Stromspeicher in Unternehmen: So profitieren Pioniere

27.04.17 13:30 von David Wagenblass

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In privaten Eigenheimen sind Stromspeicher durch den Betrieb von Photovoltaikanlagen bereits ein Thema. Jetzt werden Stromspeicher auch für Unternehmen und Gewerbetreibende interessanter. Denn mit ihrer Hilfe können sie den selbst erzeugten Strom dann nutzen, wenn es für das Unternehmen besonders günstig ist – zum Beispiel, um teure Lastspitzen zu vermeiden. Erfahren Sie hier, welche weiteren Möglichkeiten es gibt, Stromspeicher schon jetzt wirtschaftlich zu betreiben, und wie Ihr Unternehmen damit seine laufenden Energiekosten nachhaltig reduziert.

Junger Markt: Stromspeicher im Gewerbe

Der Markt für Stromspeicher ist noch vergleichsweise jung und entwickelt sich entsprechend dynamisch. Aufteilen lässt er sich in drei Teilmärkte: Der Großspeichermarkt mit Speicherkapazitäten bis zu 20 Megawatt. Hier sind die großen Energieversorger aktiv. Am anderen Ende der Stromversorgungskette steht der Hausspeichermarkt. Dieser entwickelt sich vor allem durch die Verbreitung von Photovoltaikanlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Dazwischen steht der Industriespeichermarkt, von dem bislang eher selten die Rede war.

Das ändert sich gerade. Durch die Entwicklung immer leistungsfähigerer und günstigerer Lithium-Ionen-Akkus kommt auch dieser Markt in Schwung. Der höhere Wirkungsgrad der Stromspeicher ermöglicht es nun auch Unternehmen, mithilfe der Batteriespeicher ihre Verbrauchskosten zu reduzieren. Urban Windelen, Geschäftsführer des Bundesverbands Energiespeicher (BVES), zählt in Deutschland derzeit 500 bis 600 Projekte in Gewerben. Dabei kommen unterschiedliche Geschäftsmodelle zum Einsatz.

Mit Stromspeicher Lastspitzen ausgleichen

Ihr Unternehmen plant, durch die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien den Bezug von Strom aus dem Stromnetz zu reduzieren? Zum Beispiel durch eine Photovoltaikanlage oder durch Stromerzeugung aus Biomasse in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage? Oder Ihr Unternehmen hat diesen Schritt bereits umgesetzt? Dann ermöglicht Ihnen der Einsatz eines Stromspeichers, den eigenen Strom nicht nur dann zu nutzen, wenn er produziert wird. Sie können mit dem gespeicherten Strom teure Lastspitzen Ihres Unternehmens ausgleichen, anstatt den überschüssigen Strom einfach nur ins Stromnetz einzuspeisen. Denn kurze Lastspitzen beeinflussen die Höhe Ihrer Stromkosten stark. Ein intelligenter Stromspeicher deckt die Lastspitzen mit gespeichertem Strom. Sie reduzieren damit die Kosten für die Bereitstellung der Maximallasten. Der Stromspeicher kann so helfen, das Spitzenlastmanagement Ihres Unternehmens weiter zu optimieren und Ihre laufenden Energiekosten deutlich zu senken. 

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Gespeicherten Strom als Regelenergie anbieten

Steigt mithilfe von Stromspeichern der Anteil des selbst erzeugten Stroms am eigenen Verbrauch, fallen zudem sinkende Einspeisevergütungen für Strom aus Photovoltaikanlagen weniger ins Gewicht. Als Betreiber der Anlage können Sie zusätzliche Erträge erzielen, wenn Sie den selbst erzeugten und gespeicherten Strom als Regelleistung auf dem Regelenergiemarkt anbieten. Detaillierte Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel „So profitiert auch Ihr Unternehmen vom Regelenergiemarkt“.

Weitere Vorteile für Ihr Unternehmen: Der Stromspeicher lässt sich nutzen, um Spannungsschwankungen und Stromspitzen auszugleichen. Das hält die Netzfrequenz stabil und schont die eigenen Maschinen. Bei einem Blackout kann der Stromspeicher zudem als Notstromaggregat einspringen und die Stromversorgung sicherstellen.

Mit Elektromobilität die Wertschöpfungskette verlängern

Eine weitere Einsatzmöglichkeit von Stromspeichern ist der Bereich der Elektromobilität. Den gespeicherten Strom kann Ihr Unternehmen nutzen, um den eigenen (Elektro-) Fuhrpark zu betanken. Er kann aber auch Teil einer „grünen“ PR-Kampagne werden – etwa indem Ihr Unternehmen den gespeicherten Strom den Kunden an der Ladesäule vor dem Geschäft kostengünstig oder sogar umsonst anbietet. Die Handelskette Aldi Süd praktiziert das mit selbst erzeugtem Solarstrom bereits vor 50 Filialen. „Das alles sind markante Beispiele, wie Stromspeicher dazu beitragen können, die Wertschöpfungskette von selbst erzeugtem Strom zu verlängern“, urteilt BVES-Geschäftsführer Windelen.

Quartierspeicher als Strombank

Ein weiteres Modell, die Wirtschaftlichkeit lokal erzeugter erneuerbarer Energien zu erhöhen, sind sogenannte Quartierspeicher. An solche größeren Speichereinheiten sind zum Beispiel Haushalte und Gewerbebetriebe eines Stadtteils angeschlossen, die ihren Strom  nach Bedarf einspeisen oder von dort abrufen. MVV Energie hat einen solchen Speicher  mit einer Kapazität von 100 kWh zusammen mit Partnern in Mannheim  erfolgreich betrieben und  dafür den EUROFORUM Stadtwerke Award 2016 erhalten. Die 18 Teilnehmer nutzten den Quartierspeicher als ihre persönliche „Strombank“ und profitierten von der Größe der Anlage. Denn ein Quartierspeicher arbeitet wesentlich wirtschaftlicher pro Kilowattstunde als eine entsprechende Anzahl von kleineren einzelnen Speichern. Außerdem können die Speicherkapazitäten flexibler genutzt werden.

Die wirtschaftlichste Speichervariante wählen

Welches Geschäftsmodell und welcher Stromspeicher sich eignen, hängt von zahlreichen Faktoren ab: von der vorhandenen Anlage zur Stromerzeugung, von der Menge des erzeugten Stroms, vom eigenen Verbraucherprofil und der Art der Nutzung. Da die Anschaffungskosten eines Stromspeichers hoch sind, sollte sich jeder potenzielle Betreiber gut beraten lassen, um einen möglichst wirtschaftlichen Betrieb des Stromspeichers zu ermöglichen. „Auch rechtliche und regulatorische Fragen sollten frühzeitig geklärt werden, da immer zwei bis drei Partner zusammenkommen müssen: der Gewerbetreibende, der Verteilnetzbetreiber und die Ansprechpartner für mögliche Förderprogramme“, gibt Urban Windelen zusätzlich zu bedenken.

Fazit

Mit der Entwicklung immer leistungsfähigerer Lithium-Ionen-Akkus kommt auch der Stromspeicher-Markt für Unternehmen in Schwung. Das Potenzial beschränkt sich dabei nicht nur darauf, den Bezug von Strom aus dem Stromnetz zu reduzieren und Lastspitzen auszugleichen. Unternehmen können den gespeicherten Strom zum Beispiel auch als Regelleistung auf dem Regelenergiemarkt anbieten oder ihn nutzen, um eigene Elektrofahrzeuge oder die der Kunden zu betanken. Eine weitere Möglichkeit ist, den selbst erzeugten Strom nicht in einem eigenen Stromspeicher, sondern über einen Quartierspeicher zu speichern und zu vermarkten.

Themen: Eigenerzeugung und Speicher

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Als Kooperationsmanager beriet er rund 10.000 Verbandsmitglieder in Energiefragen. Nebenbei unterstützte er als Autor den MVV Partner Blog. Seit Dezember 2019 ist er nun als Referent Markenführung und Sponsoring tätig. T +49 621 290-3656 E-Mail partner@mvv.de

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