Die EU-Taxonomie und ihre Bedeutung für eine nachhaltige Wirtschaft

25.11.21 11:02 von Christian Kunsmann

EU-Taxonomie

Mit der Verordnung zur EU-Taxonomie als Teil des Green Deals soll eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaft gefördert werden. Dabei betrifft das Regelwerk vor allem die Finanzwirtschaft und energieintensive Wirtschaftsbereiche wie Verkehr, Wohnen, Energie sowie Chemie und Stahl. Aber was bedeutet das genau? Lesen Sie in diesem Artikel, was es mit der EU-Taxonomie auf sich hat.

Das Herzstück des Green Deals

Die Herausforderung Klimaschutz steht im Zentrum des Green Deals, den die Europäische Union 2019 vorgestellt hat. Die Klimaschutzziele der EU sollen bis 2050 erreicht werden

Der Green Deal vereint ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte (konkret die ESG-Anforderungen, engl. Environmental, Social and Governance). Dabei wurden Maßnahmen für eine Dekarbonisierung vieler Wirtschaftsbereiche entwickelt, z. B. Energieversorgung, Finanzierung, Handel, Industrie, Land- und Forstwirtschaft und Verkehr. 

Das Herzstück dieser Maßnahmen – die EU-Taxonomie zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der Wirtschaft – stellen wir Ihnen hier vor.

Was ist die EU-Taxonomie?

Seit 2021 wird die Aussagekraft der Finanzberichterstattung von Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit durch die Ergänzung nicht-finanzieller Angaben gestärkt:  

Mit der Taxonomie hat die EU ein Klassifikationsschema eingeführt, um verbindlich festzulegen, welche Wirtschaftstätigkeiten als ökologisch nachhaltig gelten. Diese sollen außerdem mit gezielten Investitionen gestärkt und klimabezogene Informationen von Marktteilnehmern für Dritte transparenter gemacht werden.

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EU-Taxonomie: Anforderungen hinsichtlich ökologisch nachhaltiger Wirtschaftstätigkeit in der EU

Webinar EU Taxonomie

Welche Marktakteure sind (zunächst) angesprochen?

  • Finanzmarktteilnehmer, die Finanzprodukte in der EU anbieten, einschließlich Anbieter von betrieblicher Altersversorgung 
  • Große Unternehmen, die bereits verpflichtet sind, einen nicht-finanziellen Abschluss gemäß der Richtlinie über die nicht-finanzielle Berichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive) vorzulegen

Was ist die Folge der EU-Taxonomie für die angesprochenen Marktakteure?

Klimaschutz wird zum Pflicht-Kriterium im Unternehmens-Reporting und bei der Finanzierung von Projekten oder des Unternehmens. 

Im ersten Berichtsjahr 2022 muss in der nicht-finanziellen Berichterstattung für die jeweilige Wirtschaftstätigkeit mindestens zu drei Kenngrößen berichtet werden (Art. 8 Abs. 2 der EU-Taxonomie-VO): 

  • Der Anteil der nach der EU-Taxonomie als ökologisch nachhaltig anzusehenden Umsatzerlöse 
  • Betriebsausgaben (Operational Expenditures – Opex)
  • Investitionsausgaben (Capital Expenditures – Capex) 

Möchten Sie die Dekarbonisierung in Ihrem Unternehmen angehen? Lesen Sie hierzu mehr auf dieser Website:

Dekarbonisierung – Realisieren Sie mit MVV die Energiewende!

Welche technischen Kriterien sind zu prüfen?

Ausgewählte Wirtschaftstätigkeiten werden anhand von den folgenden sechs Umweltzielen bewertet: 

1. Klimaschutz
2. Anpassung an den Klimawandel 
3. Nachhaltige Nutzung sowie der Schutz von Wasser- und Meeresressourcen 
4. Übergang zur Kreislaufwirtschaft 
5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung 
6. Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen

Damit eine Wirtschaftstätigkeit ökologisch nachhaltig ist, müssen die nachfolgenden Kriterien erfüllt werden. Diese wurden von der EU für ausgewählte Wirtschaftstätigkeiten in diesem Klassifikationsschema (Taxonomie) nominiert. 

Substantially contribute: Trägt die Wirtschaftstätigkeit wesentlich zur Erreichung eines der sechs Umweltziele bei? 

Do no significant harm: Beeinträchtigt diese Wirtschaftstätigkeit keines der sechs Umweltziele?

Comply with minimum safeguards: Werden bei der Ausübung der Wirtschaftstätigkeit bestimmte international anerkannte Mindeststandard für Menschen- und Arbeitsrecht eingehalten?

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Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2020/09/kapitel-1-6-sustainable-finance-taxonomie.html 

 

Nur wenn diese drei Bestandteile erfüllt sind, ist eine Wirtschaftstätigkeit oder Investition in eine solche EU-Taxonomie-konform. Insgesamt werden strenge Maßstäbe angelegt, die ggf. alle 2 bis 5 Jahre novelliert werden können. 

Fazit

Selbst nachhaltige Unternehmen werden zu Beginn der Berichtspflicht häufig nur einen EU-Taxonomie-konformen Umsatzanteil im niedrigen zweistelligen Prozentbereich ausweisen können. Daher sollten sich Betriebe intensiv und rechtzeitig mit diesen umfangreichen Anforderungen sowie den passenden nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten befassen.

Interessieren Sie sich für die EU-Taxonomie und ESG-Kriterien speziell im Bereich Immobilien? In diesem Blogartikel erfahren Sie mehr:

ESG Anforderungen an Immobilien: Investitionenen für den Klimaschutz

Was ist die EU-Taxonomie-Verordnung? Sie ist Teil des Europäischen Green Deals, fokussiert ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft und ist sowohl auf die Finanzwirtschaft als auch auf energieintensivere Wirtschaftsbereiche wie z.B. Verkehr, Wohnen, Energie oder die Produktion von Chemie oder Stahl, ausgerichtet. Aber was bedeutet das genau? Lesen Sie in diesem Artikel kurz und knapp, was es mit dieser Verordnung auf sich hat.

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Themen: Dekarbonisierung

Christian Kunsmann

Autor: Christian Kunsmann

Christian Kunsmann ist seit 2001 bei der MVV Energie AG tätig. Er hat die Studiengänge Technischer Umweltschutz in Paderborn und Wirtschaftsrecht in Heilbronn absolviert. Im Laufe seiner beruflichen Karriere war er in den Bereichen Erschließungsträgerschaft, Beteiligungsmanagement, strategisches technisches Assetmanagement und in der Produktentwicklung B2B tätig. Aktuell übernimmt er als Nachhaltigkeitsmanager die Konzeption ganzheitlicher Energie-und Nachhaltigkeitskonzepte.

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