Energiekosten sparen durch Contracting

17.05.16 17:20 von David Wagenblass

Contracting

Von effizienten Energieerzeugungsanlagen profitieren, ohne das Investitionsbudget Ihres Unternehmens zu belasten: Energiecontracting kann eine Lösung dafür sein. Doch welche Modelle gibt es, und welches passt am besten zu Ihren Anforderungen? Und lohnt sich die Einbindung eines externen Dienstleisters - oder fahren Sie mit einer Lösung in Eigenregie günstiger?

Was ist Energiecontracting?

In der Energie-Branche ist Contracting ein Modell zur Finanzierung, zur Errichtung bzw. zum Betrieb von Energieanlagen durch einen spezialisierten Dienstleister. Ziel ist es, die Energieeffizienz der Erzeugungs-Anlagen zu steigern und damit die Energiekosten zu reduzieren.

In der Praxis bedeutet das:

  • Ein Contractor übernimmt den Betrieb einer bestehenden technischen Anlage des Kunden.
  • Ein Contractor investiert in eine neue Anlage, die der Versorgung des Kunden dient.

Der Contractor liefert dann beispielsweise Wärme für die Heizung oder Warmwasserbereitung, Prozesswärme für industrielle Verfahren oder Strömungsenergie, wie Druckluft. Der Kunde hingegen muss nicht selbst investieren und bezieht seine Nutzenergie aus hocheffizienten Energieanlagen.

Mehr zu dem Thema Contracting erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Webinar "Contracting - Energieeffizienz steigern ohne Eigeninvest". Matthias Heldmann erläutert Ihnen unter anderem die verschiedenen Contracting-Arten.

Wer sind die Contracting-Partner?

1. Contractor

Dienstleister/Auftragnehmer, der die notwendigen Contractingmaßnahmen durchführt. Dies sind in der Regel Energieversorger, Energiedienstleister, Energieagenturen, Anlagenbauer, Handwerksbetriebe oder Finanzinstitute.

2. Contracting-Nehmer

Gewerbebetrieb oder Industrieunternehmen, das die Dienstleistung des Contractors in Anspruch nimmt.

Für welche Einsatzbereiche ist Energiecontracting interessant?

Das Modell ist für viele Industrie- und Gewerbeobjekte attraktiv: Fabriken und Produktionsstätten, Lager und Werkstätten, Bürogebäude und Gewerbekomplexe. Auch für die Wohnungswirtschaft, öffentliche Verwaltungen, Krankenhäuser und Pflegeheime bieten diese Betreiber- und Finanzierungsmodelle viele Vorteile. Art und Umfang des Contractings kann dabei sehr unterschiedlich sein. Es gibt dabei eine Bandbreite einzelner Optimierungsmaßnahmen wie z.B.:

Das Energiecontracting kann aber auch komplexe Prozessdampf- und Wärmelieferungen bis hin zu kompletten Standortversorgungen mit allen vor Ort benötigten technischen Medien beinhalten.

Welche Contracting-Varianten gibt es?

Ihr Betrieb kann zwischen vier Contracting-Modellen wählen:

1. Energieliefercontracting

Der Energielieferant (Contractor) errichtet für Ihren Betrieb eine Energieerzeugungsanlage auf dem neuesten Stand der Technik. Er kann auch eine bereits vorhandene Anlage von Ihnen übernehmen und modernisieren. Zugleich schließen Sie einen langfristigen Liefervertrag mit ihm ab.
Beim Energieliefercontracting plant und finanziert der Contractor die Energieanlage. Er ist dann auch für den Betrieb, die Wartung und Instandhaltung verantwortlich. Der Contractor ist zudem für den Bezug und den Einsatz der benötigten Energiemenge zuständig. Die in der Energieanlage erzeugte Nutzenergie verkauft er in vorher abgesprochener Menge an Sie. Ihr Unternehmen bezahlt dem Energielieferant eine Contracting-Rate. Sie enthält in der Regel einen Grundpreis für die Anlagenbereitstellung, einen Arbeitspreis für die Nutzenergie-Lieferung und einen Verrechnungspreis für die erbrachten Dienstleistungen.

2. Energieeinsparcontracting

Der Contractor übernimmt in dieser Variante Ihre bestehende Anlage und optimiert diese. Ziel ist es, Ihren Energiebedarf mit weniger Brennstoffeinsatz zu decken und auf diese Weise Ihre Energiekosten zu reduzieren. Eine garantierte Kosteneinsparung wird deshalb im Vertrag festgeschrieben. Diese erhält der Contractor in Teilen als Vergütung für seine Investitionen und Dienstleistungen. Mögliche Leistungen des Contractors sind: Finanzierung, Planung, Errichtung, Bedienung und Instandhaltung der Anlage sowie die Schulung Ihres Personals.

3. Technisches Anlagenmanagement (Betriebsführungs-Contracting)

Der Contractor übernimmt die Verantwortung für den Betrieb Ihrer bestehenden Anlage und optimiert die Betriebskosten. Er verbessert durch seine Kompetenz die Abläufe in der Energieerzeugung, -umwandlung und -verwendung. Er ist für die Bedienung, Überwachung, Inspektion, Störungsbehebung und Instandsetzung der Anlage verantwortlich. Ziel ist es, den Energieverbrauch und damit Ihre Energiekosten zu senken. Die Anlage selbst bleibt im Besitz Ihres Unternehmens. Für die Betriebsführung erhält der Contractor von Ihnen eine Betreiberpauschale.

Ein Beispiel ist das LED-Contracting. Der Energieexperte M. Oestreich erläutert das Konzept in seinen beiden Webinaren und zeigt Ihnen Fallbeispiele von erfolgreichen Contracting- / Licht-Projekten. Schauen Sie sich die Webinar Aufzeichnungen direkt und kostenfrei an.

Informieren Sie sich auch über Smart Light Efficiency, ein Rundum-Sorglos-Paket von MVV.

4. Finanzierungs-Contracting

Die Hauptaufgabe des Contractors ist es hier, die Investitionskosten zu optimieren. Der Contractor plant, finanziert und errichtet die gewünschte Energieerzeugungs- oder Energieumwandlungsanlage. Dafür erhält er die vereinbarten Contracting-Raten von Ihrem Unternehmen. Die Anlage bleibt im Besitz Ihres Unternehmens, und Sie tragen weiterhin das Betreiberrisiko.

Der Contractor liefert zum Beispiel:

  • Wärme (Heizwärme, Brauch- und Warmwasser, Prozesswärme, Dampf)
  • Strom (z.B. aus Eigenerzeugung mit BHKW oder Photovoltaikanlagen)
  • Kälte (Kaltwasser, Kühlwasser, Fernkälte)
  • Luft (Druckluft, Lüftung, Klima)

Welche Vorteile kann Energiecontracting bieten?

  • Sie senken Ihre Energiekosten und entlasten die Umwelt durch moderne, effiziente Anlagen, die wirtschaftlich und ökologisch auf dem neuesten Stand sind
  • Sie haben eine geringere anlagenbedingte Kapitalbindung: Ihre Finanzmittel stehen für Investitionen an anderer Stelle zur Verfügung
  • Sie lagern technische und finanzielle Risiken aus
  • Ihre Mitarbeiter können sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren
  • Sie erhöhen die Betriebssicherheit durch eine garantierte Versorgung mit den benötigten Medien
  • Sie werden unabhängiger von steigenden Energiepreisen durch moderne, effiziente Technik und Erneuerbare Energien
  • Ihr Unternehmen profitiert vom Fachwissens des Contractors 

Gut zu wissen: Auch der Contractor ist interessiert daran, das Contracting-Vorhaben über die gesamte Vertragslaufzeit auf höchstmögliche wirtschaftliche Effizienz auszurichten. Denn der Vertrag rechnet sich auch für ihn nur, wenn die Energieumwandlung hocheffizient ist. 

Fazit: Lohnt sich Contracting für mein Unternehmen?

Der erste Schritt zu einer nachhaltigen Antwort ist eine Wirtschaftlichkeitsrechnung: Wie viel Energie kann Ihr Unternehmen durch eine neue oder modernisierte Anlage einsparen? Das ermitteln Sie am besten gemeinsam mit einem erfahrenen Energieexperten.

Stimmt das Potenzial, lohnt es sich zu prüfen, ob eine Contracting-Lösung für Sie wirtschaftlicher ist als ein Betrieb in Eigenregie. Die Kernfrage für Sie ist: Kann der spezialisierte Contractor Ihnen unter dem Strich ein günstigeres Gesamtpaket bieten? Bei der Vollkostenrechnung gilt es zu berücksichtigen, dass Sie sich auch organisatorisch umfassend entlasten.

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Themen: Energieeffizienz und Energiemanagement

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Als Kooperationsmanager beriet er rund 10.000 Verbandsmitglieder in Energiefragen. Nebenbei unterstützte er als Autor den MVV Partner Blog. Seit Dezember 2019 ist er nun als Referent Markenführung und Sponsoring tätig. T +49 621 290-3656 E-Mail partner@mvv.de

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