Durch Contracting die Energiewende angehen und Energiekosten sparen

30.09.21 08:30 von Jan Mehlberg

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Die Energieversorgung in erfahrene Hände geben und von effizienten Energieerzeugungsanlagen profitieren: Energiecontracting ist eine ideale Lösung dafür. Denn Contracting ermöglicht Modernisierungen bzw. Umstrukturierungen und integriert Expertenwissen sinnvoll in Ihr Unternehmen. Doch welche Modelle gibt es, und welches passt am besten zu Ihren Anforderungen? 

Was ist Energiecontracting?

Beim Contracting wird meist aufgrund fehlendem Know-how ein spezialisierter Dienstleister in die Energieoptimierung und -versorgung eines Unternehmens mit eingebunden.

Ziel ist es, Kosten zu reduzieren und gleichzeitig die Energiewende anzugehen. Dies gelingt, indem das Versorgungssystem von Unternehmen ganzheitlich betrachtet, der Energieverbrauch nachhaltiger gestaltet sowie Anlagen erneuert oder die Energieeffizienz bestehender Anlagen gesteigert wird.

Hierfür liefert ein Energiedienstleister mittels Contracting-Vertrag das Know-how, das Kapital und die Technik.

Gerade im Zusammenhang mit der Energiewende und erheblichen Umstrukturierungsaufgaben bei Unternehmen und Prozessen hilft Contracting sehr. Denn wird der Bereich der Energie- und Medienversorgung Ihres Unternehmens in Expertenhände gegeben, reduzieren Sie Ihre Energiekosten, sparen CO2 ein und richten Ihre Versorgung zweckmäßig für die Zukunft aus. 

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Wer sind die Contracting-Partner?

1. Contractor

Dienstleister bzw. Auftragnehmer, der die notwendigen Contracting-Maßnahmen durchführt. Dies sind in der Regel Energieversorger, Energiedienstleister, Energieagenturen und Anlagenbauer.

2. Contracting-Nehmer

Ein Gewerbebetrieb oder ein Industrieunternehmen, das die Dienstleistung des Contractors in Anspruch nimmt.

In der Praxis bedeutet das:

  • Ein Contractor übernimmt den Betrieb einer bestehenden technischen Anlage des Kunden.

Oder

  • Ein Contractor investiert in eine neue Anlage, die der Versorgung des Kunden dient.

Der Contractor begleitet den Contracting-Nehmer von Anfang an, erstellt ein passendes Konzept und hilft bei der Finanzierung. Dies gilt sowohl für die Optimierung von bestehenden Anlagen als auch für neue Anlagen.

Der Kunde bzw. Contracting-Nehmer bezieht am Ende seine Nutzenergie aus hocheffizienten Energieanlagen, wie beispielsweise Dampf, Prozess- oder Raumwärme.

Gut zu wissen: Der Contractor ist stark interessiert daran, das Contracting-Vorhaben über die gesamte Vertragslaufzeit auf höchstmögliche wirtschaftliche Effizienz auszurichten. Denn der Vertrag rechnet sich auch für ihn nur, wenn die Energieumwandlung hocheffizient ist. 

Für welche Einsatzbereiche ist Energiecontracting interessant?

Das Modell ist für viele Industrie- und Gewerbeobjekte attraktiv:

Fabriken und Produktionsstätten, Lager und Werkstätten, Bürogebäude und Gewerbekomplexe. Auch für die Immobilienwelt bzw. Wohnungswirtschaft, öffentliche Verwaltungen, Krankenhäuser und Pflegeheime bieten diese Betreiber- und Finanzierungsmodelle viele Vorteile.

Art und Umfang des Contractings ist individuell zu bestimmen und sehr unterschiedlich. Fest steht, die Dekarbonisierung mithilfe von Contracting anzugehen – das funktioniert in allen Unternehmen und für verschieden große Projekte.

Mehr erfahren: 

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Es gibt eine große Bandbreite einzelner Optimierungsmaßnahmen wie z.B.:

Viele Energiecontracting-Verträge beinhalten aber auch komplexe Prozessdampf- und Wärmelieferungen bis hin zu kompletten Standort-Versorgungen mit allen vor Ort benötigten technischen Medien.

Welche Contracting-Varianten gibt es?

Der Contractor liefert zum Beispiel:

  • Wärme (Heizwärme, Brauch- und Warmwasser, Prozesswärme, Dampf)
  • Strom (z.B. aus Eigenerzeugung mit BHKW oder Photovoltaikanlagen)
  • Kälte (Kaltwasser, Kühlwasser, Fernkälte)
  • Luft (Druckluft, Lüftung, Klima)

Ihr Betrieb kann zwischen vier Contracting-Modellen wählen:

1. Energieliefercontracting

Sie schließen mit dem Contractor einen langfristigen Liefervertrag ab. Dieser errichtet für Ihren Betrieb eine Energieerzeugungsanlage auf dem neuesten Stand der Technik. Oder er übernimmt Ihre bereits vorhandene Anlage und modernisiert diese. 

Der Contractor ist beim Energieliefercontracting für den Betrieb und Instandhaltung der Energieanlage sowie für den Bezug und Einsatz der benötigten Energiemenge verantwortlich.

Die in der Energieanlage erzeugte Nutzenergie verkauft er in vorher abgesprochener Menge an Sie.

Ihr Unternehmen bezahlt dem Energielieferant eine Contracting-Rate. Sie enthält in der Regel einen Grundpreis für die Anlagenbereitstellung, einen Arbeitspreis für die Nutzenergie-Lieferung und einen Verrechnungspreis für die erbrachten Dienstleistungen.

Mehr erfahren am Beispiel Wärmeversorgung:

Wärme-Contracting: Kosten reduzieren ohne eigene Investitionen

2. Energieeinsparcontracting

Der Contractor übernimmt in dieser Variante Ihre bestehende Anlage und optimiert diese. Ziel ist es, Ihren Energiebedarf mit weniger Brennstoffeinsatz zu decken und auf diese Weise Ihre Energiekosten zu reduzieren.

Der Contractor entwickelt ein Energiekonzept welches bei Ihnen zu Kosteneinsparungen führt. Für die eigenverantwortliche Umsetzung des Konzeptes erhält der Contractor einen Teil der Einsparung als Vergütung für seine Investitionen und Dienstleistungen.

Mögliche Leistungen des Contractors sind hier: Finanzierung, Planung, Errichtung, Bedienung und Instandhaltung der Anlage sowie die Schulung Ihres Personals.

Ein weiteres Beispiel ist das LED-Leuchtmittel-Contracting. In diesem Fall rüstet der Contractor das bestehende Beleuchtungssystem auf eine energieeffizientere LED Technologie um. Der Contractor übernimmt hier die Planung, Modernisierung, Finanzierung, Instandsetzung und Gewährleistungsabwicklung über die gesamte Vertragslaufzeit.

Mehr erfahren am Beispiel LED:

Mit LED Technologie effizient Stromkosten sparen

3. Contracting-Dienstleistungen im Bereich technisches Anlagenmanagement 

Der Contractor übernimmt die Verantwortung für den Betrieb Ihrer bestehenden Anlage und optimiert zugleich die Betriebskosten. Er verbessert durch seine Kompetenz die Abläufe in der Energieerzeugung, -umwandlung und -verwendung.

Er ist für die Bedienung, Überwachung, Inspektion, Störungsbehebung und Instandsetzung der Anlage verantwortlich. Ziel ist es, den Energieverbrauch und damit Ihre Energiekosten zu senken.

Die Anlage selbst bleibt im Besitz Ihres Unternehmens. Für die Betriebsführung erhält der Contractor von Ihnen eine Betreiberpauschale.

4. Pacht- und Betriebsführungscontracting

Dieses Contracting steht für die Energie- und Medienversorgung ohne Primärenergiebeschaffung. Insbesondere Eigenerzeugungsanlagen wie Blockheizkraftwerke (BHKW) oder Photovoltaik-Anlagen (PV) fallen in diesen Bereich. Aber auch Medienversorgungsanlagen, die mit Strom angetrieben werden wie z.B. Kälte oder Druckluft, sind häufig Gegenstand eines Pacht- und Betriebsführungscontractings.

Hier bleibt die Anlage im Besitz des Contractors und Betreiber der Anlage ist der Kunde. Der Energiedienstleister bzw. Contractor erhält vom Contracingnehmer eine Pacht für die Nutzung der Anlagen sowie ein Dienstleistungsentgelt für die Betriebsführung.

Bei Photovoltaik-Anlagen beispielsweise verpachtet der Contractingnehmer seine eigenen Dachflächen und pachtet die PV-Anlage vom Contractor. Nach Ende der meist 18-20 jährigen Pachtzeit kann der Contractingnehmer die Anlage gegen Anlagenwert übernehmen. 

Mehr erfahren am Beispiel Photovoltaik:

Photovoltaik-Contracting: Voller Gewinn bei null Investition

Welche Vorteile bietet Energiecontracting?

  • Sie erhalten dauerhafte Unterstützung bei der kontinuierlichen Betreuung und Optimierung der entsprechenden Anlagen und profitieren vom Fachwissens des Contractors
  • Sie lagern technische und finanzielle Risiken aus und können ohne Instandhaltungs-Risiko Ihre Kosten über die Vertragslaufzeit sicher planen
  • Sie senken Ihre Energiekosten und entlasten die Umwelt durch moderne, effiziente Anlagen, die wirtschaftlich und ökologisch auf dem neuesten Stand sind
  • Sie erreichen Ihre Einsparziele und profitieren von einem kompetenten Lösungspartner mit ganzheitlichem Ansatz
  • Da der Dienstleister alle erforderlichen Schritte koordiniert, werden Schnittstellen während der Planungs- und Errichtungsphase reduziert
  • Ihr Kapitaleinsatz bzw. Ihr Investitionsrisiko für eine effiziente und moderne Medienversorgung ist erheblich geringer
  • Sie entlasten sich organisatorisch in großem Maße und ermöglichen Ihren Mitarbeitern, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren
  • Sie erhöhen die Betriebssicherheit durch eine garantierte Versorgung mit den benötigten Medien

Fazit

Kann ein spezialisierter Contractor Ihnen helfen, die Energiewende kostenbewusst anzugehen? Wir sagen ganz klar JA. Denn im Mittelpunkt steht bei einem Erfolg versprechenden Energiedienstleister immer eine ganzheitliche wirtschaftliche und zukunftsfähige Betrachtung Ihres Versorgungssystems. Er bietet maßgeschneiderte Contracting-Leistungen zur nachhaltigen Energiebeschaffung, für Klimaschutzkonzepte, LED-Beleuchtungsanlagen, Kraft-Wärme-Kopplung, Blockheizkraftwerke, Biomasseheiz(kraft)werke, Biomethananlagen, Windkraftanlagen, Photovoltaik-Anlagen, Speicherlösungen, e-Mobility-Ladeinfrastruktur, Regelungstechnik, Heiztechnik, Kältetechnik, Dampf, Druckluft, Raumwärme, Warmwasser, Abfallverwertungsanlagen und mehr. 

Themen: Energieeinkauf, Dekarbonisierung, Energieeffizienz

Jan Mehlberg

Autor: Jan Mehlberg

Jan Mehlberg absolvierte ein Maschinenbaustudium mit der Fachrichtung Energietechnik an der TU Dresden. Bei der DNVGL betreute er als Engineer Versorgungsprojekte bei Stadtwerken und in der Industrie von der ersten Konzeptidee bis zur Bauleitung. Ab 2015 war er als Gruppenleiter Projektentwicklung für industrielle Medienversorgung aktiv. Seit Mai 2019 verantwortet er den Business-Kunden Vertrieb im Bereich Nord- und Ostdeutschland bei der MVV Enamic.

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