Grüne Gase: Energieträger der Zukunft?

19.11.20 16:56 von Florian Dejon

Grüne_GaseGrüne Gase sind klimaneutral und können heute schon für die Energiegewinnung genutzt werden – wie konventionelle Gase. Das macht sie interessant für die angestrebte Senkung der CO2-Emissionen. Doch welche grünen Gase gibt es? Wofür lassen sie sich konkret nutzen? Und rechnen sie sich tatsächlich auch für die Umwelt? Lesen Sie hier alles Wichtige in Kürze.

Was sind grüne Gase?

Grüne Gase sind alle gasförmigen Energieträger, bei deren Verbrennung nicht mehr CO2 freigesetzt wird, als die bei der Erzeugung verwendeten Rohstoffe vorher aus der Luft aufgenommen haben. Sie sind daher nahezu klimaneutral. Grüne Gase können auf unterschiedliche Weise erzeugt und genutzt werden. Konkret stehen die folgenden Energieträger im Fokus:

1. Wasserstoff

Er gilt als wichtiger Baustein einer zukünftigen CO2-freien Energieerzeugung. Warum ist das so?

  • Wasserstoff lässt sich unter Nutzung von Strom in beliebigen Mengen aus Wasser erzeugen. Bei der sogenannten Power-to-Gas-Technologie stammt der für diesen Prozess (Elektrolyse) eingesetzte Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien wie Windkraft oder Photovoltaik. Der so produzierte Wasserstoff ist als Energieträger komplett CO2-frei und wird als grüner Wasserstoff bezeichnet.
  • Er lässt sich relativ leicht speichern, lagern und transportieren. Das macht ihn attraktiv, als Beitrag zur Lösung der Speicherproblematik von Windkraft und Solarenergie.
  • Gibt Wasserstoff die eingesetzte Energie wieder ab – zum Beispiel in einer Brennstoffzelle – entsteht dabei kein klimaschädliches CO2.
  • Wasserstoff bietet viele Einsatzmöglichkeiten: In der zentralen und dezentralen Stromerzeugung, für das Betreiben von Fahrzeugen, für die Herstellung alternativer Kraftstoffe, Brennstoffe und Gase oder als Rohstoff für chemische Prozesse.

2. Biogas

Biogas wird aus Biomasse hergestellt – also aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle, Stroh oder Bioabfällen. Auch Energiepflanzen wie Raps und Mais werden in Biogas umgewandelt. Biogas gilt als klimaneutral, weil Pflanzen beim Wachsen fast genauso viel CO2 binden, wie bei der Biogas-Verbrennung wieder freigesetzt wird.

Die Vorteile von Biogas

  • Biogas kann ganzjährig produziert werden und ist nicht witterungsabhängig.
  • Der Energieträger von Biogas ist Methan. Methan ist auch der Hauptbestandteil von Erdgas. Nach entsprechender Aufbereitung lässt sich Biogas daher problemlos ins Erdgasnetz einspeisen, speichern und transportieren.
  • Mit Biogas lassen sich ohne technische Anpassungen Häuser beheizen, Erdgas-Fahrzeuge betanken und KWK-Anlagen betreiben, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen.

Mögliche Nachteile von Biomasse

  • Anbauflächen: Um das Volumen von Biogas in der Gasversorgung zu steigern, werden teilweise spezielle Energiepflanzen angebaut. Sind regional die für den Anbau zur Verfügung stehenden Flächen begrenzt, konkurriert der Anbau von Energiepflanzen mit der Nahrungsmittelproduktion und dem Schutz natürlicher Ökosysteme. Werden zum Beispiel Wälder für den Anbau von Energiepflanzen gerodet, kann dies unterm Strich klimaschädlich sein.
  • Die Wachstumsbedingungen: Stichworte sind hier der hohe Trinkwasserverbrauch zur Bewässerung, der Einsatz schädlicher Pestizide und die Treibhausgas freisetzende Düngung (N2O).
  • Positiv zu bewerten ist die Biogaserzeugung bei entsprechend verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen sowie bei der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen oder von in Privathaushalten getrennt gesammelten Bioabfälle.
  • Biogas ist aktuell noch vergleichsweise teuer.

CO2-Neutralisation von Erdgaslieferung

Ihr Unternehmen möchte zum Klimaschutz beitragen? Eine interessante Einstiegsmöglichkeit ist der freiwillige Zertifikatehandel zur CO2-Neutralisation von Erdgaslieferungen. Damit können Sie Ihre Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen durch Zertifikate aus Drittprojekten im Bereich Klimaschutz neutralisieren. Sie leisten so einen messbaren Beitrag zur CO2-Reduktion.

Die Klimaprojekte sind weltweit verfügbar, stammen jedoch meistens aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Konkret bedeutet das: Sie unterstützen beispielsweise die Wiederaufforstung von Wäldern, den Bau von Anlagen im Bereich erneuerbare Energien oder Projekte zur Verbesserung der alltäglichen Infrastruktur – wie Kochöfen oder Wasserfilter.

Die Vorteile für Ihr Unternehmen:

  • Verbesserung von Unternehmensimage und CO2-Fußabdruck
  • Erfüllen von Anforderungen bezüglich Nachhaltigkeit
  • Unkompliziertes, einfaches Verfahren zur CO2-Kompensation
  • Differenzierung vom Wettbewerb durch Auswahl spezifischer Projekte möglich

Beachten Sie, dass die Neutralisierung über CO2-Zertifikate keine Auswirkungen auf die Zusatzkosten durch das BEHG hat. Die Kosten durch das BEHG entfallen hierdurch nicht. Mehr zu dem BEHG erfahren Sie hier. 

Interessieren Sie sich auch für Grünstrom? Dann nehmen Sie an unserem kostenfreien Webinar am 8. Dezember um 9:00 Uhr teil.

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Fazit

Grünes Gas besitzt großes Potenzial für die Dekarbonisierung. Das macht es zu einem interessanten Energieträger für die Energiewende in Deutschland. Allerdings stehen wir – besonders bei der Erzeugung Nutzung von (grünem) Wasserstoff – technisch und wirtschaftlich noch ganz am Anfang. Zum Beispiel bei der Power-to-Gas-Technologie: Hier gibt es bisher nur wenige kleine Anlagen in Deutschland, da für eine Nutzung im größeren Maßstab bisher die wirtschaftliche Grundlage fehlt (fehlende Anreize, regulatorische Rahmenbedingungen). Eine interessante Alternative für Unternehmen ist der freiwillige Zertifikatehandel zur CO2-Neutralisation von Gaslieferungen. Sie können damit jetzt einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Davon profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch das Image und damit die Wettbewerbsposition Ihres Unternehmens.

Zugleich sorgt das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) für ein wirksames Preissignal zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Ein Signal, das Anreize für die Senkung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe setzt und gleichzeitig den Umstieg auf klimaschonende Technologien sowie die Nutzung erneuerbarer Energieträger forciert. Es schafft auch die Grundlagen für den Handel mit Zertifikaten für Emissionen aus Brennstoffen und sorgt für eine Bepreisung derselben. Welche Konsequenzen das BEHG für Ihr Unternehmen hat, erfahren Sie hier.

Themen: Trends und Wissenswertes, Dekarbonisierung

Florian Dejon

Autor: Florian Dejon

Florian Dejon ist seit Anfang 2018 bei MVV Enamic als Produktmanager unter anderem zuständig für grüne Commodity-Produkte. Zuvor war er fünf Jahre lang Prozessmanager im Bereich Direktvermarkung bei MVV Trading. Florian Dejon studierte Mittelstandsökonomie an der FH Kaiserslautern sowie Internationale BWL und Außenhandel an der FH Worms und legte seinen Schwerpunkt auf die Themen Prozessmanagement und Lean Administration.

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