Welche Konsequenzen hat die CO2-Bepreisung durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz?

23.01.20 09:00 von Dr. Alexander von dem Bussche

CO2-BepreisungDas am 12.12.2019 in Kraft getretene Brennstoffemissionshandelsgesetz zur CO2-Bepreisung für die Bereiche Wärme und Verkehr wird weitreichendes Auswirkungen haben. Nur welche? Was erwartet Ihr Unternehmen mit dem neuen Gesetz? Und was können Sie tun, um Kosten zu sparen? Ein marktbasiertes Instrument wie der Emissionshandel zielt darauf ab, dass Umweltbelastungen direkt von den Verursachern finanziell ausgeglichen werden. Unternehmen und Verbraucher sollen selbst entscheiden, ob es für sie günstiger ist, Belastungen zu reduzieren oder für diese zu bezahlen. Meist ist ein ausgewogener Mix die Lösung.

Das nationale Emissionshandelssystem (nEHS): Die Lösung für klimafreundliches Wirtschaften?

In den Sektoren Verkehr und Wärme fehlte bislang ein wirksames Preissignal zur Reduzierung des Ausstoßes von CO2. Ein Signal, das Anreize für die Senkung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe setzt, und gleichzeitig den Umstieg auf klimaschonende Technologien sowie die Nutzung erneuerbarer Energieträger forciert.

Das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) erfasst die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brenn- und Kraftstoffe (insbesondere Heizöl, Flüssiggas, Erdgas, Kohle, Benzin, Diesel).

Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) schafft die Grundlagen für den Handel mit Zertifikaten für Emissionen aus Brennstoffen und sorgt für eine Bepreisung dieser CO2-Emissionen – soweit diese nicht vom EU-Emissionshandel erfasst sind. Die Bundesregierung hat außerdem angekündigt, im Frühjahr 2020 ein neues Gesetzgebungsverfahren auf den Weg zu bringen, um das erlassene BEHG weiter anzupassen.

Erreichen möchte man mit dem BEHG

  • die nationalen Klimaschutzziele, inklusive des Ziels der Treibhausgasneutralität bis 2050,
  • die Minderungsziele nach der EU-Klimaschutzverordnung,
  • einen Beitrag zur Verbesserung der Energieeffizienz,
  • die Senkung der EEG-Umlage aus den Einnahmen des nEHS.

Damit kann die CO2-Bepreisung, wie von der Bundesregierung vorgesehen, zum 1. Januar 2021 beginnen.

Wer ist von der CO2-Bepreisung betroffen?

Teilnehmer am nEHS sind nach dem BEHG die Inverkehrbringer der Brenn- und Kraftstoffe. Also die Unternehmen, die nach dem Energiesteuergesetz Brennstoffe in Verkehr bringen müssen CO2-Zertifikate beschaffen.

Unternehmen, die Brennstoffe an Letztverbraucher liefern, werden daher in den Anwendungsbereich des neuen nEHS fallen. Die Lieferanten werden die Frage zu klären haben, wie sie den Emissionszertifikate-Preis in laufenden und künftigen Verträgen an die Kunden weitergeben können.

Dabei kommt es im Wesentlichen auf die vertraglich vereinbarte Preisanpassungsklausel an. Diese sollte daher- soweit sie diese Kosten nicht bereits erfasst - für alle Lieferungen ab 2021 angepasst werden und zukünftig die Emissionszertifikate-Kosten beinhalten.

Diese Brennstoffe sind betroffen:

  • Heizöl
  • Flüssiggas
  • Erdgas
  • Kohle
  • Benzin und Diesel

Welche Kosten kommen durch das BEHG auf die Unternehmen zu?

CO2-Bepreisung von 2021: 25€/t bis 2025: 55 €/t:

Bund und Länder einigten sich darauf, den CO2-Preis ab Januar 2021 auf 25 Euro pro Tonne festzulegen. Danach steigt der Preis auf bis zu 55 Euro im Jahr 2025 an. Darauf folgend soll kein Festpreis mehr gelten, sondern eine Mengenbegrenzung festgelegt und die entsprechenden Emissionszertifikate versteigert werden.

Eine Doppelbelastung für Industrieanlagen, die bereits Teil des europäischen Emissionshandelssystems (EHS) sind, schließt die Bundesregierung aus, muss hier jedoch noch eine Verordnung bis Ende des Jahres 2020 nachliefern.

Welche Optionen haben Unternehmen, um Kosten zu sparen?

Mit dem zunächst festgelegten Preispfad haben Sie Planungssicherheit und können entsprechend auf Preisentwicklungen reagieren. Auch besteht ein echter Anreiz, auf erneuerbare Energien, die Stärkung der Energieeffizienz Ihres Unternehmens sowie die Entwicklung innovativer klimafreundlicher Produkte und Dienstleistungen zu setzen.

Versuchen Sie, Ihre Unternehmensziele mit möglichst wenig Energie zu erreichen, und den verbleibenden benötigten Energiebedarf weitestgehend mit erneuerbaren Energien zu decken. So profitiert nicht nur das Klima, sondern auch Ihr Unternehmen. Setzen Sie auf

  • die Optimierung Ihrer Anlagen, denn die sauberste und günstigste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Entdecken Sie zahlreiche Energieeffizienzmaßnahmen in unserem kostenfreien E-Book Energieeffizienz.
  • den Verbrauch CO2 neutraler Brennstoffe, denn dies ist nicht mehr nur aus ökologischer Sicht eine Notwendigkeit, sondern zunehmend auch von ökonomischer Bedeutung.

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Fazit

Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) führt ab dem Jahr 2021 einen nationalen Handel mit Zertifikaten für Emissionen aus Brennstoffen ein. Somit wird der europäische Emissionshandel sinnvoll um einen nationalen CO2-Preis ergänzt: Etwa ein Drittel aller Treibhausgase in Deutschland stammen aus den Sektoren Wärme und Verkehr. Durch den nationalen Handel wird klimaschädliches Autofahren und Heizen in Zukunft teurer. Das setzt Anreize für Unternehmen und Verbraucher, um auf klimaschonende Technologien umzusteigen, mehr Energie zu sparen und erneuerbare Energie zu nutzen.

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Themen: Energieeffizienz und Energiemanagement

Dr. Alexander von dem Bussche

Autor: Dr. Alexander von dem Bussche

Dr. Alexander von dem Bussche ist Volkswirt und promovierte zur Marktfähigkeit Erneuerbarer Energien. Seit 2016 ist er Referent für Energiewirtschaft und –politik bei der MVV Energie AG. Dort beschäftigt er sich mit der Analyse und Weiterentwicklung des regulatorischen Rahmens sowie marktbasierten Instrumenten für den Ausbau Erneuerbarer Energien. Zudem begleitet er die politische Unternehmenskommunikation bei wichtigen Gesetzgebungsverfahren der Energiewende. T+49 (0)621 290 22 35. E-Mail alexander.von.dem.bussche@mvv.de

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