Quo vadis, Energiewende?

18.07.19 15:31 von Dr. Mathias Onischka

EnergiewendeDer Klimaschutz hat sich zu einem zentralen Thema in Politik und Gesellschaft entwickelt. Umso mehr muss für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende der Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter vorangetrieben werden. Die Zielwerte sind seit 2004 bereits fünf Mal nach oben angepasst worden – zuletzt auf 65 Prozent Anteil am Energiemix bis Ende des nächsten Jahrzehnts. Doch jüngst gab es nicht nur Erfolgsmeldungen zum aktuellen Stand der Energiewende in Deutschland. Lesen Sie mehr über drei zentrale Entwicklungen, die auf die Unternehmen zukommen – und wie Sie sich darauf einstellen können.

1. Der Kohleausstieg kommt – aber wie?

2038 ist Schluss mit der Energieerzeugung aus Kohle. Das ist beschlossen. Aber wie sieht der Weg konkret aus, wie der Abschaltplan und wie finanzieller Entschädigungen? Welche Anreize erhalten Kraftwerksbetreiber zur Umstellung von Kohle auf Gas? Oder sollen sie gleich auf grüne Energie umsteigen?

Die Antworten auf diese ordnungspolitischen Fragen werden auch den Strompreis stark beeinflussen. Bis Ende 2019 will die Bundesregierung hierzu ein erster Entwurf vorlegen. Die Kosten des Kohleausstiegs werden auf mindestens 40 Mrd. Euro geschätzt. Für Unternehmen heißt das, genau die im Blick zu behalten.

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2. Die CO2-Wende: Steuer oder nicht?

60 Mrd. Euro - Dieser gigantische Betrag könnte maximal fällig werden, wenn Deutschland die auf EU-Ebene vereinbarten, ehrgeizigen CO2-Einsparziele verfehlt. Eine solche Zahlung ist politisch kaum vertretbar. Deshalb müssen noch im Laufe des Jahres 2019 Entscheidungen getroffen werden, um die nationalen CO2-Reduktionsziele zu erreichen. Möglich wäre ein nationaler Emissionshandel oder auch eine umfassende Steuerreform mit sozialem Ausgleich nach der Formel „Strom wird günstiger, Heizöl teurer“.

Wie das aussehen könnte, zeigt ein Blick in die Schweiz: Dort kostet eine Tonne CO2 gegenwärtig rund 100 Euro. Ab 2030 werden sogar 200 Euro fällig. Aktuell werden hierzulande Einstiegsgrößen von 25 bis 50 Euro diskutiert, die dann etwa in 10-Euro Schritten steigen könnten. Das würde für alle Unternehmen gelten und kräftige Mehrkosten bedeuten – konkret: 1 Cent mehr pro kWh bei Gas und 12 bis 15 Cent bei Benzin (bei einem CO2-Preis von 50 Euro). Eine entsprechende Regelung könnte nach der nächsten Bundestagswahl in Kraft treten.

3. Die Wärmewende: Wird der „schlafende Riese“ geweckt?

Ein Drittel der Energie in Deutschland wird für Wärmeerzeugung aufgewendet. Das ist seit langem bekannt, doch das Thema ist so etwas wie der „schlafende Riese“ der Energiewende in Deutschland. Denn die eigentlich erforderlichen Maßnahmen durchzusetzen – Stichwort Sanierung, Gebäudedämmung und nachhaltige Wärmeerzeugung – sind politisch heikel. Daher liegen derzeit Vorschläge zur steuerlichen Absetzbarkeit solcher Maßnahmen auf dem Tisch. Und die Dekarbonisierung der Fernwärme-Versorgung soll und muss durch neue Förderprogramme beschleunigt werden.

Fazit: Wie können Unternehmen sich auf die Energiewende-Entwicklung vorbereiten?

Kohleausstieg, CO2-Wende, Wärmewende: Für Unternehmen wird diese dreifache Energiewende spürbare Mehrkosten bei der Energie mit sich bringen. Um diese Belastungen abzufangen, können Firmen an zwei Stellschrauben ansetzen. Zum einen können sie Energie sparen, also den eigenen Verbrauch senken. Zum anderen können sie ihre Energieeffizienz erhöhen: Also nach Möglichkeiten zur Flexibilisierung suchen, PV-Anlagen und ggf. Stromspeicher einsetzen, intelligente Steuerungsmöglichkeiten nutzen und Lastspitzen managen.

Themen: Energieeffizienz und Energiemanagement, Eigenerzeugung und Speicher

Dr. Mathias Onischka

Autor: Dr. Mathias Onischka

Dr. Mathias Onischka ist Volkswirt und promovierter Umweltökonom. Seit 2010 ist er bei der MVV Energie AG für Grundsatzfragen zur Energiepolitik, der Strom- und der Wärmewende zuständig. Zudem leitet er das Nachhaltigkeitsmanagement des Unternehmens und verantwortet dort Themen wie die unternehmensbezogene Dekarbonisierung, gesellschaftliche Verantwortung und Unternehmenssteuerung von nichtfinanziellen Themen. T +49 (0)621-290-2339 E-Mail mathias.onischka@mvv.de

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