Die Energieaudit-Pflicht: Ist Ihr Unternehmen betroffen?

27.06.19 13:22 von Thomas Parth

Energieaudit-Pflicht_Energieeffizienz-und-Energiemanagement

Das Energieaudit für Unternehmen aus Gewerbe und Industrie soll dazu beitragen, dass der Energieverbrauch sinkt. Seit dem 5. Dezember 2015 ist es für viele Unternehmen Pflicht, und in diesem Jahr steht die erste Wiederholung an. Doch welche Firmen sind zu einem solchen Audit verpflichtet? Worauf müssen Unternehmen achten? Und welche Handlungsmöglichkeiten stehen Ihnen offen? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Energieaudit finden Sie hier.

Was ist ein Energieaudit?

Die eigenen Einsparpotenziale besser kennen und gezielter ausschöpfen können: Das ist die Idee des Energieaudits nach DIN EN 16247-1. Um das zu erreichen, erfassen die Auditoren die wesentlichen Energieflüsse eines Unternehmens und analysieren die Energiedaten. Dazu greifen sie auf die aktuellen Betriebsdaten zurück. Ein Abschlussbericht zeigt auf, welche Einsparpotenziale es gibt und welche Maßnahmen wirtschaftlich effizient und empfehlenswert sind.

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Welche Hintergründe hat die Pflicht zum Energieaudit?

Den Anstoß zu der Regelung gab die EU-Energieeffizienzrichtlinie. Sie soll dazu beitragen, die Energieeffizienz in der EU bis 2020 um 20 Prozent zu steigern. Die Richtlinie 2012/27/EU (EED) verpflichtet die Mitgliedsstaaten dazu, nationale Regelungen zu treffen.

In Deutschland ist das entsprechende Gesetz zum 22. April 2015 in Kraft getreten. Die betroffenen Unternehmen mussten erstmalig bis zum Stichtag 5. Dezember 2015 ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1, durchführen.

Für welche Unternehmen gilt die Pflicht zum Energieaudit?

Das Gesetz betrifft grundsätzlich alle Unternehmen, die keine Kleinstunternehmen bzw. kleine und mittlere Unternehmen nach der EU-Empfehlung darstellen (KMU).

Als Nicht-KMU gilt,

  • wer 250 oder mehr Personen beschäftigt ODER
  • weniger als 250 Personen beschäftigt, aber mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz und mehr als 43 Mio. Euro Jahresbilanzsumme hat ODER
  • wenn 25 Prozent oder mehr seines Kapitals oder seiner Stimmrechte von mind. einer öffentlichen Stelle bzw. Körperschaft des öffentlichen Rechts kontrolliert werden.

Die Energieaudit-Pflicht gilt außerdem unabhängig von der jeweiligen Branche, dem Tätigkeitsbereich oder der Rechtsform des Unternehmens und somit nicht nur für Kapitalgesellschaften oder produzierende Betriebe.

Den im Bundesgesetzblatt veröffentlichten Text des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) finden Sie hier: http://www.gesetze-im-internet.de/edl-g/

Lesen Sie außerdem in einem anderen Beitrag, welche rechtlichen Gründe für ein Energieaudit oder ein anderes System zur Steigerung der Energieeffizienz sprechen.

 

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Wer ist von der Energieaudit-Pflicht befreit?

Eine Ausnahme gilt für Unternehmen, die über ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS verfügen.

Mehr erfahren: Der direkte Vergleich: Energieaudit oder Energiemanagement-System 

Für kleinere und mittlere Unternehmen gilt die Auditpflicht der EU-Energieeffizienzrichtlinie nicht. Zu diesen „KMU“ gehören nach der Definition der EU alle Firmen, die:

  • weniger als 250 Mitarbeiter haben
  • UND einen Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro machen ODER eine Jahresbilanzsumme von weniger als 43 Millionen Euro aufweisen.

Außerdem von der Energieaudit-Pflicht befreit sind:

  • Kommunale Regiebetriebe

Einrichtungen mit überwiegend hoheitlichen Tätigkeiten

Muss das Energieaudit verpflichtend wiederholt werden?

Ja, die Firmen müssen das Folge-Energieaudit alle vier Jahre wiederholen. Diese Pflicht gilt für alle betroffenen Unternehmen. 2019 müssen also alle Audits wiederholt werden, die 2015 durchgeführt wurden. Erfahren Sie mehr dazu in unserem Beitrag "Energieaudit Wiederholung 2019: das sollten Sie wissen".

Ist es Pflicht, einen Energiebeauftragten zu benennen?

Wenn Ihr Unternehmen nach dem Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) dazu verpflichtet ist, Energieaudits durchzuführen, dann müssen Sie auch einen Energiebeauftragten benennen, der das Energieaudit koordiniert. Das kann eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter Ihres Unternehmens, ein Externer oder aber auch ein anderes Unternehmen sein.

Das Audit selbst führt dann ein Energieauditor durch. Da ein Audit beträchtliche Einsparpotenziale aufzeigen und damit klare Kostenvorteile bringen kann, lohnt es sich, auf die Qualifikation des Auditors zu achten. Denn der Begriff „Energieauditor“ ist in Deutschland nicht geschützt. Zwei Aspekte sind besonders wichtig. Das Gesetz sieht vor, dass ein Energieaudit in Gewerbe und Industrie unabhängig durchgeführt werden muss. Das heißt: Der Auditor soll eine neutrale Beratung leisten und muss für die Tätigkeit fachlich qualifiziert sein. Der Gesetzgeber sagt dazu: „Die Fachkunde eines Anbieters wird vermutet, wenn er in den letzten drei Jahren Energiedienstleistungen, Energieaudits oder Energieeffizienzmaßnahmen für mindestens zehn Endkunden durchgeführt hat.“ 

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Themen: Energieeffizienz und Energiemanagement

Thomas Parth

Autor: Thomas Parth

Thomas Parth ist seit 1989 in verschiedenen Positionen für BFE Institut für Energie und Umwelt (ein Unternehmen der MVV Energie Gruppe) tätig. Er befasst sich seit vielen Jahren mit der Erstellung und der Umsetzung von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Seit der Einführung der Auditpflicht ist er bei BFE federführend für die Koordination der Energieaudits verantwortlich und hat selbst bei vielen Unternehmen als beim BAFA registrierter Energieauditor den Auditprozess durchgeführt. T +49 6222 955 150 E-Mail T.Parth@bfe-institut.com

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