Die Energieaudit-Pflicht: Diese Änderungen kommen auf Sie zu

04.11.21 08:14 von Thomas Parth

Energieaudit-Pflicht_Energieeffizienz-und-Energiemanagement

Das Energieaudit für Unternehmen aller Branchen soll dazu beitragen, dass der Energieverbrauch sinkt. Seit dem 5. Dezember 2015 ist es für viele Unternehmen Pflicht und im 4 Jahresrhythmus zu wiederholen. Allerdings wurde das zu Grunde liegende Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) zum 26.11.2019 novelliert, was spürbare Auswirkungen auf die nun anstehenden Wiederholungsaudits hat.

Was ist ein Energieaudit?

Die eigenen Einsparpotenziale besser kennen und gezielter ausschöpfen können: Das ist die Idee des Energieaudits nach DIN EN 16247-1. Um das zu erreichen, erfassen die Auditoren die wesentlichen Energieflüsse eines Unternehmens und analysieren die Energiedaten. Dazu greifen sie auf die aktuellen Betriebsdaten zurück. Ein Abschlussbericht zeigt auf, welche Einsparpotenziale es gibt und welche Maßnahmen wirtschaftlich effizient und empfehlenswert sind.

Welche Hintergründe hat die Pflicht zum Energieaudit?

Den Anstoß zu der Regelung gab die EU-Energieeffizienzrichtlinie. Sie soll dazu beitragen, die Energieeffizienz in der EU zu steigern. Die Energieeffizienz-Richtlinie 2012/27/EU (EED) verpflichtet die Mitgliedsstaaten dazu, nationale Regelungen zu treffen. In Deutschland sind diese Vorgaben in dem bereits seit 2010 bestehenden EDL-Gesetz zum 22. April 2015 umgesetzt worden. Nunmehr wurde das EDL-Gesetz betreffend die Verpflichtung zum Energieaudit zum 26.11.2019 novelliert.

Vorteile des Energieaudits

  • Sie werden bei der Erfüllung gesetzlicher Anforderungen entlastet.
  • Eine individuelle terminliche Planungberücksichtigt Ihre betrieblichen Ressourcen und Abläufe.
  • Sie erhalten eine transparente Aufschlüsselung Ihrer Energieverbräuche.
  • Die Analyse bietet Ihnen eine aussagekräftige Grundlage für weitere Effizienzmaßnahmen.
  • Sie können Optimierungengezielt planen.
  • Sie verbessern Ihre CO2-Bilanz nachhaltig und liefern die Grundlage für die Dekarbonisierung Ihres Unternehmens.

Für welche Unternehmen gilt die Pflicht zum Energieaudit?

Das EDL-G betrifft grundsätzlich alle Nicht-KMU. Also Unternehmen, die keine Kleinstunternehmen bzw. kleine und mittlere Unternehmen nach der EU-Empfehlung darstellen (KMU).

Als Nicht-KMU gilt,

  • wer 250 oder mehr Personen beschäftigt ODER
  • weniger als 250 Personen beschäftigt, aber mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz ODER
  • weniger als 250 Personen beschäftigt, aber mehr als 43 Mio. Euro Jahresbilanzsumme hat ODER
  • wenn 25 Prozent oder mehr seines Kapitals oder seiner Stimmrechte direkt oder indirekt von einem oder mehreren öffentlichen Stellen oder Körperschaften des öffentlichen Rechts einzeln oder gemeinsam kontrolliert werden.

Die Energieaudit-Pflicht gilt außerdem unabhängig von der jeweiligen Branche, dem Tätigkeitsbereich oder der Rechtsform des Unternehmens und somit nicht nur für Kapitalgesellschaften oder produzierende Betriebe.

Den im Bundesgesetzblatt veröffentlichten Text des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) finden Sie hier: http://www.gesetze-im-internet.de/edl-g/

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Muss das Energieaudit verpflichtend wiederholt werden?

Ja, die betroffenen Unternehmen müssen alle 4 Jahre ein Wiederholungs-Energieaudit durchführen.

Wer ist von der Energieaudit-Pflicht befreit?

Eine Ausnahme gilt für Unternehmen, die über ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS verfügen.

Nicht-KMU mit einem Gesamtenergieverbrauch von unter 500 MWh/a unterliegen prinzipiell zwar auch dem EDL-G, können aber ein vereinfachtes Energieaudit durchführen. Sie unterliegen aber trotzdem der Nachweisführung beim BAFA.

Wesentliche Veränderungen durch die Novelle im Überblick

Die Novelle bringt mehrere Veränderungen mit sich, die spürbare Auswirkungen haben:

  • Erhöhte Anforderungen an den Inhalt und den Aufbau des Energieauditberichts
  • Verpflichtung zur regelmäßigen Fortbildung der Auditoren
  • Nachweisführung / Meldepflicht durch die Unternehmen
  • Bei Gesamtenergieverbrauch < 500 MWh/a vereinfachte Auditpflicht, aber trotzdem Nachweisführung / Meldepflicht
  • Änderungen bei der Clusterbildung bzw. bei den Multi-Site-Verfahren

Ist es Pflicht, einen Energiebeauftragten zu benennen?

Wenn Ihr Unternehmen nach dem EDL-G dazu verpflichtet ist, Energieaudits durchzuführen, dann müssen Sie auch einen internen Verantwortlichen benennen, der das Energieaudit koordiniert. Das kann eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter Ihres Unternehmens, ein Externer oder aber auch ein anderes Unternehmen sein.

Das Audit selbst führt dann ein Energieauditor durch, der gemäß den Anforderungen aus dem EDL-G nicht nur eine bestimmte Grundqualifikation und Neutralität vorweisen muss, sondern auch jährliche Fortbildungen. Energieauditoren können sich auf einer öffentlich geführten Energieauditorenliste des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) registrieren lassen.

Alternativen zum Energieaudit nach EDL-G

Verpflichtete Unternehmen können alternativ zum Energieaudit ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS einführen.

Nicht verpflichtete Unternehmen können freiwillig ein Energieaudit durchführen, das sogar über die „Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme – Modul 1“ seitens des BAFA‘s gefördert wird.

Was sollte noch berücksichtigt werden?

Grundsätzlich sollten Unternehmen, die ein Audit durchführen, auch weitere Aspekte in Betracht ziehen:

  1. 1. Messungen durchführen

Sie unterstützen die Durchführung des Energieaudits und zeigen weitere Einsparpotenziale auf. Mehr über ein mobiles Messsystem erfahren!

  1. 2. Fördermittel nutzen

Wenn Sie als KMU nicht zur Durchführung eines Energieaudits verpflichtet sind, können Sie trotzdem freiwillig ein Energieaudit durchführen, das über das BAFA mit dem Förderprogramm „Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlage und Systeme – Modul 1“ gefördert wird. Mehr dazu hier!

Außerdem stehen zur Umsetzung der aufgezeigten Maßnahmen viele Förderprogramme, z.B. „Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)“ oder „Bundesförderung Energieeffizienz in der Wirtschaft (EEW)“ zur Verfügung. Letzteres wird zum 01.11.2021 in die „Bundesförderung für Energie- und Ressourcenmanagement in der Wirtschaft“ überführt, in dem auch verstärkt Komponenten zur Dekarbonisierung gefördert werden.

  1. 3. Contractinglösungen einbeziehen

Ein Energiedienstleister liefert mittels Contracting-Vertrag das Know-how, das Kapital und die Technik. Ziel ist es, Kosten zu reduzieren und gleichzeitig die Energiewende anzugehen. Mehr erfahren!

  1. 4. Grundlage für den Aufbau eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001

Ein vorgeschaltetes Energieaudit bringt bei der Einführung der ISO 50001 wichtige Informationen innerhalb des Bereichs „Planung“ und im Besonderen bei der „Energetischen Bewertung“. 

  1. 5. Grundlage für die Dekarbonisierung eines Unternehmens

Das Energieaudit liefert wichtige Informationen und Grundlagen für die Erstellung einer CO2-Bilanz und somit für die Einführung eines Klimaschutzmanagements.

 

Nehmen Sie außerdem an unserem kostenlosen Webinar am 11. November 2021 um 9:00 Uhr teil. Jetzt anmelden und den Experten live Ihre Fragen stellen.

 

Top-Auditierer: BFE

Das Tochterunternehmen BFE zählt mit mehr als 350 erfolgreichen Energieaudits zu den Top-Auditierern in Deutschland. Erfahren Sie hier mehr über das Energieaudit mit BFE.

Haben Sie Fragen? Dann füllen Sie einfach unser Kontaktformular aus und wir melden uns bei Ihnen. Zum Kontaktformular!

 

Themen: Energiemanagement

Thomas Parth

Autor: Thomas Parth

Thomas Parth ist seit 1989 in verschiedenen Positionen für BFE Institut für Energie und Umwelt (ein Unternehmen der MVV Energie Gruppe) tätig. Er befasst sich seit vielen Jahren mit der Erstellung und der Umsetzung von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Seit der Einführung der Auditpflicht ist er bei BFE federführend für die Koordination der Energieaudits verantwortlich und hat selbst bei vielen Unternehmen als beim BAFA registrierter Energieauditor den Auditprozess durchgeführt. T +49 6222 955 150 E-Mail T.Parth@bfe-institut.com

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