BHKW im Krankenhaus: Ein Beitrag zur gesunden Kostensenkung

20.07.17 12:55 von David Wagenblass

KrankenhausDie Energiekosten der bundesdeutschen Krankenhäuser betragen pro Jahr rund 1,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von etwa 6 bis 9 % an den gesamten Sachkosten. Studien zufolge könnten diese Energiekosten in vielen Krankenhäusern um 30 bis 40 % gesenkt werden. Wie Blockheizkraftwerke (BHKW) dazu beitragen können und was dabei zu berücksichtigen ist, erfahren Sie hier.

Was ist ein BHKW?

Blockheizkraftwerke sind kompakte Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung: Sie produzieren Strom und Wärme gleichzeitig direkt am Ort des Verbrauchs – lange Transportwege und damit verbundene Energieverluste entfallen. Zudem sind Blockheizkraftwerke umweltfreundlich. Die Abwärme, die bei der Stromerzeugung anfällt, verwenden sie vor Ort zum Heizen. Sie erzielen dadurch einen hohen Brennstoff-Nutzungsgrad von 80-90 %, der deutlich über dem herkömmlicher Kraftwerke liegt. Der Vorteil für Krankenhaus-Betreiber: Sie können damit bis zu 40 % der Primärenergie (zumeist Gas) einsparen.

 

 

 

Eignet sich ein BHKW für Krankenhäuser?

Krankenhäuser sind der ideale Einsatzort für BHKW, weil sie Strom und Wärme in großen Mengen gleichzeitig benötigen. Zudem werden beide Energieformen rund ums Jahr gebraucht. Dies ist wichtig für die Wirtschaftlichkeit der Anlage. Ein BHKW rechnet sich in der Regel, wenn es mindestens zwei Drittel des Jahres läuft: Also 5.500 von 8.760 Stunden. Blockheizkraftwerke in Krankenhäusern können zusätzlich auch Dampf erzeugen und – in Verbindung mit Absorptionsanlagen – Kälte für die Klimatisierung der Räume (z.B. bei Operationen) und Kühlung bereitstellen.

Für den BHKW Einsatz in Krankenhäusern spricht darüber hinaus:

  • Hoher Strombedarf mit einem sich regelmäßig wiederholenden Tagesgang und konstanter Grundlast
  • Wärmebedarf für die Warmwasserbereitung rund ums Jahr
  • Hoher Wärmebedarf zum Heizen der Zimmer
  • Einsatzmöglichkeit als Ersatzstromaggregat

Rechnet sich ein BHKW für Krankenhäuser?

Der Einsatz eines Blockheizkraftwerks rechnet sich für die meisten Krankenhäuser. In der Regel amortisieren sich die Investitionen durch die erzielten Einsparungen bei der Primärenergie nach etwa 4 bis 6 Jahren. Nach Ablauf dieser Zeit spart ein Krankenhaus im Schnitt etwa 20 % gegenüber der klassischen Energieversorgung durch Vollstrombezug und separate Wärmeerzeugung.

Gut zu wissen: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist für jedes BHKW eine Einzelfallprüfung erforderlich.

Worauf sollten Sie bei der Entscheidung für ein BHKW achten?

Vor der Planung eines BHKW sollten Sie möglichst alle energetischen Schwachpunkte in Ihrem Krankenhaus identifizieren und beseitigen. Außerdem sollten Sie klären, ob zeitnah technische, organisatorische oder strukturelle Veränderungen geplant sind. Dies ist wichtig für die richtige Auslegung des BHKW.

Beispiele:

  • Können Isolierungen verbessert werden?
  • Ist geplant, den Küchenbereich oder die Wäscherei auszulagern?
  • Kann in technischen Bereichen der Energieverbrauch optimiert werden?
  • Ist die Entwicklung eines ambulanten Operationssaals oder einer neuen Spezialabteilung geplant?

Welche Voraussetzungen für den Betrieb eines BHKW im Krankenhaus gibt es?

Die meisten Blockheizkraftwerke im Krankenhaus werden mit Gas betrieben, die Zufuhr funktioniert über einen Gasanschluss. Zusätzlich muss das BHKW an den Wasser- und den Stromkreislauf des Krankenhauses angeschlossen werden.

Wie gestalten Sie den Entscheidungsprozess für ein BHKW im Krankenhaus?

Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg der Anlage ist vor allem die „richtige“ Leistungsgröße des BHKW. Am Anfang der Entscheidungsfindung steht deshalb immer eine genaue Bestandsaufnahme – am besten durch erfahrene Energieexperten. Diese führen zunächst eine Wärme- und Strombedarfsanalyse durch und analysieren die Daten der Energieabrechnung.

Im nächsten Schritt erarbeiten sie die Konzeption und Auslegung des BHKW: Wie ist die Jahresdauerlinie des Wärmebedarfs (Mit Hilfe der Jahresdauerlinie (JDL) können Sie den jährlichen Wärmebedarf darstellen)? Wie der Lastgang des Strombedarfs?

In der nächsten Phase geht es um die Wirtschaftlichkeit der Anlage. Diese wird von einer Reihe von Faktoren bestimmt: Den Kapitalkosten, den Brennstoffkosten, den Kosten für Wartung und Instandhaltung und den spezifischen Wärme-/Stromerlösen bzw. den vom Krankenhaus vermiedenen Energiekosten.

Zuletzt stellt sich die Frage nach der Finanzierung und danach, welches Betreibermodell für Ihr Krankenhaus das Richtige ist. Lesen Sie dazu mehr in meinem Blogartikel „Contracting in Krankenhäusern“.

Ablaufschema Entscheidungsfindung BHKW

Ablauf Entscheidungsfindung BHKW

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V., 2010

 

Gut zu wissen: Für die Berechnung der Wirtschaftlichkeit von BHKW in Krankenhäusern stellt die Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V. (ASUE) einen Rechner zur Verfügung.

Fazit

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Kostendrucks in Krankenhäusern können BKHW einen signifikanten Einsparbeitrag leisten. Das zeigt etwa das Praxisbeispiel des Aachener Franziskushospitals. Der zentrale Erfolgsfaktor ist die richtige Dimensionierung der Anlage. Dazu gehören eine vorbereitende Schwachstellen- und Bedarfsanalyse und ein strukturierter Entscheidungsprozess. Dabei ist in der Regel die Einbindung externer Energieexperten sinnvoll, die ergänzende Expertise aus ähnlich gelagerten Fällen einbringen können

Themen: Eigenerzeugung und Speicher

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Der Energieexperte berät u.a. Verbände in Energiefragen und hält regelmäßig Vorträge zur Kostenreduzierung im Energieeinkauf sowie durch Energieeffizienzlösungen. Darüber hinaus ist er der erste Ansprechpartner in Energiefragen für rund 10.000 Verbandsmitglieder in Deutschland. T +49 621 290-1695 E-Mail david.wagenblass@mvv.de

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