieferantendaten: PCF-Werte oder Emissionsfaktoren für Vorprodukte
Je genauer die Primärdaten, desto aussagekräftiger der PCF. Starten Sie mit den verfügbaren Daten und verbessern Sie die Datenqualität schrittweise.
Die international anerkannten Standards für die PCF-Berechnung sind ISO 14067:2018 und der GHG Protocol Product Standard. ISO 14067 definiert Prinzipien und Anforderungen für produktbezogene Treibhausgasbilanzen. Der GHG Protocol Product Standard liefert ergänzende Leitlinien zur Quantifizierung.
Die wichtigsten Standards im Überblick:
- ISO 14067:2018: Internationaler Standard für Treibhausgase und Carbon Footprint von Produkten
- GHG Protocol Product Standard: Anforderungen und Leitlinien zur Quantifizierung von Produktemissionen
- ISO 14040/14044: Grundlagen der Lebenszyklusanalyse, auf denen ISO 14067 aufbaut
Beide Standards gewährleisten Vergleichbarkeit und Transparenz der Ergebnisse. Sie bilden die Grundlage für eine glaubwürdige Kommunikation gegenüber Kunden und Stakeholdern.
Quellenverzeichnis
- EU-Kommission (2024): Corporate Sustainability Reporting. [Online] (abgerufen am 26.01.2026)
- EUR-Lex (2024): Verordnung (EU) 2024/1781 – Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte. [Online] (abgerufen am 26.01.2026)
- Umweltbundesamt (2024): Neue Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte tritt in Kraft. [Online] (abgerufen am 26.01.2026)
- ISO (2018): ISO 14067:2018 – Greenhouse gases, Carbon footprint of products. [Online] (abgerufen am 26.01.2026)
- GHG Protocol (2011): Product Life Cycle Accounting and Reporting Standard. [Online] (abgerufen am 26.01.2026)
Autor: Jasper Bongartz
Consultant für Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsmanagement,
BFE Institut für Energie und Umwelt GmbH



