Risikomanagement beim Energieeinkauf  - so vermeiden Sie die drei schlimmsten Risiken

23.12.15 19:03 von David Wagenblass

Risikomanagement EnergieeinkaufAufgrund der Vielzahl von Produkten im Strom- und Gasbereich haben es Energieeinkäufer oft schwer, den Überblick zu behalten und das passende Produkt für ihr Unternehmen auszuwählen. Um schwerwiegende wirtschaftliche Nachteile für ihr Unternehmen zu vermeiden, sollte das Risiko ein Entscheidungskriterium sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie im Rahmen Ihrer Beschaffungsstrategie die drei wichtigsten Risiken beim Energieeinkauf vermeiden können.

Marktpreisrisiko

Muss ein Unternehmen aufgrund von Energiepreisentwicklungen – seien sie unvorhersehbar oder nicht berücksichtigt – wirtschaftliche Verluste hinnehmen, spricht man von einem Marktpreisrisiko. Ein besonders hohes Marktpreisrisiko liegt bei der Stichtagsbeschaffung (Fixpreis) vor. Dabei wird die komplette Energiemenge zu einem bestimmten Zeitpunkt gekauft, ohne dass die künftige Preisentwicklung am Energiemarkt berücksichtigt wird. Steigen die Energiepreise im weiteren Verlauf, kann der Einkäufer profitieren, da sein Preis unter dem Marktpreisniveau liegt. Sinken die Preise jedoch, muss der Einkäufer im Vergleich zu Wettbewerbern mit höheren Energiepreisen rechnen.

Dem Marktpreisrisiko kann durch die Wahl einer geeigneten Beschaffungsstrategie begegnet werden. Um zum richtigen Zeitpunkt reagieren zu können kann ferner auch eine regelmäßige Beobachtung der Preisentwicklung sinnvoll sein. Eine solche Marktbeobachtung ist jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden. Daher kommt dieses Vorgehen nur für größere Industrieunternehmen mit eigenen Ressourcen im Energieeinkauf in Frage.

Mengen- oder Volumenrisiko

Kommt es zu Abweichungen zwischen der prognostizierten und beschafften und der tatsächlich verbrauchten Energiemenge, spricht man vom Mengen- oder Volumenrisiko. Die Folge sind deutliche Kostensteigerungen: Die Differenzmenge muss teuer im Nachhinein beschafft oder innerhalb kurzer Zeit mit entsprechenden Abschlägen veräußert werden. Es empfiehlt sich daher, Energiedatenmanagementsysteme einzuführen, um den Bedarf genauer und auf einer breiten Datenbasis vorhersagen zu können. Darüber hinaus sollten Einkäufer so früh wie möglich die unterschiedlichen Abnahmestellen in ihre Planung einbeziehen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Grad der Verbindlichkeit bei der Beschaffung. Um das Mengen- bzw. Volumenrisiko zu minimieren, können Verträge ohne eine Mehr-/Mindermengenregelung und mehr Flexibilität bei den Mengen eine passende Lösung sein.

Versorgungsrisiko

Kann der Lieferant trotz geltender Vereinbarungen die zu einem definierten Zeitpunkt benötigte Energiemenge nicht bereitstellen, spricht man vom Versorgungsrisiko. Ursache hierfür kann zum Beispiel ein technisches Problem im Netz des Versorgers sein. Um das Versorgungsrisiko zu minimieren, sollten Back-Up-Systeme aufgebaut und Notfallpläne entwickelt werden. So kann die Installation eines Notstromaggregats sinnvoll sein. Das gilt insbesondere bei der Stromerzeugung in einem eigenen Blockheizkraftwerk (BHKW), da bei einem plötzlichen Ausfall des BHKW die gesamte elektrische Last über das öffentlicheNetz aufgefangen werden muss.

Fazit

Der Energieeinkäufer wird bei der Suche nach der optimalen Beschaffungsstrategie mit zahlreichen Risiken konfrontiert und muss seine Entscheidungen auf der Basis möglicher Marktszenarien treffen. Die Hauptaufgabe des Risikomanagements besteht in der Bewertung und Minimierung von Risiken beim Energieeinkauf und der Suche nach alternativen Beschaffungswegen. Jede Beschaffungsstrategie hat ihre individuellen Vor- und Nachteile. Letztlich orientiert sich die geeignete Beschaffungsstrategie an den speziellen Bedürfnissen des Unternehmens und an der Entscheidung, auf welche Risiken sich ein Unternehmen einlassen möchte.

 

Themen: Energieeinkauf

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Der Energieexperte berät u.a. Verbände in Energiefragen und hält regelmäßig Vorträge zur Kostenreduzierung im Energieeinkauf sowie durch Energieeffizienzlösungen. Darüber hinaus ist er der erste Ansprechpartner in Energiefragen für rund 10.000 Verbandsmitglieder in Deutschland. T +49 621 290-1695 E-Mail david.wagenblass@mvv.de

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