Smart Meter: Digitalisierungsgesetz verpflichtet zum Einbau intelligenter Stromzähler

17.11.2016 16:14:48 von David Wagenblass

Smart Meter

Wenn Endverbraucher ihren Energiebedarf effizient überwachen oder steuern möchten, müssen die Energielieferung und der Verbrauch intelligent miteinander vernetzt werden. Das ist der Grundgedanke des kürzlich verabschiedeten Digitalisierungsgesetzes. Ein zentrales Element ist der Einbau intelligenter Messsysteme. Im folgenden Beitrag informieren wir darüber, wer zum Einbau der „Smart Meter“ verpflichtet ist und welcher Aufwand und welche Kosten damit verbunden sind.

Einführung intelligenter Messsysteme

Im Juni 2016 war es so weit. Der Bundestag verabschiedete das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“, kurz: „Digitalisierungsgesetz“. Für die Bundesregierung ist das Gesetz ein wichtiger Baustein bei der Verwirklichung der Energiewende. Denn es regelt die Einführung intelligenter Messsysteme, sogenannter „Smart Meter“ für Endverbraucher. Die Messsysteme sollen künftig gewährleisten, dass die Akteure mit neuen Kommunikationswegen noch schneller digital miteinander vernetzt sind. Das gewollte Ziel: Stromerzeugung und Nachfrage bei Letztverbrauchern sollen noch besser aufeinander abgestimmt werden. Die Stromerzeugung soll noch flexibler werden, um ein Maximum an Einsparpotenzialen realisieren zu können.

Stufenweiser Einstieg ins smarte Stromnetz

Das hat nicht nur Konsequenzen für die Stromnetzbetreiber bzw. die Messstellenbetreiber, auch die Letztverbraucher sind direkt betroffen. Denn der Einbau von Smart-Metering-Zählern wird für alle Stromkunden mit einem Jahresverbrauch von mindestens 6.000 Kilowattstunden verpflichtend. Bei ihnen soll 2020 mit dem flächendeckenden Einbau intelligenter Stromzähler begonnen werden. Wer mindestens 10.000 Kilowattstunden verbraucht, muss schon ab 2017 bei der Umstellung auf einen smarten Stromzähler berücksichtigt werden.

Das Gleiche gilt für die Betreiber dezentraler Anlagen zur Energieerzeugung mit mindestens sieben Kilowatt installierter Leistung – etwa einer Solaranlage oder einer Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Hier sollte ebenfalls bereits ab 2017 ein intelligentes Messsystem eingebaut werden.

Lesen Sie hierzu auch meinen Beitrag zur Novellierung des KWKG. Darin erfahren Sie, welche Änderungen es seit dem 1. Januar 2016 gibt.

Generell gilt: Der Einbau intelligenter Messsysteme soll schrittweise erfolgen. Stromkunden mit hohem Verbrauch und Betreiber größerer Erzeugungsanlagen sollen bei dem Einsatz der intelligenten Messsysteme die Vorreiterrolle übernehmen, da hier die Einsparpotenziale am größten sind. Kleinere Stromverbraucher folgen später.

  • ab 2017: Erzeuger mit mindestens 7 kW (dezentrale Anlagen zur Stromerzegung)
  • ab 2017: Verbraucher mit einem Jahresverbrauch von mindestens 10.000 kWh
  • ab 2020: Verbraucher mit einem Jahresverbrauch von mindestens 6.000 kWh

Umrüstung durch Messstellenbetreiber

Verantwortlich für die Umrüstung sind die Messstellenbetreiber. Der Endverbraucher muss also nicht selbst aktiv werden. Verweigern kann er die Umrüstung durch den zuständigen Messstellenbetreiber aber nicht.

Zudem haben Messstellenbetreiber die Option, ab 2020 auch Stromkunden mit einem Verbrauch von weniger als 6.000 Kilowattstunden im Jahr mit einem intelligenten Messsystem auszurüsten. Das gilt dann nicht als Pflichteinbau.

Wer trägt die Kosten?

Die Kosten für den Einbau und Betrieb des intelligenten Messsystems trägt der Letztverbraucher oder Anlagenbetreiber. Dabei gelten für einige Messstellenbetreiber gesetzliche Preisobergrenzen, die nach Jahresverbrauch bzw. erzeugter Energiemenge gestaffelt sind.

Für Umrüstungen durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber, die unter den Pflichteinbau fallen, hat der Gesetzgeber folgende jährliche Preisobergrenzen festgelegt:

Wichtig ist: Diese Preisobergrenzen gelten nicht, wenn der Verbraucher selbst einen Messstellenbetreiber mit dem Einbau beauftragt oder der grundzuständige Messstellenbetreiber seine Aufgaben an einen Dritten übertragen hat.

Kosten fuer Verbraucher und Erzeuger ab 2017

Welche Vorteile bieten Smart Meter?

Die intelligenten Stromzähler erfassen nicht nur die Verbrauchsmengen, sondern auch die Verbrauchszeiten. Die aufgezeichneten Daten übermitteln sie direkt an den Messstellenbetreiber. Dadurch entfällt der jährliche Ablesetermin wie bei den althergebrachten Stromzählern.

Neben der Datenerfassung und Übermittlung durch den Smart-Meter-Gateway wird noch mehr für den Letztverbraucher geleistet: Über eine Datenvisualisierung, abrufbar über das Internet oder eine App, können die Endverbraucher/ Kunden unmittelbar erkennen, wann sie welche Strommenge verbraucht haben. Wenn sich der Letztverbraucher nun mit diesen Daten beschäftigt oder sich von Energieexperten beraten lässt, können Stromfresser identifiziert und der Energieverbrauch gesenkt werden. Verbräuche in Nebenzeiten mit günstigeren Tarifen zu verlagern ist eine weitere Möglichkeit für Endverbraucher, Energie und Kosten einzusparen.

Intelligentes Stromnetz ist das Ziel

Darüber hinaus sind Smart Meter Teil eines dichten Kommunikationsnetzes, in dem die ermittelten Daten zeitgleich in alle Richtungen fließen. Ein solches intelligentes Kommunikationsnetz berücksichtigt auch die Daten aus dezentralen Stromquellen wie kleinen KWK-Anlagen oder aus wetterabhängiger Stromproduktion wie in Photovoltaik- und Kleinwindanlagen. Ist zum Beispiel die Stromproduktion aus diesen Quellen besonders hoch, könnte die Produktion an anderer Stelle gedrosselt werden.

Bei hoher Belastung des Stromnetzes können Endverbraucher eine Netzüberlastung vermeiden, indem sie ihren Stromverbrauch drosseln, intelligente Verbrauchsgeräte verzögert einsetzen oder den zusätzlichen Einsatz von Energieerzeugung aus fossilen Energieträgern vermeiden. Denkbar ist auch, dass in Zeiten hoher Stromproduktion und gleichzeitiger Preissenkung an den Strombörsen, diese Preisoptimierung künftig an die Letztverbraucher weitergegeben werden, etwa in Form variabler Tarife. Beim bisherigen System mit den jährlichen Ableseintervallen ist das nicht möglich.

Wer gewährleistet den Datenschutz?

Smart Meter und Smart-Meter-Gateway liefern künftig die für die Steigerung der Energieeffizienz notwendigen Daten. Wo so viel Datenaustausch ist, besteht aber auch Sorge um den Datenschutz. Schließlich sollen die Messsysteme künftig private Verbrauchsdaten kontinuierlich in das allgemeine Kommunikationsnetz einspeisen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat deshalb vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Schutzprofile und technische Richtlinien für intelligente Messsysteme erarbeiten lassen, die den Datenschutz und die Datensicherheit gewährleisten sollen. Die Dokumente sind auf den Webseiten des BSI veröffentlicht.

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Fazit

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die bereitgestellte Energie innovativ genutzt wird. Dafür erforderlich ist ein intelligentes Kommunikationsnetz. Smart Meter sind ein zentraler Baustein, um die Daten von Erzeugern, Stromnetzauslastung und Energiebedarf bei Endverbrauchern miteinander abgleichen zu können. Das im Juni 2016 verabschiedete Digitalisierungsgesetz legt fest, dass Stromkunden mit hohem Verbrauch und Betreiber größerer Erzeugungsanlagen die Vorreiterrolle beim Einsatz intelligenter Messsystemen übernehmen sollen. Der Einbau von Smart-Metering-Zählern ist für Endverbraucher deshalb schon ab 2017 verpflichtend vorgesehen. Verantwortlich für die Umrüstung sind die Messstellenbetreiber.

Themen: Energieeffizienz, Digitalisierung

David Wagenblass

Autor: David Wagenblass

David Wagenblass ist seit vielen Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Der Energieexperte berät u.a. Verbände in Energiefragen und hält regelmäßig Vorträge zur Kostenreduzierung im Energieeinkauf sowie durch Energieeffizienzlösungen. Darüber hinaus ist er der erste Ansprechpartner in Energiefragen für rund 10.000 Verbandsmitglieder in Deutschland. T : +49 621 290-1695 E-Mail: [email protected]

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