Abwärme: das wertvolle „Abfallprodukt“

20.04.16 17:01 von David Wagenblass

Abwärme

 

Fast jedes Unternehmen produziert nebenbei Abwärme. Doch diese Energie verpufft oft einfach ungenutzt, ein enormes Sparpotenzial wird verschenkt. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für die eigene betriebswirtschaftliche Bilanz. Lesen Sie hier, wie Sie dieses „Abfallprodukt“ gewinnbringend einsetzen, die Energieeffizienz Ihres Unternehmens steigern und Ihre Kosten langfristig senken können.

Was ist Abwärme?

Abwärme fällt praktisch bei jedem technischen Prozess an. Sie entsteht, wenn Wärme oder elektrische Energie aus einem Energieträger wie Öl, Gas und Strom hergestellt werden. Diese Energie, welche ohne weitere Kosten zur Verfügung stehen würde, wird oft ungenutzt an die Umwelt abgegeben. Dabei gibt es Techniken, die eine sinnvolle Abwärmenutzung schon bei niedrigen Abwärmetemperaturen interessant machen.

Wo fällt nutzbare Abwärme im Unternehmen an?

Nutzbare Abwärme fällt in vielen Bereichen eines Unternehmens an. Mögliche Quellensind Raumlufttechnische Anlagen (RLT Anlagen), Abwärme von Öfen und Trocknern (beispielsweise in der Metall- und Baustoffindustrie), Rauchgasströme aus Feuerungsanlagen, Gasmotoren und thermischen Nachverbrennungen oder auch Abwasser aus Krankenhäusern oder Seniorenheimen.

Typische Abwärmequellen

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Für welche Zwecke kann Abwärme genutzt werden?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Abwärme zu nutzen.

  • Im Produktionsprozess: Abwärme kann in alle Produktionsprozesse, die einen Prozesswärmebedarf haben, integriert werden. Eine Metallschmelze benötigt beispielsweise hohe Temperaturen, um den Werkstoff zu schmelzen. Die erforderliche Wärme wird durch das Verbrennen eines Energieträgers oder durch elektrische Energie produziert. In diesem Prozess der Energieumwandlung entsteht als Nebenprodukt Abwärme in Form von heißen Abgasen. Diese Abwärme kann Ihr Unternehmen nutzen, um über einen Wärmetauscher die Verbrennungsluft vorzuwärmen. Sie benötigen dann weniger neuen Brennstoff, um die gewünschte Temperatur zum Schmelzen von Metall zu erzeugen.
  • Zur Verstromung: Ihr Unternehmen erzeugt mehr Abwärme als Sie selbst im Prozess benötigen? Dann kann eine Verstromung der Abwärme interessant für Sie sein. Damit sich eine solche Investition rechnet, sind eine hohe Temperatur der Abwärme und eine lange Laufzeit der Verstromungsanlagewichtig. Die Verstromung der Abwärme funktioniert dann nach dem Prinzip der Dampfmaschine: Die Abwärme erzeugt Dampf, der über eine Turbine einen Generator zur Stromerzeugung antreibt. Der entstehende Strom kann entweder selbst genutzt oder vermarktet werden – etwa als Regelenergie.
  • Zum Heizen von Gebäuden und Aufbereiten von Warmwasser: Abwärme können Sie in Ihrem Unternehmen auch zum Heizen oder zur Warmwasseraufbereitung nutzen. Hierfür benötigen Sie eine Raumlufttechnische Anlage (RLT Anlage). Sie nutzt die Abluft aus beheizten Räumen oder Abwärme aus anderen Prozessen zur Vorwärmung von Frischluft und reduziert damit den Heizbedarf in Ihrem Unternehmen deutlich. Abwärme kann aber auch an das warme Brauchwasser abgegeben werden und dadurch den Brennstoffbedarf der Heizanlage minimieren. Dies ist insbesondere für Hotels, Seniorenheime, Krankenhäuser und Wäschereien interessant, also für alle Unternehmen, die einen hohen Warmwasserbedarf haben.
  • Zur Kälteerzeugung: Sie können gewonnene Abwärme auch zur Kälteerzeugung nutzen. Ermöglicht wird dies durch Absorptionskälteanlagen. In einer solchen Anlage entsteht Kälte durch die Verdampfung von Flüssigkeit. Dafür wird Wärme benötigt, die sonst durch Strom erzeugt wird.

Kann die Abwärmetemperatur für eine Nutzung zu gering sein?

Bei niedrigen Abwärmetemperaturen bietet sich der Einsatz einer Wärmepumpe an. Sie hebt das niedrige Temperaturniveau der vorhandenen Abwärme auf das gewünschte Maß an. Für diesen Vorgang wird zwar auch Energie benötigt, dies kann aber wirtschaftlicher sein, als die benötigte Wärme komplett neu zu erzeugen.

Welche Vorteile bringt die Nutzung von Abwärme meinem Unternehmen?

Ihr Betrieb möchte die von ihm produzierte Abwärme nutzen? Damit können Sie Ihren Energieverbrauch, Ihre Schadstoffemissionen und Ihre Investitionskosten auf einen Schlag reduzieren.

  • Geringere Energiekosten: Durch die Abwärmenutzung braucht Ihr Betrieb weniger Brennstoff – beispielsweise zum Heizen der Betriebsräume.
  • Weniger CO2-Emissionen: Sie benötigen weniger Öl und Gas, verbrauchen damit weniger Ressourcen und reduzieren den Kohlendioxid-Ausstoß Ihres Unternehmens – das schont Klima und Umwelt.
  • Geringere Investitionskosten: Sie sparen bares Geld, weil Sie dank der Abwärmenutzung beispielsweise nur eine kleinere Anlage zur Wärmeerzeugung installieren müssen. Diese Anlagen sind um so preisgünstiger, je weniger Leistung sie bringen müssen.

Wer viel Wärme erzeugt, kann sich sicher sein, dass diese effizient genutzt werden kann. Die ist zum Beispiel in einer Druckerei, einer Fabrik, im Metallbau oder auch in einer Reinigung der Fall. Produziert Ihr Unternehmen eher wenig Abwärme? Auch dann lohnt es sich für Sie, die Wirtschaftlichkeit einer Wärmerückgewinnung zu prüfen. Am besten ziehen Sie einen Experten für Energie und Wärme zu Rate. Diese Beratung wird vom Staat mit Fördergeldern unterstützt.

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Gibt es Fördergelder für die Nutzung von Abwärme?

Ebenso wie erneuerbare Energien wird auch die Wärmerückgewinnung finanziell gefördert. Bund und Länder bieten entsprechende Förderprogramme an. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterstützt beispielsweise die Ausarbeitung eines Abwärmenutzungskonzepts durch einen externen Energieberater mit Zuschüssen von bis zu 80 Prozent. Maximal erhalten Unternehmen mit jährlichen Energiekosten über 10.000 Euro hierfür 8.000 Euro, Unternehmen mit jährlichen Energiekosten bis maximal 10.000 Euro bekommen maximal Fördergelder in Höhe von 1.200 Euro. Für Neuinvestitionen in Wärmerückgewinnungsanlagen können Unternehmen Zuschüsse von bis zu 30 Prozent beim BAFA beantragen. Darüber hinaus gibt es beim BAFA das Förderprogramm für energieeffizente Produktionsprozesse. Unternehmen des produzierenden Gewerbes, die ihre Abwärme für die eigene Produktion nutzen möchten, können über dieses Programm Zuschüsse von bis zu 20 Prozent für umweltschutzbezogene Investitionsmehrkosten beantragen.

Auch die KfW-Bank fördert Vorhaben wie die Abwärmenutzung, mit denen die Energieeffizienz in Unternehmen erhöht wird.

Nähere Informationen zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen lesen Sie auch in meinem Beitrag. Darin finden Sie die wichtigsten Anlaufstellen und was Sie bei einer Beantragung beachten sollten. 

Fazit: Vom „Abfallprodukt“ zur Einsparquelle

Unter dem Strich kann sich die Nutzung von Abwärme in vielen Fällen rechnen. Voraussetzung ist eine umfassende Analyse der Wirtschaftlichkeit. Sie sollte die Kosten für die Wärmerückgewinnung, inklusive einer eventuellen Wärmepumpe, langfristig betrachten. Auf der anderen Seite sollte neben den aktuellen Einsparungen auch die langfristige Entwicklung der Energiekosten sowie mögliche staatliche Fördermittel berücksichtigt werden. In der Regel lohnt es sich, externe Expertise hinzuzuziehen und gemeinsam mit einem Spezialisten alle Facetten zu betrachten.

Pofitieren Sie auch von einer staatlichen Förderung von Querschnittstechnologien. In meinem Beitrag erhalten Sie wichtige Informationen darüber, welchen Spareffekt Sie hierdurch erzielen können.

 

Themen: Energieeffizienz und Energiemanagement

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Der Energieexperte berät u.a. Verbände in Energiefragen und hält regelmäßig Vorträge zur Kostenreduzierung im Energieeinkauf sowie durch Energieeffizienzlösungen. Darüber hinaus ist er der erste Ansprechpartner in Energiefragen für rund 10.000 Verbandsmitglieder in Deutschland. T +49 621 290-1695 E-Mail david.wagenblass@mvv.de

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