Es geht los: Der europäische Green Deal startet mit dem Fit-for-55 Paket

05.08.21 08:30 von Christian Lorson

EU_Green_DealDie Anfälligkeit unserer Systeme wurde uns mit der Flutkatastrophe im Juli 2021 direkt vor Augen geführt und wird noch lange auf uns wirken. Mehr denn je warten Gesellschaft und Unternehmen gespannt darauf, welche Anstrengungen beim Klimaschutz von der Politik beschlossen und eingefordert werden. Inzwischen ist gar von einer neuen industriellen Revolution die Rede. Lesen Sie in diesem Zusammenhang, was es mit dem Green Deal und seinem „Fit for 55“-Paket auf sich hat und welchen Beitrag Unternehmen in Sachen Energie und Verkehr leisten können.

Was ist der europäische Green Deal?

Bedrohung durch Klimawandel und Umweltzerstörung: Mit dem europäischen Green Deal soll der Übergang zu einer klimaschützenden, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft geschaffen werden. Ziel ist es, den Treibhausgasausstoß der EU bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent zu verringern und damit die Klimaneutralität im Jahr 2050 zu ermöglichen.

Mit dem Abkommen sollen drei Hauptziele erreicht werden:

  1. 1. Ziel: Das Erreichen von Netto-Null-Emissionen

Emissionen in allen Sektoren sollen eingespart werden, insbesondere im Bereich Energie. Ziel ist die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien und eine Reduktion der Netto-Treibhausgase bis 2050 auf Null.

  1. 2. Ziel: Entkopplung des Wachstums von der Ressourcennutzung

Europa ist einer der Hauptverbraucher von Ressourcen weltweit. Um den Verbrauch zu verringern und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum zu sichern, sind technologische Fortschritte nötig. Aber auch ein Umdenken in Bezug auf Lebensstil, Gemeinschaft und Gesellschaft.

  1. 3. Ziel: Förderung eines grünen Übergangs

Alle Menschen und Regionen in Europa sollen bedacht werden. Bis zu 75 Milliarden Euro werden zwischen 2021 und 2027 bereitgestellt, um die sozioökonomischen Auswirkungen des Übergangs hin zu Klimaneutralität zu mildern. Insbesondere in den Regionen, die bisher Treibhausgas-intensiv gewirtschaftet haben.

Viele Schritte sind notwendig, um diese drei Hauptziele zu erreichen und so der erste klimaneutrale Kontinent zu werden. Das „Fit for 55“-Paket versucht, Antworten zur Umsetzung zu geben.

… und was ist das „Fit for 55“-Paket?

„Fit for 55“ ist ein Maßnahmenpaket, das am 14. Juli 2021 von der Europäischen Kommission vorgestellt wurde:

Es umfasst Vorschläge, wie die EU auf dem Weg zur Klimaneutralität das Zwischenziel im Jahr 2030 erreichen wird. Zudem beinhaltet es Anregungen zu Anpassungen von Rechtsvorschriften, neue Initiativen und Vorschläge zu den Bereichen Energie und Kraftstoffe, Klima, Landnutzung und Forstwirtschaft sowie Gebäude.

Zusätzlich stützt in diesem Paket eine Folgenabschätzungs-Analyse die Legislativ-Vorschläge. Folgende Bereiche sollen verändert bzw. optimiert werden:

Preisgestaltung

  • Aktualisierte Richtlinie zur Energiebesteuerung
  • Ausweitung des bestehenden Emissionshandels auf den Seeverkehr; Einführung eines separaten EU-Emissionshandelssystems für Straßenverkehr und Gebäude (CO2-Preis)
  • Einführung eines CO2-Grenzausgleichsmechanismus

Ziele

  • Aktualisierte Verordnung zur Aufwandsaufteilung, über Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft
  • Aktualisierte Richtlinie für erneuerbare Energien
  • Aktualisierte Energieeffizienz-Richtlinie

Regeln

  • Strengere CO2-Vorgaben für Autos und leichte Nutzfahrzeuge
  • Neue Infrastruktur für alternative Kraftstoffe
  • Nachhaltigere Luft- und Schifffahrt

Unterstützende Maßnahmen

  • Verwendung von Einnahmen und Vorschriften zur Förderung von Innovation
  • Aufbau von Solidarität und Abmilderung der Auswirkungen für die Schwachen, insbesondere durch den neuen sozialen Klimafonds und den erweiterten Modernisierungs- und Innovationsfonds.

Es wird zu diesen Gesetzesvorschlägen noch viele Abstimmungen innerhalb der EU geben müssen. Denn einigen Akteuren gehen sie zu weit, anderen sind sie nicht hart genug. Auch gibt es Unstimmigkeiten über die Auswirkungen der Gesetze untereinander.

4 Punkte, die für Unternehmen wichtig werden

Klar ist, dass Gesellschaft und Unternehmen mit einer deutlichen Preiserhöhung für die Nutzung fossiler Energien rechnen müssen. Ein Umdenken in Richtung Dekarbonisierung ist gefordert.

Ein Kern im „Fit for 55“-Paket ist die Anpassung des Marktes für Verschmutzungsrechte: Die Zahl der Zertifikate im bestehenden Europäische Emissionshandel soll stärker reduziert und somit bis zum Jahr 2030 61 Prozent CO2 eingespart werden (bisher wurden 43 Prozent angestrebt).

Lesen Sie, was es mit dem CO2-Preis auf sich hat: Welche Konsequenzen hat die CO2-Bepreisung durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz?

Ein weiterer Fokus liegt auf der Richtlinie für erneuerbare Energien: Der Anstieg des Erneuerbare-Energien-Anteils am Endenergieverbrauch um 40 Prozent wird gefordert.

Informieren Sie sich hier, wie Unternehmen die Energiewende angehen: Dekarbonisierung – Realisieren Sie mit MVV die Energiewende!

Zudem sind große Veränderungen im Straßenverkehr angedacht: Neuzulassung ab 2035 nur noch für emissionsfreie Autos – auch das steht im „Fit for 55“-Paket.

Hier finden Sie wertvolle Informationen, wenn Sie E-Mobility in Ihr Unternehmen bringen möchten: Das machen wir einfach: Klimaschutz durch E-Mobility

Wichtig sind auch die Vorschläge zum Thema Energiesparen: Gefordert werden eine Verdopplung der Verpflichtungen der EU-Länder zum Energiesparen sowie Energie-Mindeststeuersätze, die sich nicht nach Volumen, sondern nach Energiegehalt richten.

Lesen Sie, wie Sie bereits jetzt in der Industrie Energie sparen können: Energie sparen in der Industrie – so senken Sie Kosten und CO2-Ausstoß

Was können Unternehmen konkret tun?

Planen Unternehmen ein nachhaltigeres Wirtschaften, liegt der Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien nahe. Aber auch mit Energieeffizienzmaßnahmen können Sie Einsparungen durchsetzen.

Folgende Tipps helfen, Kosten zu sparen und die Umwelt zu schützen:

  • Nutzen Sie Effizienzen in Bezug auf Energienutzung und -umwandlung und rüsten Sie z. B. auf LED um
  • Tauschen Sie Emissions-verursachende Produkte und Rohstoffe aus und erneuern Sie z. B. Ihre Kältemittel für Kühlung oder Raumklima
  • Steigern Sie Energieeffizienzen bei Verfahren und Prozessen z.B. durch die Verwendung energieeffizienter Software
  • Führen Sie E-Mobilität inklusive Ladeinfrastruktur in Ihrem Unternehmen ein
  • Arbeiten Sie mit erneuerbaren Energien, wie z.B. Photovoltaik, zur Prozesswärmeerzeugung sowie Kälte- und Wärmeerzeugung

Fazit

Bis 2050 möchte die Europäische Union klimaneutral sein. Für dieses große Ziel werden gesellschaftliche und politische Komponenten klimaschützend gesteuert. Und zwar so, dass die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent gesenkt werden. Dafür hat die Europäische Kommission am 14. Juli 2021 Legislativ-Vorschläge zur Verwirklichung der Ziele des Green Deals vorgelegt. Es geht um nichts weniger als die Neuausrichtung von Gesellschaft und Wirtschaft innerhalb der EU.

 

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Themen: Dekarbonisierung

Christian Lorson

Autor: Christian Lorson

Christian Lorson war vor der Zeit bei MVV im Bereich Natural Ressources, konkret im Upstream-Bereich für Tiefengeothermie- und Kohlenwasserstoffprojekte (Kohle, Erdgas, Erdöl) bei TüV Nord tätig. Seit 2018 arbeitet er nun als Key Account Manager im Bereich Business Kunden bei der MVV. Zu seinen Aufgaben gehört die Betreuung und Begleitung von Großkunden bei Energieversorgungskonzepten rund um das Thema Energie.

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