Welche Folgen hat der Solardeckel?

29.04.20 11:00 von Cemrehan Engin

PV_Gigawatt-DeckelAls Solarstrom noch teuer war, hatte die Bundesregierung entschieden, dass Betreiber von Photovoltaikanlagen in Deutschland für eingespeisten Solarstrom 20 Jahre lang eine feste Vergütung erhalten. Diese Förderung ist in Gefahr. Grund ist der sogenannte 52-Gigawatt-Deckel, der 2012 im Zuge einer Gesetzesreform beschlossen wurde. Was es mit diesem Solardeckel auf sich hat und zurzeit diskutiert wird, lesen Sie in diesem Beitrag.

Worum geht es bei der 52-Gigawatt-Deckelung?

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten Betreiber von Photovoltaikanlagen in Deutschland für eingespeisten Solarstrom 20 Jahre lang eine feste Vergütung. Im EEG ist außerdem vorgesehen, dass neue PV-Anlagen keine Einspeisevergütung mehr erhalten, sobald alle in Deutschland installierten PV-Anlagen zusammen eine Leistung von 52 Gigawatt erreichen.

Wann wird der Solardeckel voraussichtlich erreicht sein?

Momentan liegt die Gesamtleistung bei etwas über 50 Gigawatt. Experten gehen davon aus, dass die installierte Photovoltaik-Leistung von 52 Gigawatt in den nächsten Wochen erreicht wird.

Was geschieht, wenn die 52 Gigawatt erreicht sind?

Sobald die Leistung von 52 Gigawatt erreicht ist, werden neue Photovoltaikanlagen bis 750 Kilowatt nicht mehr gefördert – was de facto ein Ende der Photovoltaik-Einspeisevergütung darstellt. Das gefährdet nicht nur den weiteren Ausbau der Solarenergie und die Solarbranche allgemein, sondern droht auch die klimapolitische Glaubwürdigkeit der Bundesregierung zu schädigen.

Das Ziel von 65 Prozent Ökostrom bis 2030 wird verfehlt werden

Gerade im Zusammenhang mit der Energiewende ist der Solardeckel überholt und widerspricht der Gesamtstrategie der Bundesregierung. Die Gefahr ist, dass der Markt der Solarbranche einbricht und so das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ökostrom-Ziel deutlich verfehlt wird.

Denn zum einen mit der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland kontinuierlich und beschleunigt fortgesetzt werden, zum anderen steigt der Bedarf an Stromkapazitäten erheblich.

Wie sieht die Lösung aus?

Zahlreiche Verbände und weite Teile der Politik fordern schon lange eine ersatzlose Streichung des Solardeckels.

Schon im September 2019 hatte die Bundesregierung die Abschaffung zugesagt. Die Durchsetzung der notwendigen Gesetzesänderung wird von Experten und der gesamten Branche erwartet, steht aber immer noch aus.

Die Abschaffung der Deckelung reicht allerdings nicht aus. Um eine drohende Stromversorgungs- und Klimaschutz-Lücke zu vermeiden, muss der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der von Photovoltaikanlagen, deutlich stärker gefördert werden.

Fazit

Photovoltaik ist heute neben der Windkraft eine der effizientesten Arten der Stromerzeugung in Deutschland. Unternehmen und Privathaushalte können mit eigenen PV-Anlagen günstig Strom erzeugen und zum Eigenverbrauch oder die Einspeisevergütung als weitere Einnahmequelle nutzen. Die PV-Deckelung gefährdet somit den weiteren Ausbau der Solarenergie in Deutschland sowie die klimapolitische Glaubwürdigkeit der Bundesregierung.

Photovoltaik

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit

Themen: Eigenerzeugung und Speicher

Cemrehan Engin

Autor: Cemrehan Engin

Cemrehan Engin hat Energiewirtschaft studiert und ist seit November 2017 als Produktmanager im Business Development bei der MVV Enamic GmbH tätig. Dabei widmet er sich innovativen Energielösungen für Geschäftskunden. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Photovoltaik, Speicher und Smart Metering. T +49 (621) 290-3928 E-Mail cemrehan.engin@mvv.de

* Pflichtfelder

Informiert bleiben

Wir informieren Sie über die Themen Energieeffizienz, Energiebeschaffung, clevere Energielösungen sowie aktuelle Trends und Technologien.

Los geht's