Ökostrom: Wege zu einem nachhaltigen Stromeinkauf

22.09.16 11:01 von David Wagenblass

Nachhaltiger Stromeinkauf

Den ökologischen Fußabdruck verringern, politische Anforderungen erfüllen, Kundenwünschen gerecht werden: Für Unternehmen gibt es viele Beweggründe, um den Stromeinkauf nachhaltig zu gestalten. Doch was ist eigentlich „Ökostrom“? Tatsächlich gibt es in Deutschland nicht einmal eine gesetzliche Definition des Begriffes. Darum lohnt es sich, die klassischen Grünstrom-Labels zu kennen – und darüber hinauszublicken. Denn Naturstrom mit Herkunftsnachweis kann eine kosteneffiziente Alternative jenseits der Labels sein. Lesen Sie mehr darüber, wann und für welche Unternehmen diese Beschaffungsvariante interessant sein kann.

Wie sehen die Verbraucher den nachhaltigen Stromeinkauf?

Rund acht Millionen Deutsche haben sich bereits für Naturstrom entschieden. Viele nehmen dafür Mehrkosten in Kauf: Zwei Drittel der Deutschen wären Umfragen zufolge bereit, für grünen Strom mehr zu bezahlen. Viele Verbraucher schätzen nachhaltiges Handeln – auch bei den Unternehmen, deren Produkte sie kaufen.

Das zeigt: Es kann sich für Firmen aus Reputationsgründen lohnen, auf nachhaltigen Stromeinkauf zu setzen und dies aktiv zu kommunizieren.

Welche Optionen stehen Unternehmen offen?

Der größte Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien stammt aus Photovoltaik und Windkraftanlagen. Auch in Wasserkraftwerken, durch die Verbrennung von Biomasse und Biogas und über Sonnen- und Geothermie wird Naturstrom erzeugt. Elektrische Energie aus hoch effizienter Kraft-Wärme-Kopplung ist wegen der sehr guten Brennstoffausnutzung rechtlich in einigen Bereichen dem Strom aus erneuerbaren Quellen gleichgestellt.

Doch welcher Naturstrom passt zu den Anforderungen eines Unternehmens? Die Entscheider haben die Wahl: Sie können Naturstrom erstens über Label-Produkte oder zweitens über Herkunftsnachweise (HKN) beziehen.

1. Label-Produkte für Grünstrom

Die Herausgeber der Label definieren Kriterien, denen die Stromerzeugung genügen muss. Zu den wichtigsten Labels gehören:

  • ok-Power Label. Es wird vom Verein EnergieVision e.V. herausgegeben. Dessen Träger sind die Verbraucherzentrale NRW und das Öko-Institut Freiburg.
    >> Die wichtigsten Kriterien: Kraftwerke müssen bestimmte Umweltkriterien erfüllen; so sind etwa Windkraftanlagen in Naturschutzgebieten ausgeschlossen. Höchstens die Hälfte des Stroms darf aus Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen werden. Auch das Alter der Anlagen zählt: Mindestens ein Drittel des Ökostroms muss aus Anlagen kommen, die höchstens sechs Jahre alt sind. Ein weiteres Drittel muss aus Anlagen stammen, die nicht älter als zwölf Jahre sind.
  • Grüner Strom Label (GSL). Träger sind der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), die Verbraucher Initiative e.V. und fünf weitere gemeinnützige Verbände.
    >> Die wichtigsten Kriterien: Der Ökostrom stammt zu 100 % vom Produzenten. Zudem muss ein fester Betrag je kWh in den Ausbau Erneuerbarer Energien fließen.
  • TÜV Zertifikate. TÜV Nord, TÜV Süd und TÜV Hessen vergeben Zertifikate für Ökostrom.
    >> Die Kriterien sind unterschiedlich. Beispiel für ein Zertifikat des TÜV Süd: Der Ökostrom-Anteil muss 100 % betragen und zu mindestens 30 % aus Anlagen stammen, die bei erstmaliger Erteilung des Zertifikats höchstens drei Jahre alt waren.

Energieeinkauf 2018

2. Grünstrom über Herkunftsnachweise (HKN)

Die „grüne Qualität“ getrennt von der eigentlichen Stromlieferung behandeln: Dazu werden Herkunftsnachweise herangezogen – englisch „Guarantee of Origin“ oder kurz „GoO“. Diese HKN sind übertragbare Grünstrom-Zertifikate, die Unternehmen getrennt von physischen Stromverträgen kaufen können. Das European Energy Certificate System (EECS) standardisiert die übertragbaren Informationen für Europa. Konkret heißt das: Die „grüne Qualität“ aus dem Kraftwerk kann dem Unternehmen angerechnet werden.

In der Beschaffungspraxis stehen Ihnen drei Wege offen, um Ihre Nachhaltigkeitsziele mit solchen HKN zu verfolgen.

  • Option 1: Sie wählen einen Anbieter, der Strom und HKN aus einer Hand liefert.
  • Option 2: Sie wählen einen Stromlieferanten, der die HKN zukauft und Ihnen diese dann zusammen mit dem Strom liefert.
  • Option 3: Sie trennen die Ausschreibung für die Stromlieferung und die HKN. Damit entscheiden Sie sich gegebenenfalls für zwei verschiedene Lieferanten.

Was sind die Vor- und Nachteile von Label-Produkten und HKN?

Vorteile und Nachteile von Label-Produkten und HKN

Fazit

Entscheidend für Unternehmen ist, frühzeitig eine Strategie für den nachhaltigen Stromeinkauf zu entwickeln. Das eröffnet Gestaltungsmöglichkeiten und die Chance, ohne externen Druck die passenden Produkte auszuwählen. Bei der strategischen Frage „Label oder Herkunftsnachweis“ kommt es auf die unternehmensspezifischen Zielsetzungen an. Ein Grünstromzertifikat mit Herkunftsnachweis bedeutet oft günstigere Preise und eröffnet mehr Wahlmöglichkeiten.

Fest steht: Es lohnt sich, einen leistungsfähigen strategischen Partner auszuwählen. Dieser sollte Sie in allen Aspekten begleiten und beraten können. Zum einen in der Vorbereitung der Ausschreibungen, speziell bei HKN. Zum anderen bei Aspekten wie der Lieferung klimaneutraler Energie, der Verringerung von CO2-Emissionen durch Effizienzmaßnahmen und dem Ausgleich unvermeidbarer Emissionen. Wer diese Bausteine intelligent zusammenfügt, erhält ein nachhaltiges Energiekonzept inklusive Energielieferung.

Möchten Sie mehr über das Thema Stromeinkauf erfahren? Dann lesen Sie auch meinen Beitrag über den richtigen Zeitpunkt beim Stromeinkauf

Themen: Energieeinkauf

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Der Energieexperte berät u.a. Verbände in Energiefragen und hält regelmäßig Vorträge zur Kostenreduzierung im Energieeinkauf sowie durch Energieeffizienzlösungen. Darüber hinaus ist er der erste Ansprechpartner in Energiefragen für rund 10.000 Verbandsmitglieder in Deutschland. T +49 621 290-1695 E-Mail david.wagenblass@mvv.de

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