Klimaneutral nach Plan

27.07.23 08:00 von Jan Mehlberg

mvvb-linkedIn-sektorenkopplung-20230713Im Kampf gegen den Klimawandel kommt energieintensiveUnternehmen eine wichtige Aufgabe zu. Mit Blick auf den Energiemarkt ist die Dekarbonisierung für sie auch strategisch überaus sinnvoll. Damit Herausforderungen zur Chance werden, gilt es, Klimaschutzmaßnahmen ganzheitlich zu betrachten. Dieser Blog beleuchtet, warum Transformationspläne und Sektorenkopplung den Weg in Richtung Klimaneutralität für Unternehmen so wirkungsvoll machen. 

Viele Wege führen zur Dekarbonisierung 

Die Dekarbonisierung, das bedeutet die Reduzierung der CO2-Emissionen, ist für Unternehmen komplex. Das liegt daran, dass das Thema Energie meist viele Unternehmensbereiche betrifft. Zudem wirken entsprechende Maßnahmen oft nicht nur unternehmensweit, sondern auch sektorenübergreifend. Das heißt, sie beeinflussen u. a. die Bereiche Strom, Gas, Wärme Kälte und Mobilität. Eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung spielen Technologien wie Wasserstoff, Photovoltaik, Biomasse und Wärmepumpen. Ihre volle Wirkkraft entfalten sie jedoch nicht einzeln für sich, sondern erst in Kombination.  

Wechselwirkung statt Rebound-Effekte”  

Eine isolierte Betrachtung einzelner Klimaschutzmaßnahmen kann nämlich zu „Rebound-Effekten" führen. Das bedeutet, dass sich eingesparte Emissionen durch eine Maßnahme in anderen Bereichen wieder aufheben. Berücksichtigt man jedoch die Wechselwirkungen der einzelnen Maßnahmen und Technologien, lassen sich häufig Synergien nutzen.

Ein Beispiel dafür sind Wärmepumpen. Für den Industrieeinsatz arbeiten diese bereits mit Strom sehr effizient. Weitere Synergieeffekte erschließen sich, wenn zusätzlich Abwärme und eine Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) miteinbezogen werden. Letztere kann darüber hinaus für die Elektrifizierung zusätzlicher Prozesse sprechen und in der Folge die Amortisationszeiten deutlich verringern. 

Um die wirtschaftlichen Vorteile einer eigenen PV-Anlage auszuschöpfen, müssen Unternehmen sie nicht zwangsläufig selbst kaufen. Eine Alternative zur direkten Investition in Technologien kann zum Beispiel ein Pachtmodell (Contracting) sein. Ebenso lässt sich die Dekarbonisierung mit sogenannten Stromdirektlieferverträgen, auch Onsite-PPA genannt, vorantreiben. Dabei vermietet das Unternehmen seine Dachfläche an einen Partner, der die Installation und Finanzierung sowie Betrieb und Wartung der Anlage übernimmt. Der dabei produzierte Strom fließt dann wieder zur Nutzung an das Unternehmen.  

Solche Effekte ganzheitlich und nachhaltig für den Unternehmensfortschritt zu nutzen, ist das Ziel der Sektorenkopplung. Den Weg zur Klimaneutralität bestreiten Unternehmen am besten auf folgende Weise: 

 Schritt 1: Reduktion 

Am Anfang der Dekarbonisierung steht eine umfassende Bestandsaufnahme. Nur wenn die Energieflüsse und -verbräuche im Unternehmen sowie die CO2-Bilanz bekannt sind, erhalten Entscheider die Transparenz, um wirkungsvolle Ansatzpunkte für Effizienzmaßnahmen zu finden. Mit dieser Basisarbeit können dann konkrete Klimaschutzziele definiert und ein Plan erstellt werden, um diese zu erreichen. Darüber hinaus profitieren Unternehmen von den direkten Einsparungen und Optimierungen, die identifiziert werden konnten. 

 Schritt 2: Substitution 

In diesem Schritt geht es darum, fossile Energieträger durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Idealerweise passiert das, indem die Sektoren Strom, Gas, Wärme, Kälte und Mobilität bewusst miteinander verbunden werden. Betrachten wir zum Beispiel die Elektrifizierung. Strom ist eine Energieform, die sich dekarbonisieren lässt. Beispiele hierfür sind Photovoltaik, Wind- oder Wasserkraft. Der dort klimaneutral erzeugte Strom kann  direkt dafür verwendet werden, Wärme, Prozessenergie oder Kälte zu erzeugen. So ersetzt er fossile Energieträger wie etwa Gas. 

Ebenfalls interessant, speziell für energieintensive Prozesse, ist in diesem Zusammenhang ein Fuel-Switch, sprich der Austausch von fossilen Brennstoffen durch klimafreundlichere Primärenergieträger wie Biomasse, geeignete Produktionsreststoffe, Wasserstoff oder Biomethan. 

 Schritt 3: Kompensation 

Obwohl die Reduktion und Substitution das Hauptaugenmerk bei der Dekarbonisierung darstellen, lassen sich einige Emissionen trotz aller Anstrengungen nicht vollständig vermeiden. In diesen Fällen können Unternehmen Ausgleichsmaßnahmen ergreifen, um die verbleibenden Emissionen zu kompensieren. 

Die gesamte Transformation in einem Plan

Der Weg zur Klimaneutralität verläuft für jedes Unternehmen anders. Die Potenziale für Energieeffizienzsteigerungen müssen individuell analysiert werden und genauso unterscheidet sich der Energieverbrauch von Betrieb zu Betrieb. Folglich sind auch die Maßnahmen darauf abgestimmt, die wiederum nicht einzeln für sich, sondern im besten Fall sektorenübergreifend geplant und umgesetzt werden.  

Für solch eine umfassende Transformation unter Berücksichtigung von möglichen Synergien bietet ein Transformationsplan eine entscheidende Orientierung. Es beschreibt den strategischen und ganzheitlichen Ansatz, den ein Unternehmen verfolgt, um seine Geschäftsprozesse in Einklang mit den Zielen der Klimaneutralität zu bringen. Ein Transformationsplan kann als individueller Fahrplan für die Dekarbonisierung verstanden werden. Es hilft aber auch dabei, die Zukunftssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Denn dass die Kosten für fossile Energieträger steigen werden, ist abzusehen.  

Ein weiterer Vorteil für Unternehmen: Die Erstellung von Transformationsplänen ist im Rahmen der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) förderfähig. Hier lassen sich Förderquoten von bis zu 60 Prozent realisieren. Mehr erfahren Sie auch in diesem Blogbeitrag: Dekarbonisieren mit einem Transformationsplan.

 

Fazit: Der Weg zur Dekarbonisierung aus einer Hand  

Wasserstoff, Wärmepumpen oder Biomasse – ausgewiesene Experten für die einzelnen Fachgebiete gibt es aktuell auf dem Markt viele. Doch es gilt, ein übergreifendes Verständnis für die gesamte energetische Situation und die Ziele des Unternehmens aufzuweisen. Als erfahrener Full-Service-Energiedienstleister verfügen wir über das Know-how zu allen Technologien und können Sie lösungsneutral und individuell beraten. 

Denn in unserem MVV Partnernetzwerk bündeln wir Expertise in allen Bereichen der Energie. Als Dekarbonisierungspartner erhalten Unternehmen von uns klimaneutrale Energielösungen von der Analyse bis zum Betrieb und darüber hinaus.  

Themen: Dekarbonisierung

Jan Mehlberg

Autor: Jan Mehlberg

Jan Mehlberg absolvierte ein Maschinenbaustudium mit der Fachrichtung Energietechnik an der TU Dresden. Bei der DNVGL betreute er als Engineer Versorgungsprojekte bei Stadtwerken und in der Industrie von der ersten Konzeptidee bis zur Bauleitung. Ab 2015 war er als Gruppenleiter Projektentwicklung für industrielle Medienversorgung aktiv. Seit Mai 2019 verantwortet er den Businesskunden-Vertrieb im Bereich Nord- und Ostdeutschland bei der MVV Enamic.

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