BEHG 2026: So funktioniert das neue Auktionsverfahren

Ab Januar 2026 verändert sich die CO₂-Bepreisung in Deutschland grundlegend. Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) wechselt von festen Zertifikatspreisen zu einem Auktionsverfahren. Erstmals werden Emissionszertifikate versteigert – innerhalb eines Preiskorridors von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen? Wie funktioniert das neue System? Und wie können Sie sich darauf vorbereiten? Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Änderungen und zeigt, was Sie jetzt wissen müssen.

Portrait Florian Dejon von Florian Dejon
7 Min.
22. Januar 2026
Symbolbild für den Start der Versteigerungsphase im nationalen Emissionshandel (BEHG) ab 2026: Ein Auktionator am Pult nimmt Gebote entgegen, während Marktteilnehmer Schilder mit Preisen in Euro pro Tonne hochhalten, was die Ermittlung des CO2-Preises im neuen Preiskorridor darstellt.
BEHG 2026: So funktioniert das neue Auktionsverfahren
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Das Wichtigste in 5 Minuten

Sie möchten die wichtigsten Änderungen im Überblick? Unser kurzes Erklärvideo fasst zusammen, wie das neue Auktionsverfahren ab 2026 funktioniert.

Im Video erfahren Sie:

  • Warum 2026 ein Wendepunkt im Emissionshandel ist
  • Wie der Preiskorridor von 55–65 € funktioniert
  • Was das Einheitspreisverfahren für Ihr Unternehmen bedeutet

Was ist das BEHG? – Der nationale Emissionshandel im Überblick

Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) bildet die rechtliche Grundlage für den nationalen Emissionshandel (nEHS) in Deutschland. Seit 2021 müssen Unternehmen, die fossile Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl oder Benzin in Verkehr bringen, Emissionszertifikate erwerben (DEHSt, 2025, abgerufen am 14.01.2026). Der nEHS erfasst Sektoren, die nicht vom europäischen Emissionshandel (EU-ETS) abgedeckt sind. Vor allem Wärme und Verkehr. Das Ziel: CO₂-Emissionen mit einem Preis versehen und so Anreize für klimafreundliche Alternativen schaffen.

Der Unterschied zum EU-ETS:

  • EU-ETS: Europäisches System für Industrie und Energiewirtschaft
  • nEHS (BEHG): Nationales System für Wärme und Verkehr

Für Unternehmen bedeutet das: Die CO₂-Kosten werden über die Brennstofflieferanten auf die Endkunden umgelegt. Je höher der Verbrauch fossiler Brennstoffe, desto höher die Belastung.

BEHG 2026: Der Wechsel vom Festpreis zur Auktion

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt im deutschen Emissionshandel. Nach fünf Jahren mit staatlich festgelegten Preisen beginnt nun der Übergang zum echten Marktmechanismus.

Festpreisphase 2021–2025: So funktionierte das System bisher

In der Einführungsphase galten feste Preise pro Emissionszertifikat. Unternehmen wussten genau, was sie zahlen müssen:

Jahr Festpreis pro Tonne CO₂
2021 25 €
2022 30 €
2023 30 €
2024 45 €
2025 55 €

Diese Phase diente dem schrittweisen Einstieg. Unternehmen konnten sich auf planbare Kosten einstellen. Doch ab 2026 ändert sich das Prinzip grundlegend (DEHSt, 2025, abgerufen am 14.01.2026).

Auktionsphase ab 2026: Das Einheitspreisverfahren erklärt

Ab 2026 werden die nationalen Emissionszertifikate (nEZ) erstmals versteigert. Die rechtliche Grundlage bildet die novellierte Brennstoffemissionshandelsverordnung (BMUV, 2025, abgerufen am 14.01.2026). Die Versteigerungen werden an der Leipziger Energiebörse European Energy Exchange (EEX) durchgeführt. Das Umweltbundesamt (UBA) hat die EEX am 22.09.2025 mit der Veräußerung der nEHS-Zertifikate ab 2026 beauftragt (DEHSt, 2025, abgerufen am 21.01.2026).

So funktioniert das Einheitspreisverfahren:

  • Gebote abgeben: Unternehmen bieten auf Zertifikate mit ihrem gewünschten Preis
  • Sortierung: Alle Gebote werden nach Preishöhe sortiert (höchstes zuerst)
  • Zuteilung: Zertifikate werden von oben nach unten zugeteilt, bis das Angebot erschöpft ist
  • Einheitspreis: Alle erfolgreichen Bieter zahlen denselben Preis – nämlich den des niedrigsten noch erfolgreichen Gebots

Beispiel: Bieter A bietet 64 €, Bieter B bietet 60 €, Bieter C bietet 58 €. Wenn alle drei erfolgreich sind, zahlen alle nur 58 € – den niedrigsten Zuschlagspreis.

CO₂-Zertifikate-Auktion

Infografik CO₂-Zertifikate-Auktion: Fünf Bieter mit Geboten zwischen 55 und 62 Euro pro Tonne im BEHG-Preiskorridor 2026 (Mindestpreis 55 €, Höchstpreis 65 €)

Abbildung: So funktioniert die CO₂-Zertifikate-Auktion im BEHG 2026 – Unternehmen bieten innerhalb des Preiskorridors von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Alle erfolgreichen Bieter zahlen am Ende denselben Preis. Dieses Verfahren belohnt realistische Gebote und verhindert, dass Unternehmen mehr zahlen als nötig.

Der Preiskorridor 2026: Zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne

Für das Jahr 2026 gilt ein gesetzlich festgelegter Preiskorridor. Der Auktionspreis kann sich nur innerhalb dieser Grenzen bewegen (DEHSt, 2025, abgerufen am 14.01.2026):

Parameter Wert
Mindestpreis 55 € pro Tonne CO₂
Höchstpreis 65 € pro Tonne CO₂


Was bedeutet das konkret?

  • Unter 55 €: Gebote unter dem Mindestpreis werden nicht berücksichtigt
  • Über 65 €: Der Preis wird auf 65 € gedeckelt, auch bei höherer Nachfrage
  • Zwischen 55 und 65 €: Der Markt bestimmt den genauen Preis

Wichtig: Der Preiskorridor gilt nur für die Auktionsphase. In der Festpreisphase kostet ein Zertifikat 68 € und in der Nachkaufphase 70 €. Der tatsächliche Durchschnittspreis für Ihr Unternehmen hängt davon ab, aus welchen Phasen Ihr Versorger die Zertifikate bezieht.

Nach der Auktion: Festpreisphase und Nachkaufphase

Die Versteigerungsphase ist mengenlimitiert. Nicht alle Unternehmen werden dort ihren vollständigen Bedarf decken können. Deshalb schließen sich zwei weitere Phasen an (DEHSt, 2025, abgerufen am 14.01.2026).

Drei Phasen der CO2-Zertifikatsbeschaffung nach BEHG_1

Abbildung: So funktioniert die CO₂-Zertifikate-Auktion im BEHG 2026 – Unternehmen bieten innerhalb des Preiskorridors von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Alle erfolgreichen Bieter zahlen am Ende denselben Preis.

Phase 2: Die Festpreisphase (November – Dezember 2026)

Direkt nach Ende der Versteigerungen beginnt die Festpreisphase. Sie richtet sich an Unternehmen, die in der Auktion nicht ausreichend Zertifikate erhalten haben.

Die wichtigsten Fakten:

Merkmal Details
Zeitraum November – Dezember 2026
Preis 68 € pro Tonne CO₂ (Festpreis)
Mengenbegrenzung Keine – unlimitiert
Voraussetzung Unternehmen hat in der Auktion nicht genug Zertifikate erhalten


Praxisbeispiel Festpreisphase: Ein Unternehmen benötigt 1.000 Zertifikate. In der Auktion konnte es nur 600 erwerben, weil die Nachfrage das Angebot überstieg. Die fehlenden 400 Zertifikate kauft es in der Festpreisphase zu 68 € pro Tonne.

Phase 3: Die Nachkaufphase (ab Januar 2027)

Die Nachkaufphase beginnt im Jahr 2027 und ermöglicht eine begrenzte Nachbeschaffung von 2026er Zertifikaten.

Die wichtigsten Fakten:

Merkmal Details
Zeitraum Ab Januar 2027 (bis 31. August 2027)
Preis 70 € pro Tonne CO₂ (Festpreis)
Mengenbegrenzung Max. 10 % der im Jahr 2026 beschafften Menge
Zweck Absicherung gegen unerwarteten Mehrbedarf


Praxisbeispiel Nachkaufphase: Ein Unternehmen hat 2026 insgesamt 1.000 Zertifikate erworben (aus Auktion + Festpreisphase). Im Jahr 2027 kann es über die Nachkaufphase zusätzlich bis zu 100 Zertifikate (10 %) zum Preis von 70 € nachkaufen.

Ausblick 2027/2028: Übergangsphase und ETS2-Integration

Das Jahr 2026 ist nur der Anfang der Transformation. Die EU-Umweltminister haben im November 2025 beschlossen, den Start des europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (EU-ETS 2) um ein Jahr auf 2028 zu verschieben (BDEW, 2025, abgerufen am 14.01.2026).

Was bedeutet das für 2027?

Das Jahr 2027 wird voraussichtlich zu einem weiteren Übergangsjahr. Der nationale Emissionshandel (nEHS) soll nach aktuellem Stand wie 2026 fortgeführt werden – mit Auktionsverfahren und Preiskorridor. Wichtig: Der Gesetzgeber hat für 2027 noch keine finale Entscheidung getroffen. Die folgenden Angaben basieren auf dem aktuellen Planungsstand.

Aspekt 2026 2027 Ab 2028
System nEHS (Preiskorridor) nEHS (Preiskorridor) EU-ETS 2
Preisbildung 55–65 € (Auktion) / 68 € (Festpreis) / 70 € (Nachkaufphase) 55–65 € (Auktion) / 68 € (Festpreis) / 70 € (Nachkaufphase) Freier Markt
Preisgrenzen Ja (Korridor) Ja (Korridor) Nein


Wie funktioniert die Preiskopplung 2027?

Nach aktuellem Planungsstand folgt 2027 demselben Drei-Phasen-Modell wie 2026.

Solange der Gesetzgeber keine abweichenden Regelungen beschließt, können Sie für 2027 mit ähnlichen Preisstrukturen wie 2026 kalkulieren. Behalten Sie die politischen Entwicklungen im Blick – wir informieren Sie über Änderungen.

EU-ETS 2 – Der europäische Emissionshandel ab 2028

Ab 2028 startet das europäische Emissionshandelssystem 2 (EU-ETS 2) für Gebäude und Verkehr. Das deutsche nEHS wird dann größtenteils durch dieses EU-weite System abgelöst (IHK Karlsruhe, 2025, abgerufen am 14.01.2026).

Was Unternehmen wissen müssen:

  • Freie Preisbildung: Keine Ober- oder Untergrenzen mehr
  • Höhere Volatilität: Preise reagieren direkt auf Angebot und Nachfrage
  • Preisprognosen: Bei Preisprognosen für EU-ETS 2 ist Vorsicht geboten, da viele Zahlen im Netz kursieren. Klar ist, die Preisvolatilität lag seit August 2025 bis Januar 2026 zwischen 65 bis 90 Euro pro Tonne CO₂. Es gibt Schätzungen mit Preisen von über 200 Euro pro Tonne nach 2030.
  • Frontloading: Im ersten Jahr werden 30 % mehr Zertifikate ausgegeben, um Preissprünge abzufedern

Wichtig: Einige Emissionsquellen – insbesondere die Abfallverbrennung – verbleiben vorerst im nEHS und werden nicht sofort in das EU-ETS 2 überführt.

Was bedeutet das BEHG 2026 für Ihr Unternehmen?

Die Änderungen im BEHG haben direkte Auswirkungen auf Ihre Energiekosten. Je nach Energieverbrauch und Brennstoffmix können die Mehrkosten erheblich sein.

Konkrete Auswirkungen:

Brennstoff CO₂-Faktor Mehrkosten bei 65 €/t vs. 55 €/t
Erdgas (Hs)* 0,1814 kg CO₂/kWh +0,181 Cent/kWh
Heizöl / Diesel 2,68 kg CO₂/Liter +2,68 Cent/Liter
Benzin 2,37 kg CO₂/Liter +2,37 Cent/Liter


*Fußnote: Emissionsfaktoren gemäß EBeV 2030, Anlage 2, Teil 4. Heizöl EL und Dieselkraftstoff haben denselben Emissionsfaktor, da sie chemisch nahezu identisch sind. Erdgas brennwertbezogen (Hs), da Gasrechnungen in Deutschland auf Brennwertbasis erstellt werden.

Handlungsempfehlungen für Ihr Unternehmen:

  • Budget anpassen: Kalkulieren Sie mit dem vorläufigen Preis von 65 € für 2026
  • Energieeffizienz steigern: Jede eingesparte Kilowattstunde reduziert Ihre CO₂-Kosten
  • Dekarbonisierung vorantreiben: Erneuerbare Energien und klimafreundliche Technologien senken die BEHG-Belastung langfristig
  • Langfristig planen: Ab 2027 können die Preise deutlich steigen – investieren Sie jetzt in Effizienz

Unternehmen, die frühzeitig handeln, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Denn während die CO₂-Kosten steigen, profitieren effiziente Betriebe von niedrigeren Energiekosten.

Fazit

Das BEHG 2026 markiert den Übergang vom staatlich kontrollierten Festpreis zum marktbasierten Emissionshandel. Mit dem Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne bietet das Jahr 2026 noch ein gewisses Maß an Planungssicherheit. Doch die Richtung ist klar: Ab 2028 wird der CO₂-Preis voraussichtlich steigen. Das Jahr 2027 folgt nach aktuellem Planungsstand demselben Preiskorridor wie 2026 (55–65 €/t in der Auktion, 68 €/t in der Festpreisphase und 70 €/t in der Nachkaufphase).

Unser Tipp: Nutzen Sie das Jahr 2026, um Ihre Energiestrategie zu überprüfen und anzupassen. Die CO₂-Kosten werden nicht sinken, aber Ihr Verbrauch kann es.

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FAQ: Häufige Fragen zum BEHG 2026

Wie hoch ist die CO₂-Abgabe 2026?

Der Preis liegt zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO₂. Der genaue Betrag wird durch Auktionen ermittelt. In der anschließenden Festpreisphase (November–Dezember 2026) können Zertifikate zu 68 €/t erworben werden. In der Nachkaufphase (ab Januar 2027) sind zusätzlich bis zu 10 % der 2026 beschafften Menge zu 70 €/t erhältlich.

Was ist der Unterschied zwischen BEHG und EU-ETS?

Das BEHG regelt den nationalen Emissionshandel (nEHS) für Wärme und Verkehr in Deutschland. Das EU-ETS ist das europäische System für Industrie und Energiewirtschaft. Ab 2028 wird das deutsche nEHS größtenteils durch den europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (EU-ETS 2) abgelöst. Das Jahr 2027 bleibt ein Übergangsjahr mit dem nationalen System.

Wie funktioniert das Auktionsverfahren?

Die EEX (European Energy Exchange) versteigert die Emissionszertifikate im Einheitspreisverfahren im Auftrag des Umweltbundesamtes. Alle erfolgreichen Bieter zahlen denselben Preis – den des niedrigsten noch erfolgreichen Gebots. Das Verfahren ist fair und transparent (DEHSt, 2025, abgerufen am 21.01.2026).

Wer ist vom BEHG betroffen?

Direkt betroffen sind Unternehmen, die fossile Brennstoffe in Verkehr bringen (Inverkehrbringer). Indirekt tragen alle Endverbraucher die Kosten – über höhere Preise für Gas, Öl und Kraftstoffe.

Wie hoch könnte der CO2-Preis 2030 werden?

Experten rechnen mit deutlich steigenden Preisen: Das Forschungsprojekt Ariadne prognostiziert etwa 120 Euro pro Tonne, das EWI Köln sogar bis zu 151 Euro. Im europäischen Emissionshandel (EU-ETS 2) könnten Preise von 200 Euro oder mehr erreicht werden.

Was ist der Unterschied zwischen nEHS und EU-ETS 2?

Der nationale Emissionshandel (nEHS) gilt seit 2021 in Deutschland für Brennstoffe in den Bereichen Wärme und Verkehr. Der EU-ETS 2 ist das europäische Pendant, das ursprünglich 2027 starten sollte, nun aber auf 2028 verschoben wurde. Beide Systeme werden mittelfristig zusammengeführt.


Quellenverzeichnis

Topics: Energiebeschaffung Strom / Gas