Product Carbon Footprint (PCF): Definition & Vorteile

Der Product Carbon Footprint – auf Deutsch: produktbezogener CO₂-Fußabdruck – wird für Industrie und Gewerbe zur strategischen Kennzahl. Kunden fordern Transparenz, Vorschriften verschärfen sich, Emissionen werden teurer. Der PCF bildet die Grundlage, um Produkte klimabewusst zu gestalten, Effizienz zu erhöhen und als nachhaltiger Partner zu überzeugen.

Portrait Jasper Bongartz von Jasper Bongartz
6 Min.
26. August 2025
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Product Carbon Footprint (PCF): Definition & Vorteile
8:08

Warum der Product Carbon Footprint für Unternehmen wichtig ist

Klimaschutz entwickelt sich vom gesellschaftlichen Anliegen zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Drei Faktoren treiben diese Entwicklung:

Steigende Kundenanforderungen

Große Abnehmer – insbesondere in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und im Handel – verlangen von ihren Lieferanten zunehmend Transparenz über produktbezogene Emissionen. Wer den PCF seiner Produkte kennt und kommuniziert, positioniert sich als verlässlicher Partner in der Lieferkette.

Regulatorischer Druck wächst

Mit der Verordnung (EU) 2024/1781 hat die Europäische Union einen verbindlichen Rahmen für Ökodesign-Anforderungen geschaffen. Ziel: Klimaneutralität bis 2050 und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft. Die Verordnung trat am 18. Juli 2024 in Kraft (UBA, 2024).

Konkrete, produktgruppenspezifische Anforderungen werden durch delegierte Rechtsakte festgelegt. Der Geltungsbeginn eines delegierten Rechtsakts muss laut Verordnung mindestens 18 Monate nach seinem Inkrafttreten liegen (EUR-Lex, 2024). Erste Pflichten – etwa zum Digitalen Produktpass oder das Vernichtungsverbot für bestimmte Textilien und Schuhe – greifen für priorisierte Produktgruppen ab Juli 2026 (UBA, 2024).

Gleichzeitig verpflichtet die CSRD-Richtlinie Unternehmen zur Offenlegung ihrer klimarelevanten Daten. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird Teil des Lageberichts und unterliegt der externen Prüfung. Unternehmen berichten nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) – einschließlich Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen auf Unternehmensebene (EU-Kommission, 2024).

Das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit bestimmt, welche Nachhaltigkeitsthemen berichtspflichtig sind. Ein produktbezogener PCF ist dabei nicht generell vorgeschrieben. Er wird relevant, wenn er bei der Wesentlichkeitsanalyse als materiell eingestuft wird oder wenn spezifische Regelwerke – etwa die Ökodesign-Verordnung oder der Digitale Produktpass – dies für bestimmte Produktgruppen fordern (EU-Kommission, 2024).

Emissionen werden teurer

Der steigende CO₂-Preis im europäischen Emissionshandel und das nationale Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) verteuern fossile Energie kontinuierlich. Unternehmen, die ihre produktbezogenen Emissionen kennen, können gezielt Reduktionsmaßnahmen umsetzen – und so Kosten senken, bevor sie entstehen.

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Was ist der Product Carbon Footprint?

Der Product Carbon Footprint (PCF) erfasst alle Treibhausgasemissionen, die ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus verursacht. Er umfasst:

  • Rohstoffgewinnung und Vorprodukte
  • Produktion und Fertigung
  • Transport und Logistik
  • Nutzungsphase
  • Entsorgung oder Recycling

Die Berechnung erfolgt nach international anerkannten Standards wie ISO 14067 oder dem GHG Protocol Product Standard. Diese Methoden gewährleisten Vergleichbarkeit und Transparenz.

Die Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 setzt den Rahmen für nachhaltige Produkte. Das konkrete Anforderungsniveau – einschließlich möglicher PCF-Angaben im Digitalen Produktpass – wird durch delegierte Rechtsakte definiert. Die EU-Kommission hatte bis März 2025 Zeit, einen Arbeitsplan zu erstellen, der die priorisierten Produktgruppen listet (UBA, 2024).

Wertschöpfungskette Scope 1 bis 3

Regulatorischer Rahmen: CSRD und Ökodesign-Verordnung

CSRD: Klimaberichterstattung auf Unternehmensebene

Die CSRD verpflichtet betroffene Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach ESRS. Die Berichte umfassen klimabezogene Angaben auf Unternehmensebene – einschließlich Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen. Die Berichterstattung unterliegt der externen Prüfung (EU-Kommission, 2024).

Ein produktbezogener PCF ist unter der CSRD nicht pauschal vorgeschrieben. Er kann erforderlich werden, wenn er bei der doppelten Wesentlichkeitsanalyse als materiell eingestuft wird (EU-Kommission, 2024).

Ökodesign-Verordnung: Produktspezifische Anforderungen

Die Ökodesign-Verordnung schafft den Rahmen für nachhaltige Produkte. Informationspflichten werden produktgruppenspezifisch durch delegierte Rechtsakte festgelegt – einschließlich möglicher Inhalte für den Digitalen Produktpass (UBA, 2024).

Zeitlicher Rahmen:

  • Die Verordnung trat am 18. Juli 2024 in Kraft
  • Delegierte Rechtsakte können frühestens 18 Monate nach Inkrafttreten gelten (EUR-Lex, 2024)
  • Erste Pflichten für priorisierte Produktgruppen – etwa das Vernichtungsverbot für bestimmte Textilien und Schuhe – gelten ab Juli 2026 (UBA, 2024)

Der PCF kann zur Compliance-Anforderung werden, wenn er in delegierten Ökodesign-Rechtsakten gefordert wird. Eine generelle Pflicht besteht derzeit nicht (EU-Kommission, 2024).

Strategische Vorteile eines Product Carbon Footprint

Ein PCF kann die Erfüllung von CSRD- und Ökodesign-Anforderungen unterstützen, ist aber nicht generell vorgeschrieben. Unter der CSRD hängt der Detailgrad von der doppelten Wesentlichkeitsanalyse ab. Unter der Ökodesign-Verordnung legen delegierte Rechtsakte produktgruppenspezifische Informationspflichten fest (EU-Kommission, 2024).

Unabhängig von regulatorischen Pflichten bietet der PCF strategische Vorteile:

Wettbewerbsvorteile sichern

  • Kundenforderungen erfüllen: Große Abnehmer verlangen zunehmend Emissionsdaten von Lieferanten
  • Ausschreibungen gewinnen: Öffentliche Auftraggeber berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien
  • Marktposition stärken: Transparenz schafft Vertrauen bei Geschäftspartnern

Kosten senken

  • Emissionshotspots identifizieren: Der PCF zeigt, wo die größten Einsparpotenziale liegen
  • Energieeffizienz steigern: Weniger Emissionen bedeuten oft geringere Energiekosten
  • Materialeffizienz verbessern: Ressourcenschonung senkt Beschaffungskosten

Zukunftsfähigkeit sichern

  • Regulatorische Entwicklungen antizipieren: Wer heute startet, ist auf künftige Anforderungen vorbereitet
  • Lieferketten absichern: Transparenz über Scope-3-Emissionen stärkt die Resilienz
  • Investoren überzeugen: ESG-Kriterien gewinnen bei Finanzierungsentscheidungen an Bedeutung

So unterstützt MVV Enamic bei der PCF-Berechnung

MVV Enamic begleitet Unternehmen bei der Ermittlung und Optimierung ihres Product Carbon Footprint:

Ihr Pfad zum Produkt Carbon Footprint

Datenerfassung und Analyse

  • Systematische Erfassung aller relevanten Emissionsquellen
  • Aufbau einer belastbaren Datenbasis nach ISO 14067 und GHG Protocol

Product Carbon Footprint berechnen – Schritte im Überblick

Die PCF-Berechnung folgt einem strukturierten Prozess:

  1. Zieldefinition: Festlegung des Produkts, der funktionellen Einheit und der Systemgrenzen
  2. Datenerhebung: Erfassung von Energie-, Material- und Transportdaten entlang der Wertschöpfungskette
  3. Berechnung: Umrechnung der Aktivitätsdaten in CO₂-Äquivalente mittels Emissionsfaktoren
  4. Analyse: Identifikation von Emissionshotspots und Reduktionspotenzialen
  5. Dokumentation: Erstellung eines transparenten PCF-Berichts nach ISO 14067

Optimierung und Reduktion

  • Identifikation von Emissionshotspots
  • Entwicklung konkreter Maßnahmen zur CO₂-Reduktion
  • Integration in Ihre Dekarbonisierungsstrategie

Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen

  • Unterstützung bei der CSRD-Berichterstattung
  • Vorbereitung auf künftige Ökodesign-Anforderungen

Nächste Schritte: PCF-Berechnung starten

Sie möchten den Product Carbon Footprint Ihrer Produkte ermitteln? MVV Enamic unterstützt Sie – von der Datenerfassung bis zur Optimierungsstrategie.

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Häufige Fragen zum Product Carbon Footprint

Was ist der Unterschied zwischen Product Carbon Footprint und Corporate Carbon Footprint?

Der Product Carbon Footprint (PCF) erfasst die Emissionen eines einzelnen Produkts über seinen Lebenszyklus. Der Corporate Carbon Footprint (CCF) bilanziert alle Emissionen eines Unternehmens nach Scope 1, 2 und 3. Der PCF dient der Produktoptimierung und Kundenkommunikation. Der CCF steuert die Unternehmensebene und erfüllt Berichtspflichten.

Beide Kennzahlen ergänzen sich: Während der CCF das Gesamtbild zeigt, liefert der PCF Detailinformationen für gezielte Reduktionsmaßnahmen. Unternehmen nutzen den PCF zunehmend für die CO₂-Bilanzierung auf Produktebene.

Was ist der Unterschied zwischen Product Carbon Footprint und LCA?

Der Product Carbon Footprint (PCF) konzentriert sich ausschließlich auf Treibhausgasemissionen in CO₂-Äquivalenten. Die Lebenszyklusanalyse (LCA) bewertet alle Umweltauswirkungen eines Produkts – einschließlich Wasserverbrauch, Ressourcennutzung und Ökotoxizität. Der PCF ist damit ein Teilaspekt der umfassenderen LCA.

Für Unternehmen, die primär ihre Klimawirkung kommunizieren möchten, bietet der PCF einen fokussierten Einstieg. Die vollständige LCA empfiehlt sich, wenn Sie alle ökologischen Auswirkungen Ihrer Produkte verstehen und optimieren wollen.

Ist der Product Carbon Footprint für Unternehmen Pflicht?

Ein Product Carbon Footprint ist derzeit nicht generell vorgeschrieben. Er kann jedoch zur Pflicht werden, wenn die CSRD-Wesentlichkeitsanalyse ihn als materiell einstuft, delegierte Ökodesign-Rechtsakte dies für Ihre Produktgruppe fordern oder Kunden in der Lieferkette Emissionsdaten verlangen.

Konkret wird der PCF erforderlich bei:

  • Einstufung als wesentlich in der CSRD-Doppelten Wesentlichkeitsanalyse
  • Produktspezifischen Anforderungen unter der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR)
  • Lieferantenanforderungen großer Abnehmer mit eigenen Klimazielen
  • Teilnahme an Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien
Wie berechnet man einen Product Carbon Footprint?

Die PCF-Berechnung erfolgt in fünf Schritten: Systemgrenzen definieren, Daten erheben, Emissionsfaktoren anwenden, Hotspots analysieren und nach ISO 14067 dokumentieren. Die Formel lautet: PCF = Summe aller Aktivitätsdaten multipliziert mit den jeweiligen Emissionsfaktoren.

Die fünf Schritte im Detail:

  1. Systemgrenzen definieren: Festlegen, ob Cradle-to-Gate oder Cradle-to-Grave berechnet wird
  2. Daten erheben: Energie-, Material- und Transportdaten entlang der Wertschöpfungskette sammeln
  3. Emissionsfaktoren anwenden: Aktivitätsdaten mit standardisierten Faktoren in CO₂-Äquivalente umrechnen
  4. Ergebnisse analysieren: Hotspots identifizieren und Reduktionspotenziale ableiten
  5. Dokumentieren: Transparenten Bericht nach ISO 14067 oder GHG Protocol erstellen

MVV Enamic unterstützt Sie bei jedem dieser Schritte – von der Datenerfassung bis zur Optimierungsstrategie.

Welche Daten werden für einen Product Carbon Footprint benötigt?

Für eine PCF-Berechnung benötigen Sie Energiedaten (Strom, Gas, Wärme), Materialdaten (Rohstoffe, Vorprodukte), Transportdaten (Entfernungen, Transportmittel) und Produktionsdaten (Ausschussquoten, Prozessemissionen). Bei Datenlücken können branchenspezifische Durchschnittswerte als Näherung dienen.

Die wichtigsten Datenkategorien:

  • Energiedaten: Strom-, Gas- und Wärmeverbrauch in der Produktion
  • Materialdaten: Art und Menge der eingesetzten Rohstoffe und Vorprodukte
  • Transportdaten: Entfernungen, Transportmittel und Auslastung
  • Produktionsdaten: Ausschussquoten, Prozessemissionen, Hilfsstoffe
  • Lieferantendaten: PCF-Werte oder Emissionsfaktoren für Vorprodukte

Je genauer die Primärdaten, desto aussagekräftiger der PCF. Starten Sie mit den verfügbaren Daten und verbessern Sie die Datenqualität schrittweise.

Welche Standards gelten für die Product Carbon Footprint Berechnung?

Die international anerkannten Standards für die PCF-Berechnung sind ISO 14067:2018 und der GHG Protocol Product Standard. ISO 14067 definiert Prinzipien und Anforderungen für produktbezogene Treibhausgasbilanzen. Der GHG Protocol Product Standard liefert ergänzende Leitlinien zur Quantifizierung.

Die wichtigsten Standards im Überblick:

  • ISO 14067:2018: Internationaler Standard für Treibhausgase und Carbon Footprint von Produkten
  • GHG Protocol Product Standard: Anforderungen und Leitlinien zur Quantifizierung von Produktemissionen
  • ISO 14040/14044: Grundlagen der Lebenszyklusanalyse, auf denen ISO 14067 aufbaut

Beide Standards gewährleisten Vergleichbarkeit und Transparenz der Ergebnisse. Sie bilden die Grundlage für eine glaubwürdige Kommunikation gegenüber Kunden und Stakeholdern.

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Quellenverzeichnis

Topics: Dekarbonisierung
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