Strompreis 2022: Mit diesen Abgaben und Umlagen müssen Sie rechnen

11.11.21 08:04 von Erik Reiß

Strompreis 2022Die Entgelte für die Netznutzung sowie die staatlich veranlassten Bestandteile des Strompreises wie z.B. die EEG-Umlage kann Ihr Stromanbieter nicht beeinflussen. Sie werden durch gesetzliche Regelungen vorgegeben und ihre Höhe jährlich festgelegt. Auch wenn die Strompreise bei MVV stabil bleiben, möchten wir Ihnen auch in diesem Jahr kurz und knapp erläutern, was sich ab Januar 2022 beim Strompreis ändern wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die fossilen Energieträger werden weiter stärker belastet: Die CO2-Bepreisung steigt um 5 Euro auf 30 Euro/Tonne CO2.
  • Die EEG-Umlage reduziert sich um etwa 43 Prozent von 6,500 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) auf 3,723 ct/kWh.
  • Die Offshore-Netzumlage steigt leicht von 0,395 ct/kWh auf 0,419 ct/kWh für nichtprivilegierte Letztverbraucher.
  • Die KWKG-Umlage steigt relativ stark an auf 0,378 ct/kWh (Zum Vergleich: 2021 lag sie bei 0,254 ct/kWh).
  • Die § 19 StromNEV-Umlage erhöht sich im dritten Jahr in Folge auf 0,437 ct/kWh (2021 betrug die Umlage 0,432 ct/kWh).
  • Die Umlage für abschaltbare Lasten sinkt auf 0,003 ct/kWh (zum Vergleich: 2021 lag sie bei 0,009 ct/kWh).
  • Stromkostenintensive Unternehmen können weiterhin Ermäßigungen beantragen bei der EEG-Umlage, der KWKG-Umlage, der § 19 StromNEV-Umlage und der Offshore-Netzumlage

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Webinar Steuern und Abgaben 2022

Abgaben und Umlagen: Was kommt 2022 auf Sie zu?

Zusammen machen die staatlich festgelegten Steuern, Umlagen und Abgaben einen erheblichen Anteil des Strompreises aus und liegen auch 2022 auf hohem Niveau. Allerdings sinkt die Belastung insgesamt.

Weg von fossilen Energieträgern, hin zu erneuerbaren Energien: Der Preis soll relativ stabil bleiben und Letztverbraucher lenken

Ziel ist es, den Strompreis durch die Senkung der EEG-Förderkosten zu stabilisieren. Der niedrigeren EEG-Umlage stehen allerdings höhere Beschaffungskosten für die Energieversorger gegenüber. Warum steigt also der Strompreis insgesamt?

Mehr erfahren:

Energieeinkauf 2022: Warum steigt der Strompreis? 

Ein wichtiger Einflussfaktor auf den Strompreis: Das BEHG

Über den Strompreis werden Investitionen zum Klimaschutz refinanziert. Gleichzeitig dürfen Letztverbraucher nicht allzu stark belastet werden. Die Bundesregierung versucht, hier eine Balance zu schaffen und den Strompreis zu entlasten.

Fossile Energieträger sollen unattraktiver werden – und erneuerbare Energien reizvoller.

Dies wird insbesondere durch die CO2-Bepreisung beeinflusst. Im Jahr 2021 belief diese sich auf 25 Euro/Tonne CO2 und steigt im Jahr 2022 um 5 Euro auf 30 Euro/Tonne CO2.

Mehr erfahren:

Welche Konsequenzen hat die CO2-Bepreisung durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz?

So entwickeln sich die wichtigsten Abgaben und Umlagen

1. Die EEG-Umlage sinkt stark

2022 3,723 ct/kWh
2021 6,500 ct/kWh
2020 6,756 ct/kWh

Im kommenden Jahr sinkt die EEG-Umlage um etwa 43 Prozent auf 3,723 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh).

  • Die EEG-Umlage dient dazu, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2021) gewährte Förderung von Ökostrom zu finanzieren. Die Umlage wird grundsätzlich von den Letztverbrauchern zu gleichen Teilen getragen. Um den Strompreis aber zu stabilisieren, werden diese Förderkosten mehr und mehr durch Haushaltsmittel der Bundesregierung getragen.
  • Mit dem novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2021) verstärkt die Bundesregierung die Maßnahmen zur Erhöhung des Ökostrom-Anteils. Das EEG 2021 zielt darauf ab, in Deutschland bis 2030 einen Anteil an Erneuerbaren Energien von 65 Prozent des Stromverbrauchs bereitzustellen.
  • Darüber hinaus gibt es im EEG 2021 Entlastungsregelungen, die die Höhe EEG-Umlage für bestimmte Letztverbraucherreduzieren. Sowohl das sogenannte Eigenstromprivileg als auch die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR) zählen dazu.

Mehr erfahren:

Die Besondere Ausgleichsregelung – wie hilfreich ist sie aktuell?

2. KWKG-Umlage steigt relativ stark

2022 0,378 ct/kWh
2021 0,254 ct/kWh
2020 0,226 ct/kWh

Die KWKG-Umlage steigt relativ stark an. Nichtprivilegierte Letztverbraucher bezahlen im kommenden Jahr 0,378 ct/kWh.

  • Diese Umlage deckt die Förderungskosten von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Stromnetzbetreiber für den beispielsweise in einem BHKW oder in einer Mikrogasturbine (MGT) erzeugten Strom an den Anlagenbetreiber zahlen.
  • Stromintensive Unternehmen können eine reduzierte KWKG-Umlage beantragen, wenn sie für das betreffende Kalenderjahr einen EEG-Begrenzungsbescheid besitzen.

3. § 19 StromNEV-Umlage erhöht sich weiter

2022 0,437 ct/kWh*
2021 0,432 ct/kWh*
2020 0,358 ct/kWh*

*Strommengen von Letztverbrauchern für die jeweils ersten 1 Mio. kWh pro Jahr und Abnahmestelle

Die Abgabe für die ersten 1.000.000 kWh/a erhöht sich auf 0,437 ct/kWh.

  • Die § 19 StromNEV-Umlage dient dem Ausgleich der Mindereinnahmen, die durch die Netzentgeltentlastung von bestimmten Letztverbrauchern entstehen.
  • Übersteigt der Jahresverbrauch eines Letztverbrauchers an einer Abnahmestelle 1.000.000 kWh, zahlt er für über 1 Mio. kWh hinausgehende Strombezüge eine Umlage von maximal 0,050 ct/kWh. 
  • Sparen können energieintensive Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe, deren Stromkosten im vergangenen Geschäftsjahr vier Prozent des Umsatzes überstiegen haben. Sie bezahlen für Strommengen, die über 1.000.000 kWh hinausgehen, maximal 0,025 ct/kWh. Dies gilt auch für Letztverbraucher, die dem schienengebundenen Verkehr oder der Eisenbahninfrastruktur zuzuordnen sind.

4. Offshore-Netzumlage steigt wieder

2022 0,419 ct/kWh*
2021 0,395 ct/kWh*
2020 0,416 ct/kWh*

*Strommengen von Letztverbrauchern für die jeweils ersten 1 Mio. kWh pro Jahr und Abnahmestelle

Diese Umlage steigt wieder. Ab 2022 beträgt sie 0,419 ct/kWh für nichtprivilegierte Stromverbraucher.

  • Sie umfasst die Kosten für die Errichtung und Betrieb der Netzanschlüsse von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee. Aber auch Entschädigungszahlungen an Anlagenbetreiber, die durch Störungen oder Verzögerungen des Anschlusses anfallen.
  • Aufgrund der analogen Anwendung der Besonderen Ausgleichsregelung nach §§ 63 ff. EEG ist eine Reduzierung der Offshore-Netzumlage für stromkostenintensive Unternehmen möglich.

5. Umlage für abschaltbare Lasten sinkt

2022 0,003 ct/kWh
2021 0,009 ct/kWh
2020 0,007 ct/kWh

Diese Umlage liegt 2022 bei 0,003 ct/kWh.

  • Hier legen Übertragungsnetzbetreiber Vergütungszahlungen an Anbieter von Abschaltleistung auf alle Letztverbraucher um. Diese fließen z. B. an Industriebetriebe, die vorübergehend auf ihre Stromlieferung verzichten können, wenn gerade nicht genügend Strom im Netz vorhanden ist.
  • Das Ziel ist eine bessere Versorgungssicherheit für alle.
  • Die Umlage muss von allen Letztverbrauchern voll gezahlt werden. Hier gibt es keine Privilegierungen.

Nutzen Sie die Privilegierungen, die Ihrem Unternehmen zustehen?

Der Strompreis setzt sich neben oben aufgeführten Abgaben und Umlagen aus weiteren Bestandteilen zusammen:

  • den Kosten für die Strombeschaffung und Vertrieb
  • Umsatz- und Stromsteuer
  • der Konzessionsabgabe und dem staatlich regulierten Netznutzungsentgelt
  • dem Entgelt für die Kosten der Mess- und Steuereinrichtungen inklusive Ablesung

Diese Bestandteile erhöhen den Strompreis und damit auch die Stromkosten von Gewerbe und Industrie. Um diese Belastungen zu begrenzen, gibt es von Seiten der Bundesregierung unterschiedliche Ausnahmeregelungen. Diese Regelungen stützen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Deutschland und wirken gesamtwirtschaftlich positiv.

 

Nur welche Privilegierungen gibt es für Ihr Unternehmen? Wie viel Energie- bzw. Stromkosten können Sie einsparen? Wie können Sie teure Energie-Rechnungen vermeiden?

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In dieser ganzheitlichen, umfassenden Betrachtung werden selbstverständlich auch Betrachtungen zum Strompreis mit einbezogen.

Fazit

Auch im Jahr 2022 ist der Strompreis komplex und wird durch viele Komponenten beeinflusst. Gleichzeitig fehlen in vielen Unternehmen das Know-how und die Zeit, sich mit allen Aspekten zu befassen. Wie aber schaffen es wettbewerbsfähige Unternehmen, ihren Stromeinkauf zu optimieren? Ganz einfach: Mit einem ganzheitlichen Energiemanagementsystem.

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Themen: Steuern und Abgaben, Energieeinkauf

Erik Reiß

Autor: Erik Reiß

Erik Reiß ist seit 1999 in verschiedenen Positionen, aktuell als Energiemanager, beim BFE Institut für Energie und Umwelt (ein Unternehmen der MVV Energie Gruppe) tätig. Seine Aufgabenschwerpunkte liegen in der Durchführung von Effizienzberatungen sowie in der Erstellung von kaufmännischen und technischen Potenzialanalysen. Zusätzlich verantwortet er bei BFE den Fachbereich Gesetzliche Regelungen. T +49 6222 955-151 E-Mail E.Reiss@bfe-institut.com

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