Stromweiterleitung an Dritte kann Privilegierung gefährden

06.08.20 08:41 von Andreas Naake

Stromweiterleitung an DritteIhre Firma betreibt ein BKHW oder eine PV-Anlage? Oder zählt zum Kreis der energieintensiven Unternehmen? Dann kommen Sie möglicherweise in den Genuss einer reduzierten EEG-Umlage – doch eine aktuelle Regelung kann das gefährden. Und zwar dann, wenn Sie auf Ihrem Betriebsgelände Strom an Dritte weiterleiten. Ab Anfang 2021 ist dafür ein Messkonzept mit geeichten und zeitsynchronen Zählern erforderlich. Andernfalls kann die EEG Privilegierung wegfallen, und dies sogar rückwirkend.

Was besagt die Regelung zur Stromweiterleitung an Dritte?

Betroffen sind beispielsweise durch Dritte betriebene Kantinen, Hausmeisterwohnungen auf dem Betriebsgelände oder an Drittfirmen vermietete Flächen – viele Unternehmen haben den Stromverbrauch dafür geschätzt oder als Eigenverbrauch angegeben. In Zukunft muss mit einer Nachprüfung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bzw. durch den Netz- oder Übertragungsnetzbetreiber gerechnet werden. Denn ab Januar 2021 ist für solche und ähnliche Fälle rechtlich ein Messkonzept mit geeichten Zählern vorgesehen.

 

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Praxisbeispiel: Krankenhaus mit untervermieteten Flächen

Ein Krankenhaus deckt seinen Strombedarf teilweise mit eigenen Blockheizkraftwerken (BHKW). Auf dem Gelände hat es Flächen an einen Kiosk und Arztpraxen untervermietet. Auch diese nutzen den Strom aus den BHKW. Diese Mengen hat der Krankenhausbetreiber bislang mit nicht geeichten Zählern gemessen und abgerechnet.

  • Der zuständige Übertragungsnetzbetreiber kann ab Anfang 2021 verlangen, dass ein Wirtschaftsprüfer die Korrektheit des Messkonzeptes zur Drittmengenabgrenzung bestätigt. Experten erwarten, dass alle Übertragungsnetzbetreiber das auch tatsächlich tun werden.
  • Kann das Krankenhaus keine Bestätigung vorlegen, droht als Strafe die volle EEG-Umlage auf den gesamten selbst erzeugten Strom – auch für zurückliegende Jahre!
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Stromweitergabe an Dritte korrekt gestalten

Für Unternehmen besteht gegenwärtig noch eine Reihe von Unsicherheiten. Wann genau wird aus einer „zeitweiligen“ Weiterleitung eine dauerhafte? Wo enden die jeweiligen Bagatellgrenzen? Im Zweifelsfall sollten die Unternehmen die Sachverhalte und die entsprechenden Strommengen bei der Antragstellung offenlegen. Beim Überprüfen der Messinfrastruktur und der Erstellung eines Messkonzeptes bietet es sich an, externe Experten hinzuzuziehen. Dasselbe gilt mit Blick auf die rechtssichere Gestaltung der Mess- und Weiterleitungskonzepte. Denn der „Stromhandel“ gehört bei den wenigsten Firmen zum Kerngeschäft!

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Themen: Eigenerzeugung und Speicher

Andreas Naake

Autor: Andreas Naake

Seit 1990 bei BFE in verschiedenen Positionen bei der Kundenbetreuung und –analyse tätig, unter anderem Niederlassungsleiter im Büro Berlin und Abteilungsleiter im Stammsitz in Mühlhausen. Seit einigen Jahren als Vertriebsingenieur und Energiemanager im Bereich Kundenlösungen tätig. Schwerpunkt sind dabei themenübergreifende Ansätze für die Kunden und Interessenten, immer im Hinblick auf optimale und effiziente Lösungen innerhalb der MVV-Gruppe.

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