Blindstromkompensation: Einfach erklärt

19.12.19 14:51 von Anna Keller

Blindstromkompensation FunktionDie Blindstromkompensation lässt sich am einfachsten mit einer Metapher – dem Bierglas – veranschaulichen. Wenn Sie sich ein Bierglas betrachten, setzt sich der Inhalt aus Bier und Schaum zusammen. Das Bierglas mit vollständigem Inhalt ist die Scheinleistung. Das ist die Leistung, die Sie bei Ihrem Netzbetreiber beziehen und bezahlen. Das Bier, das Sie möglichst mit wenig Schaum genießen wollen, ist die Wirkleistung. Diese Leistung treibt Ihre Motoren an. Der Schaum verbildlicht die Blindleistung. Ein Nebeneffekt, den Sie möglichst vermeiden sollten, um Kosten zu sparen.

Wo setzt Blindstromkompensation an?

Maschinen, Leuchten oder Klimaanlagen: Sie alle benötigen Wirkstrom, der über Freileitungen aus einem Kraftwerk bereitgestellt wird. Viele dieser elektrischen Geräte wie zum Beispiel Wechsel- und Drehstrommotoren verursachen Blindstrom. Dieser pendelt zwischen Generator (Kraftwerk) und Verbraucher (Elektromotor) periodisch hin und her.

Deshalb messen die Energiezähler bei Gewerbe- und Industriekunden neben dem Wirkstrom auch den Blindstrom – und je nach Verbrauchsmenge stellen die Energieversorger diesen in Rechnung. Es lohnt sich daher in der Regel den Blindstrom zu reduzieren.

Wie funktioniert Blindstromkompensation?

Eine Blindstromkompensationsanlage macht sich zwei Arten von Blindströmen zunutze, die sich gegenseitig aufheben können:

  • Induktive Blindströme. Diese entstehen u.a. durch elektromagnetische Effekte in Spulen von Elektromotoren.
  • Kapazitiver Blindstrom. Er wird etwa in den Kondensatoren (Energiespeichern) einer Blindstromkompensationsanlage erzeugt.

Verursacht der elektrische Motor einer Maschine induktiven Blindstrom, wird eine Kompensationsanlage an die gleiche Leitung angeschlossen. Diese Anlage produziert kapazitiven Blindstrom. Dadurch bewirkt sie, dass der Blindstrom ganz überwiegend nur noch zwischen dem Elektromotor (induktiven Verbraucher) und der Kompensationsanlage (kapazitiven Verbraucher) pendelt. Dabei heben sich die beiden verschiedenen Arten von Blindstrom nahezu auf.

Gut zu wissen: Um den induktiven Blindstrom in einer Anlage zu kompensieren, werden Kondensatoren der jeweils richtigen Leistung den Verbrauchern parallelgeschaltet.

  • Das entlastet die Stromleitungen – und die Stromrechnung: Denn es fließt kaum noch Blindstrom durch die Leitung vom und zum Energieerzeuger (Kraftwerk).
  • Ein weiterer positiver Effekt: Bei gleichem Leitungsquerschnitt kann der Versorger mehr Wirkstrom zum Unternehmen übertragen.

Erfahren Sie hier mehr über die Wartung von Blindstromkompensationsanlagen.

So wird Blindstrom kompensiert

Blindleistungskompensation

Welche Arten von Blindstromkompensation gibt es?

Je nach Einsatzbereich können Unternehmen auf drei Varianten zurückgreifen.

  • Dabei wird jeder Maschine bzw. jedem Verbraucher ein passender Kondensator zugeordnet.
  • Läuft eine Maschinengruppe immer gemeinsam, kann sie mit nur einem Blindstromkompensator ausgestattet werden.
  • Die mittlerweile meistgenutzte Lösung, bei der die gesamte Kompensation an einer zentralen Stelle installiert wird.

 Darum lohnt sich Blindstromkompensation!

Fazit

Überflüssiger Blindstrom kann teuer werden: Meist stellen Energieversorger den Blindstrombedarf in Rechnung, wenn er 50% der Wirkleistung übersteigt.

Für Industriekunden lohnt es sich daher in der Regel, den Blindstromanteil so gering wie möglich zu halten. Eine Blindstromkompensationsanlage reduziert den Anteil des vom Energieversorger bezogenen Blindstroms und entlastet das Stromnetz im besten Fall sogar ganz. Experten beraten Sie dabei, welche der drei Blindstromkompensations-Varianten passt, am einfachsten nachzurüsten ist und sich am schnellsten amortisiert.

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Themen: Energieeffizienz und Energiemanagement

Anna Keller

Autor: Anna Keller

Anna Keller ist seit 2019 als Projektingenieurin Energiemanagement bei der BFE tätig. Sie ist für die Optimierung der Energiesituation bei Kunden unter Energieeffizienz-, Kosten- und Nachhaltigkeitsaspekten zuständig. Die Unterstützung bei Energieaudits und die Energieberatung Mittelstand zählen ebenfalls zu Ihren Aufgaben. T +49 (0)6222 955-155 E-Mail a.keller@bfe-institut.com

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